Alessandro Ristori & the Portofinos
Sam Riley, Tom Felton und CEO Nicolas Baretzki
Tom Felton und CEO Nicolas Baretzki
Schauspiel-Kolleginnen: Peri Baumeister, Anna Maria Mühe und Jasna Fritzi Bauer

Die Nacht war schwarz und regnerisch, der Betonbunker am Halleschen Ufer ist ein Ort von fast bedrohlicher Wucht und zugleich einer dieser typischen Berliner Orte, die das hippe Image der Stadt prägen. Ein roher, kraftvoller Platz für Kunst, die „Feuerle Collection“ ist hier untergebracht. Und für einen Abend war es ein exklusiver Galerie-Raum für die neue „UltraBlack“ Kollektion von Montblanc. Ein Rucksack im neuen Monogram, die 1858 Geosphere Uhr, der Montblanc MB 01 Stift, der Over-Ear-Kopfhörer, die Mini-Mappe. Coole Accessoires, inszeniert wie Skulpturen auf hohen Podesten und von wegen Galerien sind White Cubes!

Dunkel war es, mit jener Magie, die einen guten Club ausmacht, geheimnisvoll und trotzdem konnte man noch was sehen. Und staunen. Denn was für ein Abend das war mal wieder, was für ein Line-up der angesagtesten deutschen Schauspieler, aber auch jemand wie der Brite Tom Felton, der berühmt wurde als Draco Malfoy aus Harry Potter und sich einen Spaß daraus machte von den anderen Gästen Autogramme zu sammeln. Lange Tische, glückliche Menschen, intensive Gespräche, die Postpandemie-Seligkeit, die ohne Posen daher kommt. Wie CEO Nicolas Baretzki in seiner Begrüßung sagte. „Willkommen zu diesem wunderbaren Abend, der schon deswegen wunderbar ist, weil ein Event.“ Als dann noch The Portofinos und ihr Sänger Alessandro Ristori mit ihrem Gute-Laune-Repertoire aus Rock ’n‘ Roll Performance und italienischen  Schmonzetten auftraten, gab es kein Halten mehr, der Bunker schwoofte und strahlte. „Wir lieben es zu überraschen“, hatte Baretzki noch gesagt. Mission accomplished. Inga Griese aus Berlin

Inga Griese bei WELT IM TV

über die Met-Gala in New York

Foto Paul Empson c/o Kathrin Hohberg für ICON.

Foto Paul Empson c/o Kathrin Hohberg für ICON

Hebt sich ab: Auf dem Supersalone präsentierte Molteni Flight D.154.5, eine Installation von Ron Gilad, die ein Flugzeuginterieur nachbildet und eine Neuauflage des Sessels Round D.154.5 zeigt, der 1954 von Gio Ponti entworfen wurde für das Alitalia Passagierterminal.    
Härteste Währung: Instagramable. Für Cassina kein Problem. Hier der Sengu Table und Dudet Armchair von Patricia Urquiola für Cassina. Foto Valentina Sommariva.
Runde Sache: Sonderedition der Ikone UP5_6 von 1969 entworfen von Gaetano Pesce für B&B Italia. Material? Recycelte Flaschenkorken aus Italien.    
Dior Klassiker neu interpretiert von Nendo. Foto Yuto Kudo.
Versace Home und das Aeternitas Love Bed mit  „La Greca“ Muster.
Zurückhaltender Luxus: Sillage d’Hermès Sessel von Mumbai Studio für Hermès.
Das Stuttgarter Kollektiv anima ona verwendete für den Tisch Dolmen Bauschutt von der Baustelle des Hauptbahnhofs Stuttgart 21  – meist ausrangierter Schaumstoff, den sie dann mit Kalkputz überziehen.
50 Jahre Parentesi von Flos. Photo Francesco Caredda.
Outdoor-Bank Lee von Flexform.
Lazy Hub von Piero Lissoni für Glas Italia.
Bringen Gutes zurück, ohne Retro zu sein: Das libanesische Designerduo David&Nicolas entwirft für Tacchini das modulare Sofa-System Victoria.
Daydream Regal von Objects of Common Interests für Nilufar. Foto Mattiaiotti.
Aus der Venus Power Kollektion, Patricia Urquiola für cc tapis.
Die Galerie Nilufar zeigte in ihrer Galerie an der Via della Spiga die Serie Some Vibrant Things von Audrey Large.
Alle Exponate von Andrés Reisingers Show Odyssey in der Nilufar Gallery wurden direkt verkauft. Jeweils ein Möbelstück, ein Video und das 3D-File als NFT.
Flux, aus der Technicolor Serie von Peter Saville für Kvadrat.
Langlebig, sozial, verspielt: Seats System. Von Josefin Zachrisson und Mira Bergh in Schweden entworfen und hergestellt.
Objekte des Designstudios NM3 präsentiert von Alcova auf einem altem Militärgelände. Alcova? Die hippe Schwester des Salone.
Sofa-Objekt Serpentine von Christophe de la Fontaine für DANTE – Goods And Bads.
SUN-RA Kollektion von Nanda Vigo über Nilufar Galerie. Foto Mattia Iotti.

