Moin!

Egal, was sonst ist, Sylt ist nun mal der deutsche Sehnsuchtsort. In diesem Jahr noch einmal ganz besonders, in der Pandemie hat sich die Insel als „Safe Place“ behauptet, das einzigartige, gesunde Klima ist einmal mehr in den Fokus gerückt. Der größte Luxus. Die Immobilienpreise sind es auch, die Kaufkraft vieler Gäste ist immens, aber das ist eigentlich Beiwerk. Der wahre Reiz liegt seit je in der scheinbar unkaputtbaren Luft, dem weiten Blick, dem langen Strand und einem unbezahlbaren Gut: dem Gefühl von Freiheit. Wie haben wir das im vergangenen Jahr vermissen müssen!

Die wilden Zeiten sind vorbei, aber die Wildnis ist noch da. Und der glückliche Übermut eines „Happy Place“ und tief empfundene Naturverbundenheit schließen sich nicht aus. Deshalb passt auch ein aufgetakelter Stil nicht hierher. Was nützt die Kunstfrisur, wenn der Wind kommt? Machtgehabe macht sich lächerlich. Denn das Meer lehrt Demut: Wenn es wütet, ist der Mensch hilflos. Das ist unser Geist. Deswegen haben wir voller Freude eine Ausgabe nur für Sylt gemacht. Klar sind die anderen Nordseeinseln auch herrlich. Aber ich bin parteiisch, bitte sehen Sie es nach. Mit drei Monaten kam ich 1957 das erste Mal her. Es hat nie aufgehört. Ein ungeheures Glück. Inga Griese

Die Stilisten

 Heute in WELT und WELT AM SONNTAG Norddeutschland.

„Schenken macht glücklich. Beide Seiten, aber vor allem den, der schenkt. Ich habe mir eine Patenschaft für Brenda geschenkt. Brenda ist ein Orang-Utan-Mädchen in Sumatra. Wir sind jetzt auch in Briefkontakt. Die Forschung hat schon vor langer Zeit herausgefunden: Das Glück über eine Million im Lotto hält einen Monat. Danach kommen die Probleme, es kann schnell verfliegen, wenn man Glück mit Euphorie übersetzt. Aber wie dann? Mit Zufall? Am längsten glücklich macht Studien zufolge eine gelungene Schönheitsoperation! Betonung auf gelungen.

 Wenn man darüber nachdenkt, kann man es verstehen. Es in der Hand zu haben, dem Schicksal doch ein Schnippchen zu schlagen. Etwas, das einen immer störte, ist weg. Oder etwas, das man nie hatte, ist dran. Das Glück im Leben, die Chance zu haben, etwas zu korrigieren. Ich hoffe, dass Brenda ausgewildert werden kann, weil wenigstens noch etwas Wald übrig ist. Aber es hat mich bereits nachhaltig glücklich gemacht, etwas korrigieren zu können. Ihr Schicksal war praktisch besiegelt gewesen, sie wurde mit gebrochenem Arm gefunden. Jetzt hat sie eine Zukunft.“

Wolfgang Joop für ICON

Fotos @artonsefa
Styling @birgitschlotterbeck
Muse @milenafeuerer
Hair & Make-Up @anna_neugebauer
Assistence @sebastian_muth @timloebbert

Eisige Temperaturen in der Frankfurter Innenstadt: Der neu eröffnete Canada Goose Store macht es möglich.

Abkühlung gefällig?

Mag komisch klingen, sich am bislang heißesten Tag des Jahres freiwillig in eine Daunenjacke zu hüllen. Und das mitten in der Frankfurter Innenstadt. Der Mantel ist bodenlang, mit Kapuze, schön hochgeschlossen, das luftige Sommerkleid somit bestens verdeckt. Er ist der Stufe TEI4 zugeordnet. Der „Thermal Experience Index“, ein Fünf-Punkte-System, das die Daunenexperten von Canada Goose entwickelt haben, soll es Kunden leichter machen, einzuordnen, für welche Art von Kälte sie die Daunenjacke benötigen. TEI4 hält bis -25 Grad mollig warm, TEI5 wäre genau das richtige für extreme Kältebedingungen, also die nächste Arktis-Expedition.

Um genau die dortigen unwirtlichen Bedingungen nachempfinden zu können, denn hier vor die Tür gehen macht nun wirklich keinen Sinn, hat das 1957 gegründete kanadische Modeunternehmen daher in seinen neuen Laden in Frankfurt einen „Cold Room“ eingebaut. Eine begehbare Umkleidekabine, speziell klimatisiert und auf -25 Grad herunter gekühlt. Mit Schnee an den Wänden. Anders gesagt: Man betritt eine verglaste, überdimensionierte Tiefkühltruhe. Die Kälte im Innern ist angenehm trocken und dick eingepackt, merkt man kaum einen Unterschied zu draußen. Bedeutet: Die Jacke hält was sie verspricht. Und zugegeben: Es ist fast zu schön da drinnen, um wieder in die Hitze zu gehen. Caroline Börger

Rathenauplatz 1, Kalbächer Gasse, 60313 Frankfurt
https://www.canadagoose.com/de/de/frankfurt-store.html

Wunder-Bar

Es empfiehlt sich, beim nächsten Besuch bei Swarovksi etwas Zeit einzuplanen. Vor dem Stöbern kommt nämlich das Staunen. Wer einen der 28 neuen Instant Wonder Stores betritt, findet sich vor einem übergroßen Setzkasten, der die schönsten Kreationen des Kristallglasherstellers beherbergt. Jedes Geschäft ist monochrom in einer anderen Farbe gehalten.

