Aus alt mach Fendi 

Nicht alles gewinnt an Wert, nur weil man ein Logo drauf klatscht. Aber wenn die Künstlerin und Designerin Sarah Coleman eine Flasche Putzmittel mit den Logo-bedruckten Stoffen eines Luxushauses bezieht, wird daraus sofort ein Sammlerstück. Coleman, die in New York lebt und ihre Designkarriere als Assistentin im Team des Innenarchitekten Peter Marino begann, kam durch bloße Lust am Experimentieren darauf, banale Möbel und Alltagsgegenstände – Klappstühle, Milchkartons, Streichholzschachteln – mit Designermaterialien zu beziehen. Dafür dekonstruiert sie Vintage-Taschen oder Reisegepäck, von Marken wie Louis Vuitton oder Fendi. Letzteres Label war von ihrem Stil so begeistert, dass es die Amerikanerin für ein Projekt anlässlich der Designmesse DesignMiami/ als Kooperationspartnerin anfragte.

Für die Miami-Boutique des Labels hat Coleman einzigartige Stühle kreiert, die die Designsprache von Fendi auf Sarah-Coleman-typische Art verkörpern – dank Collagen aus Fendi-Archivfotos oder Polsterungen mit FF-Logo. Die Stühle werden, ebenso wie eine Nachbildung aus Canvas, Gips und Acryl der ikonischen Peekaboo -Tasche der Künstlerin, im Fendi-Store in Miami ausgestellt sein. Kaufen kann man sie nicht – die drei limitierten Peekaboo-Taschen, die Silvia Venturini Fendi anlässlich der Messe entworfen hat, allerdings schon.

Party for two

His Royal Highness: „Es ist überaus erfreulich zu sehen, dass die Partnerschaft zwischen meiner Stiftung und dem Fashion Council Germany weiter wächst – zwei Organisationen, die gemeinsam an die grundlegende Bedeutung einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Modebranche glauben.“

Das Uhrenmagazin. Out today. Illustration Luna Simic.

Das Uhrenmagazin. Heute.

Nie war es so aussichtslos wie jetzt, das Offensichtliche zu leugnen: Seit Corona über die Welt kam, befindet sich die Uhrenindustrie in einer schweren Krise. Der Produktionsstopp war dabei noch das geringste Problem. Eine Pandemie ist eine schlechte Zeit für Statussymbole, und sie raubt Uhren die Funktion, sich mit ihnen in der Öffentlichkeit stilistisch auszudrücken: Wer zu Hause im Homeoffice bleibt, hat also weniger Gründe, sich ein feines Modell zuzulegen. Es wäre also nur zu verständlich, wenn die Verantwortlichen sich in düsteren Szenarien verlören. Aber davon ist nichts zu merken.

Ich muss derzeit häufiger an den Late-Talker David Letterman denken. Der sollte 2001 schon wenige Tage nach dem 11. September wieder eine Show machen. Er wollte nicht, aber ihm war klar: Wenn die Terroristen uns so weit haben, dass wir nicht mehr senden, haben sie gewonnen. Im Studio hatte er Tränen in den Augen. Bis er sich mit den Worten fing: „Alle sagen mir: ,Dave, du musst mutig sein!‘ Ich bin nicht mutig. Aber ich tue, als ob ich es wäre. Und manchmal ist so zu tun, als ob man Mut habe, genauso gut wie echter Mut.“ Für mich war das eine großartige Bemerkung. Sie spendet selbst dann Zuversicht, wenn man sich schwach fühlt. Bezogen auf die Uhrenbranche bedeutet sie: Der Optimismus, den viele Verantwortliche ausstrahlen, hat das Zeug zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Hinzu kommt eine persönliche Erfahrung, die ich mit vielen Menschen teile: Gerade Dinge, die nicht nur einen schnöden Zweck haben, sind derzeit wichtiger denn je. Philip Cassier

Mood: We want to entertain you.