20 Neuheiten von der Milan Design Week 

Höhepunkt des Jahres für Möbel-Fans. Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause gab es endlich wieder eine Design Week in Mailand mit einer Mini-Version der Messe, dem Supersalone. Sieben Tage Design-Ausnahmezustand in Mailand. Nirgendwo scheint die Design-Geschäftsdichte so hoch wie hier, nirgends die Branche so geschäftig. Es zeigt sich die Zukunft der Einrichtung und erinnert uns daran, was Interior-Design im besten Fall ist: Ein fabelhaftes Puzzle verschiedenster Stile.  Viele Wege führen zum schönen Wohnen, machen Sie’s einfach, wie Sie mögen.

Zurück auf die Bühne

Auf eines kann man sich bei Michael Kors immer verlassen: Er gibt stets sein Bestes, um gute Laune zu verbreiten. Für seine persönlichen Glücksgefühle verlässt er sich auf den regelmäßigen Besuch von Broadway-Musicals und -Theaterstücken, von denen es so langsam mehr und mehr wieder auf Live-Bühnen schaffen. Für seine Show, die auf der Terrasse des Restaurants „Tavern on the Green“ im Central Park stattfand, baute Kors seine eigene Bühne auf. Der Musical-Star Ariana DeBose, die in Stücken wie „Hamilton“ aufgetreten ist, lieferte die Songs zu den Catwalk-Auftritten von Models wie Kendall Jenner, Adut Akech oder Gigi Hadid.

Der Look: Elegant und romantisch, inspiriert von den Glockenröcken und Strickjacken der 50er-Jahre. Blazer mit offenen Dekolletés richten sich an die Frauen, die sich wieder aufs Büro freuen, Spitzenröcke werden zu BH-Tops oder weißen Blusen kombiniert und Pastellfarben vermitteln eben die hoffnungsvolle Botschaft, die Michael Kors an die Welt senden will. Dies tut er auch mit seinem Engagement für die New Yorker Charity-Organisation Gods Love We Deliver, zu deren Ehren er einen Pullover entworfen hat. Erlöse aus dessen Verkauf unterstützen die Arbeit der Organisation, die kostenlose Mahlzeiten für an HIV oder Krebs erkrankte Menschen in der Stadt zubereitet und an diese verschickt.  Silvia Ihring aus NY

Bestellen Sie das aktuelle ICON oder downloaden Sie unsere Magazine als E-Paper

Sinnhaft schön

Jeder Entwurf von Gabriela Hearst steht für eine Mission. Für den Frühling und Sommer 2022 stellt diese die Lage der Navajo-Gemeinschaft in den Mittelpunkt, die wie so viele alte Indianer-Stämme in den USA unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit leidet. Für ihre neue Kollektion ließ Gabriela Hearst Webarbeiten von den Navajos herstellen, kooperierte zudem mit mehreren Kreativen aus der Community und mit verschiedenen NGO´s, die Handarbeiten in Ländern wie Bolivien und Hearsts Heimatland Uruguay fördern. Die Materialien? Umweltfreundliches Leinen und Kork für die Schuhe, die Farben kommen ohne Chemikalien aus und die Baumwollteile basieren ausschließlich auf Stoffresten.