Swarovski store designed by Villa Eugenie, avenue des Champs Elysees, Paris, France – Photo ©Kristen Pelou

Rapper A$AP Rocky
Skaterin Oumi Janta als eines der 16 Gesichter der Kampagne
Rapper Slowthai
Rapper Tricky
Musikerin Arca
Künstler Mark Leckey als eines der 16 Gesichte der Kampagne

Grinch-Grün

Während sich die meisten zaghaft der Planung erster Post-Pandemic-Projekte widmen, sind Musiker A$AP Rocky und das Modehaus Bottega Veneta schon einen Schritt weiter. Für die Wardrobe 02 Pre-Fall Kollektion hat das italienische Modehaus die Zeit genutzt und Bewährtem einen neuen Anstrich verpasst: Gerade Schnitte und schlichte Designs treffen auf Federn und Perlen, Leder und Teddy-Plüsch. Akzentuiert mit Key-Pieces und Accessoires im knalligen Bottega-Grün. Und auf den Kampagnen-Bildern? Kaum Models. Präsentiert wird die Kollektion von 16 Talenten aus aller Welt. Unter ihnen der britische Künstler Mark Leckey und die deutsche Skaterin Oumi Janta. „Es sind Menschen, die wir in der Kleidung sehen wollen“, erklärt Kreativdirektor Daniel Lee. Ganz vorn dabei: A$AP Rocky, der sich vor Veröffentlichung seines vierten Studioalbums auf Instagram in einem Total Look in Grün zeigte. Sein Kommentar? „Es ist kein Grinch, kein Griesgram. Nur Bottega.“

D Ort: Axe Majeur, ein monumentales Meisterwerk des verstorbenen Künstlers Dani Karavan

LOUIS VUITTON WOMEN’S CRUISE 2022 SHOW

Fotos Giovanni Gianonni und Grégoire Vieille

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Die Kollektion gibt es bei Wempe zu sehen (Kurfürstendamm 214-215, Berlin).

FORZA FERRARI

Fashion statt Formel 1. Der Sport-Automobilhersteller drückt aufs Gaspedal und rast mit Designer Rocco Iannone in die Mode-Welt. Das Headquarter wurde zur aufregenden Kulisse für die erste Show. Schnittige Cuts, robuste Materialien und nachhaltige Stoffe gehören zu dem neuen visuellen Konzept. Eine größtenteils Unisex Kollektion, die – wie auch die Sportwagen– auf Leistung und Design setzt. Ausgeschmückt durch große Logo-Prints und dem typischen „Rennrot“, denn die Ursprünge der Marke sind omnipräsent. „Cars have no sex, so does the clothing“ (dt.: Autos haben kein Geschlecht, die Kleidung auch nicht.), heißt es in Ferrari’s Manifest. Und landen damit direkt auf der Pole Position.

Die erste Show der Ferrari-Kollektion fand am 13. Juni in Maranello statt. Video Inga Griese

Vitsœ-Chef Mark Adams (rechts) mit Dieter Rams

Nietfest

An Geburtstagen und Jubiläen scharrt man gern liebe Freunde und Wegbegleiter um sich – so auch das Modehaus Valentino. Zur Feier des 10-jährigen Bestehens der Rockstud-Kollektionen gibt es mit Valentino Garavani Rockstud X gleich mehrere Kollaborationen mit Designer-Kollegen. Den Auftakt macht der Brite Craig Green. Er entwarf einen Herren-Sneaker, der von der Sohle aufwärts mit den typischen Rockstud-Nieten besetzt ist. Erhältlich ist er in vier Farben online und in ausgewählten Valentino-Boutiquen.

Back to the Roots

Ob so der Autohimmel aussieht? Egal, denn dieses Fahrzeug ist ganz real. Es ist das erste von drei Boat Tail Sondermodellen von Rolls-Royce. Das Besondere? Alle drei sind von A bis Z nach Kundenwunsch gestaltet. Wie der Name bereits verrät, diente eine Yacht als Inspirationsquelle. Mit dem Doppelkühlschrank im Kofferraum wird das Auto ebenso zum mobilen Picknickplatz. Damit definiert Rolls-Royce einerseits eine neue Stufe des fahrbaren Luxus. Gleichzeitig besinnt sich das Unternehmen auf seine Ursprünge, denn die Maßanfertigung der Karosserie war einst Standard, bis die Serienproduktion übernahm. Nun kehrt sie unter dem Titel Coachbuild als feste Größe zurück.