 ICON Sonntag

Treiben lassen, sich einlassen, gucken, was kommt. Das scheint mir eine hilfreiche Haltung dieser Tage. Bei aller gebotenen Vorsicht, versteht sich. Aber mit Zuversicht. Deswegen haben wir ganz bewusst eine Ausgabe voller Lebensfreude gestaltet. Party wie immer geht nicht, aber Party für zwei ist doch schon mal ein Anfang vom Ende der bleiernen Zeit. Ich halte mich gern an die Einstellung von Karl, einer Figur aus dem wunderbaren Roman „Altes Land“ von Dörte Hansen. Der will nicht getröstet werden. Der sagt: „Nach dem Winter kommt Frühling.“ Jo. In drei Wochen werden die Tage wieder länger. Doch nun kommen Sie erst mal rein, wir freuen uns auf Sie! Inga Griese

Sommerhaus jetzt

Die französische Riviera mag sich für die meisten gerade weit weg anfühlen, doch bei Chanel kann man dank der neuesten Cruise-2021-Kollektion nun Modeteile und Accessoires kaufen, die einen zumindest gedanklich dorthin entführen. Lily Rose-Depp führt sie in der neuen Cruise-Kampagne des Hauses vor: Bikini-Tops, Bauchketten und Flip Flops, kombiniert zu Tweed-Jacken, Schlaghosen und auffälligem Logo-Schmuck. Im Making-of-Video zur Kampagne sieht man Lily Rose-Depp beim Shooting in einer Villa in Südfrankreich, wo sie genau so entspannt wirkt, wie es der Kollektionstitel „Balade en Méditerranée“ suggeriert. Was man auf den ersten Blick nicht sieht: 14 Looks aus der Kollektion bestehen aus nachhaltiger Seide und GOTS-zertifizierter Baumwolle, viele Stoffe und Knöpfe stammen zudem aus früheren Saisons. Denn auch bei Chanel steht eine Kollektion nicht mehr nur für sich: Sie steht im Austausch mit ihren Vorgängern, zehrt von bereits bestehenden Ideen und Ressourcen, und vereint so Innovation mit Nachhaltigkeit. In diesem Jahr hat man sich dieses Prinzip noch mehr zu Herzen genommen und die Cruise-Linie so konzipiert, dass sie die Frühling-Sommer-Kollektion, die wegen des Lockdowns teilweise noch erhältlich ist, perfekt ergänzt.

100 Jahre Helmut Newton, 70 Jahre Wolford, eine Jubiläums-Kollektion. Die legendären Aufnahmen, die Helmut Newton während seiner Zusammenarbeit mit Wolford in den späten 1990er Jahren machte, zieren nun T-Shirts

Jil Sander fotografiert von Peter Lindbergh

„Qualität, Schnitt, Tayloring, das geht auch in dieser Preisklasse. Und für mich sind zwei Punkte essenziell: Langlebigkeit und Beständigkeit.“ Und natürlich die Energie, eines ihrer Lieblingswörter. Es hat wieder geklappt, das in Stoffskulpturen zu übersetzen. Diesmal für Uniqlo. „Das Material ist doch irre zu dem Preis!“ Ist es, liebe Jil Sander.

 

Sneakers gegen Stillstand 

Eine „Geisterstadt“ nannte Donald Trump New York bei der zweiten TV-Debatte im Rahmen des Wahlkampfes gegen Joe Biden vor einigen Wochen. Die Einwohner dieser „Geisterstadt“ würden ihm heftigst widersprechen – jetzt, da die Wahl gegen ihn entschieden wurde, umso mehr. Ausgelassen und voller Energie tanzten und feierten die Menschen am vergangenen Wochenende auf den Straßen New Yorks, überglücklich über die Aussicht auf einen vernünftigen und anständigen Präsidenten und einen Neubeginn für ihr Land.

Ein vom Regisseur Jim Dylan gedrehtes Kampagnenvideo, dass das italienische Label Tod’s zum Launch seines neuen Sneakers veröffentlicht hat, versprüht ähnlich gute Stimmung. In einem „Liebesbrief an New York“ spazieren die Musikerin Gabriella Bechtel und die Schauspieler Levi Dylan und Taylor Rosen durch die Metropole und treffen auf dem Dach eines Hochhauses auf Tänzer der Tisch School of the Arts. Sie alle tragen den neuen Unisex-Sneakers aus der aktuellen Herbst-Kollektion von Tod’s – und beweisen, dass es sich auch damit ziemlich gut in die Zukunft tanzen lässt.  „In Our Shoes, Kapitel 1: New York City“. Silvia Ihring aus NY