Von Ferien und Farben

Die Sonne über Little Island ging gerade unter, aber der Laufsteg von Proenza Schouler strahlte umso stärker. Mit der im Frühling eröffneten, auf tulpenförmigen Betonstelzen gebauten Insel konnte das Label eine der wohl aufregendsten Locations der Saison gewinnen, aber auch die Mode überzeugte. Lazaro Hernandez und Jack McCollough dachten ihre Klassiker neu, weite fließende Kleider, locker sitzende Trenchcoats und Anzüge, verarbeitet in Jacquards und getaucht in leuchtende Farben. An den Ärmeln baumelten dicke Fransen aus Perlen, Mäntel waren mit verfremdeten Tigermustern bedruckt und Cut-Outs zierten Rollkragen-Tops, die zu weiten luftigen Hosen kombiniert wurden. Inspirationen von einer Reise nach Hawaii spiegelte sich in den Details der Kollektion wider, wie den handgemachten Lei, den typisch hawaiianischen Blumenketten, die einige Models um die Hälse trugen. Die Großstadtinsel Manhattan mag sich nicht immer paradiesisch anfühlen, aber Proenza Schouler liefert die Art Mode, die das Leben dort ein wenig angenehmer macht. Silvia Ihring aus NY

Keine Zeit zu sterben

Seit 1995 trägt James Bond Uhren von Omega – damit ist er seinen Zeitmessern wesentlich treuer als seinen Frauen. Als der Kinostart von „Keine Zeit zu sterben“ deshalb im März 2020 wegen Covid verschoben werden musste, unkten viele Experten, dies würde auch den Erfolg der „Seamaster Diver 300M 007 Edition“ schmälern. Doch glaubt man den Bielern, war das Gegenteil der Fall. Omega hatte sich gegen eine limitierte Stückzahl entschieden und die Kunden waren anscheinend froh, schon ein wenig von Bond bei sich tragen zu dürfen. Nun kommt der Streifen, der für viele Fans eine Rückkehr zur Normalität symbolisiert, tatsächlich in die Kinos – und die Manufaktur hat schon einmal einen kleinen Vorgucker als Werbefilm veröffentlicht. Wir lernen: Die Zeit geht weiter – und das in in bester 007-Manier mit einem stylischen Knall.

Oval, aber anders

Ein Stuhl, 17 Designer: Dior lässt seinen ikonischen „Medaillon Chair“ neu interpretieren. Das Ergebnis ist eine kleine Frischzellenkur für die ganze Branche.

Mehr

Live from Milan. Dior Maison.

UNDER COVER

Wer nicht auffliegen will, muss sich entsprechend anpassen. Mit afrikanischem Musterprint und Backförmchenbrille getarnt, schickte Fotografin Thandiwe Muriu 2005 ihr Model für die Aufnahme „Camo 05“ auf die Pirsch. Für alle zu erspähen von 21. bis 26. September auf der Photo Basel. Volkshaus Basel.

Labels to like: Etro

Sie trägt seine Sweatshirts, er borgt sich ihre Tasche, beide kaufen die gleichen Hemden: Die strenge Unterteilung zwischen Frauen- und Männermode wird von immer mehr Luxuskunden bewusst ignoriert. Mehr Styling-Freiheit bedeutet schließlich mehr Optionen – und diese reihen sich nun die neuen „Earthbeat“- Sneakers von Etro ein. Der Unisex-Schuh fällt durch sein Patchwork-Design aus Kalbsleder, Paisley-Jacquard und bedruckten Stoffdetails auf und ist mit Details wie Fransen und neonfarbenen Schnürsenkeln verziert. Vorgestellt wurde der „Earthbeat“ auf der Männermodenschau im vergangenen Juni, die Models trugen dazu gemusterte Leggings und weite Baggy-Hosen. Ein Styling, das sich vermutlich auch ein paar Frauen abschauen werden.