Souvenir zum Anziehen

Sommer, Ferienzeit, Lockerungen und neue Freiheiten: Ein Label wie Zimmermann kann jetzt endlich wieder richtig aufblühen. Die Marke aus Sydney ist bekannt für ihre luftigen, romantischen Kleider, für feminine Schnitte, Spitze und Muster, die man lieber in den Straßen von Capri vorführen möchte denn im heimischen Garten. Auf der Modewoche von Sydney hat das Label der Gründerin Nicky Zimmermann nun gerade seine Resort-Kollektion vorgestellt, ein betont fröhlicher Aufruf zur guten Laune: Die Farben erinnern an Eis am Stiel, die Schultern sind oft nackt und die Ärmel voluminös, die Taillen betont und die Kleider mit Häkelarbeiten, Fransen und Stickereien verziert.

Prints aus Sonnenschirmen und Strandansichten stammen aus alten Werbekampagnen für Australien als Touristen-Liebling, die der Grafiker James Northfield in den 50er-Jahren gestaltet hatte. Touristen dürfen derzeit immer noch nicht nach Australien einreisen – aber die Mode von Zimmermann gibts ja auch in Europa. Zum Beispiel in Cannes, wo das Label gerade einen neuen Shop eröffnet hat. Bon Voyage!

Zimmermann Resort 2022 Kollektion. Präsentiert in Sydney.

Auf ein Neues

Rein optisch sieht man der neuen Capsule Collection „C.01” von Plan C ihre Besonderheit nicht an –  sie reiht sich perfekt in den Stil des italienischen Modehauses ein. Und doch ist eines grundlegend anders: Um ein Zeichen für Nachhaltigkeit zu setzten, hat Kreativdirektorin Carolina Castiglioni den sogenannten Deadstock wieder zum Leben erweckt.

Die gesamte Kollektion besteht ausschließlich aus Stoffresten, die von Produktionen zuvor übriggeblieben sind. Kleider, Overalls und Blusen aus grüner, gepunkteter Viskose und gestreifter Baumwolle gehören etwa zu den Ergebnissen, die in limitierter Auflage online erhältlich sind.

Juergen Teller fotografierte für Chanel die Schauspielerin Kristen Stewart vor dem Château de Chenonceau, ein magischer Ort, der intime Melancholie ebenso ausstrahlt wie architektonische Erhabenheit. Die Entwürfe, die klassische Chanel-Eleganz mit Rock-Elementen vereinen, spiegeln das handwerkliche Talent der vielen Ateliers wider, mit denen Chanel für seine Métiers d’Art-Kollektionen stets zusammenarbeitet.

„Die junge Generation hat tatsächlich die Chance, weil sie Wissen hat, beziehungsweise Wissen haben kann, Wissen, das wir nicht hatten. Deswegen ist diese Generation die erste, die in der Lage ist, etwas zu verändern.“

Ex-Markenberater und Ozean-Aktivist Cyrill Gutsch im ICON Interview

BALENCIAGA´S  SPRING 22

Ein Model – Künstlerin und Balenciaga Muse Eliza Douglas, 44 hyperrealistische Klone und ein Ultra-High-Tech-Video mit Geistergästen. Ach ja, und noch mehr Gucci-Balenciaga „Hacking“. Echte Fälschungen für unsere verdrehte Zeit. „Wir entziffern nicht mehr zwischen unbearbeitet und verändert, greifbar und konzeptionell, Fakt und Fiktion, Fake und Deepfake. Technologie schafft alternative Realitäten und Identitäten, eine Welt digitaler Klone.“ Demna Gvasalias neueste Show ist ein Zeichen der Zeit, möchte an der Bildschirm-Besessenheit einer konformen Gesellschaft rütteln.

Die Ausstellung „Dress Code. Das Spiel mit der Mode“. Seit dem 20. Mai in der Bundeskunsthalle Bonn

Einzigartig und erreichbar 

Stardesigner Pierre Yovanovitch bringt eine eigene Möbelkollektion heraus. Eiche, Walnuss, mundgeblasenes Glas, feinstes Leinen, Bronze poliert oder patiniert: Pierre Yovanovitch liebt das Material und seine exquisite Bearbeitung. Der französische Designstar mit Büros in Paris und New York praktiziert seit 20 Jahren das, was jetzt alle propagieren: das Lob der Highend-Handwerkskunst. Die hat in Frankreich eine einzigartige Geschichte, Yovanovitch bereitet Ihr mit seinen Möbelentwürfen eine Bühne.

Ihre Formen sind sanft und reduziert, mit einer Prise amerikanischen und skandinavischen Midcentury-Stils und zugleich von einer Perfektion zum Niederknien. Soviel Klasse gab es bisher nur maßgefertigt und als Galerie-Edition –  eigentlich unbezahlbar. Jetzt hat Pierre Yovanovitch seine eigene Möbelmarke gegründet und eine Kollektion mit 45 Teilen herausgebracht, Sessel, Tische, Leuchten, seriell gefertigt und damit – auf hohem Niveau- erreichbar. Es sind lauter Stücke von zeitloser Eleganz und auf smarte Art provenzalisch. Wie Yovanovitch selbst. Er stammt aus Nizza.