Hemd mit verdeckter Knopfleiste am Rücken, Steghose und Sneakers alles von Prada. Brille: Campbell. Sideboard: USM Haller
Lars Burmeister mit Stretch-Longsleeve mit Houndstooth-Muster: Lacoste. Brille : Campbell (Berlin und Hamburg)
Shirt mit Tunnelzug-Raffungen und wellenförmig geschnittenem Saum: Off-White. Jogpants aus Feinstrick: Salvatore Ferragamo. Pantoffeln aus Leder mit Fellfutter: Birkenstock
Grobstrickpull- over aus Alpaka- woll-Mix: Roberto Collina über Apropos. Anzughose aus kariertem Baum und Schurwollmix: Etro.Hocker: COR. Leuchte: „Salt & Pepper“ von Tobias Grau. Flakon: „Bleu de Chanel“
Jacke: Ermenegildo Zegna. Wollpullover: Brax. Jog- pants mit Galonstreifen innen: Boss. Pennyloafers: Salvatore Ferragamo
Breitcordanzug mit aufgesetzten Taschen und gerade geschnittener Hose: Windsor. Baumwollhemd mit kurzer Schluppe: Hermès. Sessel: Minotti Berlin. Lampe: „Mito terra“ von Occhio
Hemd „24/7“ aus Baumwollstretch: Olymp. Locker geschnittene Wollstoffhose: Giorgio Armani. Hightop-Sneakers aus Monogramm-Stoff: Dior. Lesebrille: Oliver Peoples
Strickpullover: Loro Piana. Tischleuchte: „John“ von Tobias Grau. Chronograph „Spirit“ von Longines. Kosmetik zur Hand: „Instant Energy“ Ampul- lenkur von Babor Men
Anzug aus Kaschmir mit hellgrauen Nadelstreifen, bestehend aus Blouson und schmal geschnit- tener Jogpants, sowie Kaschmir- pullover: alles von Brunello Cucinelli. „Portugieser Yacht Club Chronograph Steel Bracelet Blue“: IWC. Sneakers aus Canvas und Leder: Brax. Lampe: „Yanzi“ von Artemide
Cardigan aus schwerem Grobstrick: Bottega Veneta. Rollkragenpullover aus Merinowolle: Olymp. 5-Pocket-Jeans mit Acidwash: Bally
Rollkragenpullover: Windsor. Bundfaltenhosen und Gürtel: Ermenegildo Zegna. Sport-Chronograph „Carrera Calibre Heuer 02“ vonTag Heuer. Kaschmirsocken: Falke. Runde Lampe „O“ aus schwarzem Aluminium: Artemide.
Stretch-Longsleeve mit Houndstooth-Muster und Hose mit Zippertaschen: Lacoste. Ledersneakers: Boss. Socken aus Kaschmirmischung: Falke. Stehlampe: „Ilio“ von Artemide

Daheim ist daheim

Ein neuer Dresscode wird jetzt definiert. Am Anfang der Pandemie haben es sich alle im Homeoffice gemütlich gemacht. Jetzt wissen wir: Das Homeoffice bleibt, Remote wird fester Bestandteil unserer Arbeitswelt. Eine Video-Konferenz ist kein privater Fernsehabend. Die Bilder aus Livestreams gehen um die Welt, werden gepostet und geshared und bleiben für immer im Internet. Jedes gute Haus hat eine Haltung, auch zu Hause. Wir baten Lars Burmeister, ewiges Topmodel, zu einem Shooting in einen gepflegten Berliner Altbau.

Fotograf: Max von Treu c/o Kathrin Hohberg
Styling: Daniel Sartore
Model: Lars Burmeister c/o Mint Artist Management
Haare + Make-up: Stefanie Willmann c/o Ballsaal
Digital Operator: Ben Breuer c/o Blink Imaging
Lichtassistenzen : Mark Simpson Sebastian Resch c/o Blink Imaging
Styling-Assistenz: Jakob Schaefer
Casting: Dominik Wimmer
Location: Gebrüder Fritz, Berlin

Captain Future Gorden Wagener, Kreativchef der Daimler Group

Vorbild, guter Typ, Umarmer, Freund. Denn was die Welt braucht, sind eben keine Politikerschauspieler und Dröhner, sondern Männer aller Art. Wir haben wieder einige Vorbilder getroffen. Gute Typen, ganz unterschiedlich. Das ist unsere Welt.

Inga Griese über Mr ICON