Monopoli. Total Look und Tasche „Mount“ aus Kalbsleder von Bottega Veneta
Locorotondo. Total Look von Celine. Collier „Harmonia“ von Swarovski
Torre Cintola. Transparentes Hemdkleid, Strickbody und Ledergürtel: Tod’s. Sonnenbrille: Chanel
Total Look von Chanel
Wohin des Wegs? Nach Apulien! Und zwar für unser Mode-Shooting. Berit Heitmann trägt hier, über den Dächern der berühmten Trulli-Häuser, Prada total
Locorotondo. Total Look aus zwei Pullovern und Shorts von Etro. Schuhe: Tod’s
Masseria Torre Coccaro. Oversized Sweatshirt von Versace. Basecap: Hermès
Alberobello. Total Look von Dolce & Gabbana
Locorotondo. Caban-Jacke, Rolli und Hose: Loro Piana. Mary Janes in Silber: Dior
Ceglie Messapica. Total Look aus Paillettenkleid, Halskette mit Küken-Anhänger und Mokassin von Gucci
Ceglie Messapica. Total Look von Fendi. Typische Luminarie-Lichtinstallation aus der Region
Locorotondo. Total Look von Christian Dior
Locorotondo. Wolljacke, Hemd, Wollhose und „Babouche“-Schuhe mit Goldschnalle von Jil Sander
Ceglie Messapica. Oversized Mantel von Dries Van Noten. Tanktop und Hose von Brunello Cucinelli. Ohrring „Oribita“ von Swarovski. Dazu trägt Berit Pantoletten von Louis Vuitton
Locorotondo. Kaschmir-Mantel, Top und Hose von Max Mara. Sneakers: Hermès
Monopoli. Berit im Total Look von Alexander McQueen. Brille von Christian Dior
Monopoli. Total Look von Louis Vuitton. Wollte mit ins Bild: Hündin Lea von einem Passanten
Masseria Torre Coccaro. Hellblaues Hemd mit Spitze und Jeans von Valentino

Zwischen Tür und Trulli

In Apulien herrscht Gelassenheit. Schon deshalb wollten wir unbedingt dorthin mit den Looks der neuen Saison. Denn darum geht es doch jetzt. Und natürlich um den schönen Augenblick.

Die Bewohner der italienischen Stiefelspitze sind schwer zu beeindrucken. Schon gar nicht von einem Mode-Shooting und einem Team aus dem vergleichsweise hohen Norden. Dass immer mehr Menschen von außerhalb den Weg nach Apulien finden und von Landschaft und Architektur hingerissen sind, ist für sie kein Grund, selbst aus der Fassung zu geraten. Diese Region ist eine mit Ecken und Kanten und das macht ihren Reiz aus. Mit karibikblauem Wasser, historischen Gebäuden, aber eben auch mit Imperfektionen. Nie hat man das Gefühl, hier durch ein Open-Air-Museum zu laufen. Das Historische prallt hier und da auf die Gegenwart und die Natur wiederum erobert sich an ungeahnten Stellen ihren Raum. Es ist diese Spannung, die unser Team bei seiner Arbeit beflügelte. Ob in Alberobello, einem der bekanntesten Orte der Region, bekannt für seine Trulli, in der Hafenstadt Monopoli oder in Ceglie Messapica: Die offensichtliche Schönheit dieser Orte war immer nur das Entrée zu den verborgenen Ecken, die mit ihrem Charme auf den zweiten Blick begeisterten. So ergab es sich auch, dass wir vor vielen Türen ungeplant stehen blieben und loslegten. Sie sind Hingucker und Metapher für eine Region, in der die Menschen offen sind – für alle schönen Dinge, die da kommen mögen. Ein Gefühl, das man sich in der nächsten Saison überziehen sollte, und das garantiert nicht aus der Mode kommen wird.

Fotograf: Niko Schmid-Burgk c/o Schierke Artists

Styling: Silja Lange

Model: Berit Heitmann c/o Spin Model Management

Haare & Make-Up: Uli Wissel c/o Uschi Rabe

Digital Operator: Stefan Hauck c/o Blink Imaging

Assistent: Bruno Axhausen

Produktion: Caminante Productions

In Apulien herrscht Gelassenheit. Schon deshalb wollten wir unbedingt dorthin mit den Looks der neuen Saison. Denn darum geht es doch jetzt. Und natürlich um den schönen Augenblick.

Muse Berit Heitmann c/o Spin Model Managment
Kamera Bruno Axhausen

 

Das Leben ist schön

 ICON. Unsere neue Ausgabe.

Robert Lebeck, 1968, Westerland.  In der Online-Auktion der Berliner Villa Grisebach zum Thema „Die Krawatte in der Photographie“ findet.

