Eine Vision von Wald und Wiedergeburt

Die Mode reflektiert sich neu, sucht nach anderen Wegen des Selbstausdrucks – und greift dabei zu ziemlich ungewöhnlichen Mitteln. Burberry stellte für die Show seiner Frühlings- und Sommerkollektion 2021 einen radikalen Mix aus Medien und Ideen vor: Der Wald dient als Laufsteg, als Kulisse für eine lebende Kunstinstallation und eine Musik-Performance, die von Millionen Zuschauern über die Sozialen Medien verfolgt wird.

Chefdesigner Riccardo Tisci kooperierte für das Projekt mit der deutschen Künstlerin Anne Imhof. Gemeinsam konzipierten sie ein Event, bei dem die Grenzen zwischen Modenschau und Kunstperformance verschwimmen: Models versammeln sich inmitten eines Kreises, wölben und winden sich zur Musik der Künstlerin Eliza Douglas, laden neue Mode mit einer mystischen Botschaft auf. Alle wirken wie Teilnehmer eines archaischen Rituals und sind dabei Zeugen einer technologischen Premiere: Das Event ist die erste Modenschau, die live auf der Plattform Twitch gestreamt wurde. Als Inspiration dienten Tisci Wasser und Natur, Symbole ewiger Wiedergeburt und Erneuerung. 

Alicia von Rittberg. Foto Gregor Hohenberg. Kleid Chanel.

Farewell, Sir Terence Conran!

Bereits als junger Mann hat er begonnen, das zeitgenössische Design zu prägen – und nie wieder damit aufgehört. Funktionales Design für jeden: Das war die Maxime des britischen Designers Terence Conran. Mit seiner Kette „Habitat“ machte er ästhetische Designereinrichtung ab den 60er Jahren für die Mittelschicht erschwinglich und den Verkauf von Möbeln in flachen Kartons soll er schon lange vor Ikea praktiziert haben. Der Designer war in seinen Arbeiten vom nüchtern-funktionalen Bauhaus-Stil inspiriert, den er mit skandinavischen Einflüssen mischte. Seine Möbel sollten „in Würde altern, nahtlos in das Leben ihrer Besitzer gelangen und ihnen jahrelang Freude bereiten“, wie Conran selbst einmal erklärte. Als Höhepunkt seiner Karriere gilt die Gründung des bedeutenden Design Museums in der britischen Hauptstadt. Der heutige Chef-Kurator Peter Mandelson würdigte Conran und sagte, dieser lasse eine „Schatzkiste an Haushalts- und industriellem Design“ zurück, die für immer bleiben werde. In einem Statement der Familie heißt es, Conran habe immer betont, dass sich seine Arbeit nicht wie Arbeit anfühle und er all sein Schaffen auch zum Vergnügen getan habe. Ein besonderer Mann, ein außergewöhnliches Lebenswerk. Heute ist er friedlich eingeschlafen.

Naomi Campbell in Azzedine Alaïa’s letzten Kollektion Anfang 2018
John Galliano für Dior ‘hands’ Haute Couture Drawn für UK Sunday Times, 1999
Christian Lacroix, gezeichnet für UK Sunday Times, 1998
Lacroix Braut, Fall/Winter 1999
Fashion TV 1997
Poster, Galliano für Dior & Tadao Ando, 1999

Illus Gladys Perint Palmer

Mit Stift und Stil

Die Linien wild, die Farben verwischt, das Motiv eine subjektive Interpretation eines Designerlooks, die vielleicht näher an den wahren Charakter der Mode rankommt, als das echte Kleid es jemals könnte: Modeillustration ist eine künstlerische Ausdrucksform, die mehr auf Attitüde denn auf Detailtreue Wert legt. Zumindest, wenn es nach Gladys Perint Palmer geht: Die Britin mit ungarischen Wurzeln gilt seit Jahrzehnten als eine der großen Mode-Illustratoren, sie hat für Häuser wie Dior, Chanel und Christian Lacroix gearbeitet, Magazine wie “Vogue” verschönert und zahlreiche Persönlichkeiten der Szene porträtiert.