Love is in the air

Darf der das? Nicht die Krawatte. Sondern da hingucken, wo er hinguckt? – Ist es nicht verwirrend wie das Stoffmuster, dass einem eine solche Frage in den Sinn kommt? Statt Pril-Blumen zum Beispiel. Was ist da passiert mit uns, seit Robert Lebeck diese wunderbare Aufnahme in Westerland machte? (Die sich in guter Gesellschaft mit Werken von Warhol bis William Klein in der Online-Auktion der Berliner Villa Grisebach zum Thema „Die Krawatte in der Photographie“ findet). 1968 hat Lebeck die Szene fotografiert. Damals, als braun werden ein Ausdruck von Wohlstand und Orange die Megafarbe war, als die Deutschen das Wirtschaftswunder entdeckten und auch die Rebellion. Als entscheidende Weichen gestellt wurden für die gesellschaftlichen Freiheiten, die heute absurderweise von eigenwilliger moralischer Hysterie wieder eingekreist werden. Wir wollten frei sein und wir wurden es.

Natürlich gibt es noch Optimierungsbedarf, aber ganz wesentliche Themen wie Emanzipation, Akzeptanz von Diversität und Sexualität, Religionsfreiheit, freie Lebensentwürfe wurden doch in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts überhaupt erst möglich. Manchmal sorge ich mich. Wenn Natur nicht verstanden wird. Kunst einfach abgehängt, weil sie angeblich belästigt, statt sich darüber auszutauschen. Wenn in der Berliner Blase genderneutrale Toiletten an Grundschulen thematisiert werden, statt das eigentliche Problem zu politisieren, dass wirklich in jeder Hinsicht gute Schulen noch immer Glückssache im reichen Deutschland sind. Und vieles mehr. Aber dies ist ICON. Das Anti-Problem. Wir suchen stets nach Schönheit, Inspiration, Zuversicht. Nach denen, die was machen aus der wunderbaren Welt, die uns trotz aller Unwägbarkeiten zur Verfügung steht. Weil das Gute heilt. Kürzlich sagte ein Musikwissenschaftler im Deutschlandfunk, Kultur sei kein Kohlehydrat, sondern ein Enzym. Also lebenswichtig. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Freude beim Lesen! Morgen in WELT AM SONNTAG. Ihre Inga Griese

Fabel(hafte) Wesen

Dass vielen Tieren menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden, wissen wir aus Fabeln und Geschichten. Zu den listigen Schlangen und dem klugen Igel gesellt sich in der Animaux Kollektion von Boucheron nun die eigensinnige Katze. Inspiriert von Wladimir, einem Kater, der einst über das Stammhaus am Pariser Place Vendôme 26 gewacht haben soll. Kettenanhänger, Ringe und Ohrringe tragen sein diamantenbesetztes Konterfei. Präsentiert werden die Neuheiten von Markenbotschafterin und Modedesignerin Alexa Chung, die im Kampagnenvideo kurzerhand von Wladimir ans Telefon geholt wird.

Hochfrequent

Frederique Constants „Monolithic“-Hemmung gehört zweifellos zu den wichtigsten technischen Neuerungen  der vergangenen Jahre. Schließlich räumt sie gründlich mit einem 250 Jahre alten Bauprinzip auf, benötigt statt 26 Bauteilen nur eines und ist völlig amagnetisch. Die Schwingfrequenz ist zehnmal so hoch wie bei üblichen Mechanismen. Dadurch ist sie superpräzise – und ein echter Hingucker. Die „Slimline Monolithic Manufacture“ gibt es in zwei Stahl- und einer Roségoldversion.

Maus-Zeiger

Comic-Kooperationen sind derzeit ein heißes Thema in der Haute Horlogerie. Bei Bulgari haben sie schon Tradition – oder vielmehr bei Designlegende Gérald Genta, dessen Marke die Italiener 1998 kauften. Die „Gérald Genta Arena Retro Mickey Mouse Disney“ folgt weitgehend einer Vorlage aus den 90ern. „Retro“ steht dabei gar nicht für nostalgische Gestaltung, sondern für die typische retrograde Minutenanzeige Gentas, kombiniert mit einer springenden Stunde im Fenster. Die Uhr mit Stahlgehäuse und Automatikantrieb ist limitiert auf 150 Exemplare.

Großes Theater

Wenn Dolce & Gabbana ihre Alta Moda zeigen, ist klar, dass das ganz große Rad gedreht wird: Diesmal ging es um Handwerkskunst und Traditionen aus Venedig: Muranoglas, Karneval, Casanova, Kronleuchter, Mosaike – übersetzt in einzigartige Roben. Gezeigt wurden sie auf dem Markusplatz vor dem Dogenpalast als Kulisse. Die Models, darunter die Töchter von Monica Bellucci, Heidi Klum und Puff Daddy, glitten zu Vivaldi den Laufsteg entlang. Währenddessen verfärbte sich der Himmel von Pink zu Grau zu Schwarz. Dann kam ein Regenbogen, die Glocken läuteten, Windböen kamen auf und gerade als Stefano Dolce und Domenico Gabbana den Schlussapplaus abgenommen hatten, brach ein Platzregen los. Ob das Teil der Inszenierung war? Bei Dolce & Gabbana wäre es in jedem Fall denkbar. Ganz, ganz große Theater! Heike Blümner aus Venedig.

 

Dolce & Gabbana Casa

Möbel Couture

Im November eröffnet in Mailand der erste Dolce & Gabbana Casa Flagshipstore und im April 2022 werden die Designer ihre neue Möbelkollektion auf der weltgrößten Möbelmesse in Mailand präsentieren. Eine Preview gab es jedoch jetzt schon in Venedig. „Wir lieben den Exzess“, verkündeten Stefano Dolce und Domenico Gabbana auf ihrer Pressekonferenz. Und schöpfen wie immer aus dem Vollen.

Es ist ein Fest italienischer Handwerkskunst vom sizilianischen Carretto bis zum venezianischen Murano-Glas geht man an die Grenzen des Machbaren. Letztlich handelt es sich um Möbel Couture. Aufwendiger geht es kaum. Und während einerseits der Tradition gehuldigt wird, kommt der Spaß nie zu kurz. Ob bemalte Kühlschränke oder Polsterlandschaften im Leopardenlook: Gute Laune gibt’s bei Dolce & Gabbana im Überfluss. Heike Blümner live aus Venedig.

Schauspieler Cillian Murphy
DJane Peggy Gou
Starregisseur Spike Lee
Sänger und Schriftsteller Chen Kun
Schauspielerin Xin Zhi Lei

Von Neuem

Schreiber fürchten sich häufig vor der weißen Seite, dem unbeschriebenen Blatt. Schließlich ist der Anfang das Wichtigste, das erste Kapitel von etwas Neuem. Montblanc ehrt mit der Neuauflage der Kampagne „What Moves You, Makes You“ jene, die kreativ nach Neuem streben. Etwa den irischen Schauspieler Cillian Murphy, für den jede Rolle ein weißes Blatt ist, das er mit Leben füllt. Einen Neuanfang der anderen Art machte die Südkoreanerin Peggy Gou, die ihre Karriere als DJane begann und später ihre eigene Plattenfirma gründete und als Modeunternehmerin arbeitet. Die Botschaft: Kreativität ist es immer wert, gelebt zu werden. Begleitet wird die Kampagne von der neuen Montblanc UltraBlack Kollektion.

George Hoyningen-Huene The Divers
Swimwear by Izod, 1930
© George Hoyningen-Huene Estate Archives
Daniela  Müller – Brunke
George Hoyningen-Huene Greta Garbo, 1955 © George Hoyningen-Huene Estate Archives
George Hoyningen-Huene Balenciaga 1938 © George Hoyningen-Huene Estate Archives
Bruce Gilden Terry Des Moines, Iowas © Bruce Gilden
Heinz Hajek-Halke Südliche Erinnerung, 1957 © Heinz Hajek-Halke und CHAUSSEE 36
Funplace BERLIN PHOTO WEEK 2019 © Kolja Eckert
Children playing at the Western side of the Berlin wall, West Berlin, 1963 © Thomas Hoepker and Magnum Photos[

Sehen und sehen werden

Was gefühlt gestern noch nur einen Flug entfernt war, erscheint heute weit und in Teilen unerreichbar. Wir blicken auf den gleichen Horizont in einer anderen Welt. Auch der Künstler und Modefotograf George Hoyningen-Huene erlebte von 1900 bis 1968 eine Welt im Wandel. Immer dann erfreulich, wenn es um den Fortschritt ging. Etwa als Damenmode endlich betonte, anstatt nur zu bedecken, und Bademode tatsächlich braun gebrannte Arme und Beine zuließ. Davon erzählt die Aufnahme „The Divers“, die er 1930 fotografierte. Sie ist Teil der Berlin Photo Week, die mit verschiedenen Ausstellungen und Expertenrunden nicht nur zurück, sondern auch nach vorn schaut – in eine Welt, die auch von Berlin aus betrachtet immer noch groß, weit und inspirierend ist. Ab 27.8. berlinphotoweek.com