Palmer, die zudem jahrelang als Modejournalistin arbeitete und in den 80er-Jahren für den “San Francisco Examiner” von den Modewochen berichtete, schaut dabei auf die Eigenarten eines Charakters ebenso wie auf den Fall eines Stoffs. Sie hat immer eine kleine Anekdote zu erzählen – von denen es einige gibt, nach einer Karriere unter berühmt-berüchtigten Modelegenden von Alexander McQueen bis Anna Wintour. Für die Londoner Galerie für Mode-Illustration Gray MCA erscheint Palmer an diesem Donnerstag bei einer “Virtual Masterclass”, auf der sie von ihrer Kunst und ihrem Leben erzählen wird.  Anmeldungen sind noch schnell hier möglich.

Mr Kim Jones. Photo Brett Lloyd

09/09/20

FENDI is pleased to announce the appointment of Kim Jones as Artistic Director of haute couture, ready-to-wear and fur collections for women. Kim Jones will join Silvia Venturini Fendi, third generation of the Fendi family, who will continue to create the accessories and menswear collections. Kim Jones will at the same time maintain his role as Artistic Director of DIOR Men.

Heute, 16:05 Uhr: Ein Projekt von Virgil Abloh und Gorden Wagener. Eine abgefahrene Mercedes G-Klasse als Kunstinstallation.

Fotos Verena Müller / Montage ICON

Wait for it … Unser Interview und Shooting mit Alicia von Rittberg.

IMMER WEITER

Dolce & Gabbana am Mittwoch in Florenz

Ziemlich schicke Freunde  

Melvin kann manchmal ein kleines Monster sein. Aber mit bestimmten Menschen tut er ganz lieb und will nur kuscheln. Sein Kleiderschrank ist erstaunlich gut ausgestattet und am liebsten trägt er einen gelben Hoodie, den ihm sein Herrchen aus Paris mitgebracht hat.

Sein Herrchen heißt Charlie Salvo und arbeitet als Senior Menswear Designer bei Acne Studios. Gemeinsam mit sechs anderen Angestellten des schwedischen Modelabels und ihren Hunden, modeln Salvo und seine Französische Bulldogge Melvin für eine aktuelle Kampagne des Labels. Alle tragen Stücke aus der aktuellen Fall / Winter 2020-Kollektion, für die die britische Künstlerin Lydia Blakeley Hundeprints entworfen hat. Die Kampagne schaut nicht nur auf die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier – sie ermöglicht einen persönlicheren Zugang zu einer Modemarke, die sich dieses Mal nicht nur über Models und Kleidungsstücke ausdrückt, sondern über echte Freundschaften.

„Talking to Thunder“. In Venezuela gelang ihm die Aufnahme eines von ihm erzeugten Blitzes.
Julius von Bismarck bei Recherche und Produktion für die Ausstellung Feuer mit Feuer.
© Studio Julius von Bismarck / VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Aus der Videoarbeit „Feuer mit Feuer“  © the artist / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Feuer und Flamme 

„Ich ziehe meine Inspiration aus der Wissenschaft und arbeite künstlerisch“, sagt der Künstler Julius von Bismarck. Für seine Arbeit „Punishment“ fotografierte der 36-jährige Künstler in Rio de Janeiro das Meer, in New York die Freiheitsstatue sowie die Alpen. In den USA ging er auf Hurrikan-Jagd oder fing in Venezuela Blitze ein, um die Ästhetik der Naturgewalten zu untersuchen. Er ist immer auf der Suche nach anderen Formen der Wahrnehmung, erforscht mit künstlerischen Mitteln Mensch, Natur und Technologie. Die Ausstellung „JULIUS VON BISMARCK Feuer mit Feuer“ in der Bundeskunsthalle in Bonn ist ab dem 4. September 2020 zu sehen.

Liebe Claudia Schiffer, wir gratulieren herzlich zum 50. Geburtstag.

Jetzt schon eine Ikone: Elle Fanning. Das ganze Interview lesen Sie hier.

Die Kunst ist, als systemirrelevanter Mensch, seinem irrelevanten Leben einen Sinn zu geben, indem man seine Kinder mit so viel Wissen vollstopft, ungefragt, dass sie freiwillig in die Schulen zurückkehren, ihre Lehrer/innen umarmen – unerlaubt – und frohgelaunt wieder in der Masse der Klasse untertauchen.

Florentine Joop

New Luxury

Fotograf: Kristian Schuller; Styling: Peggy Schuller; Haare und Make-up: Gabriele Theurer c/o Basics mit Produkten von Charlotte Tilbury; Digital-Tech: Florian Köllisch; Styling-Assistenz: Nina Schrader; Foto-Assistenz: Jochen Müller