DIE NEUE AUSGABE

GLAMOUR ON

A film by Esther Haase
Production & Music Nhb Studios

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Daniel Arkham’s The Ares House im Metaverse
Bottega Venetas Como Stai? Set-Up von Gaetano Pesce
Louis Vuitton Lounge mit den Wachsfiguren von Yayoi Kusama

Für Paradiesvögel 

Wer in Florida der Realität entfliehen will, den zieht es nach Disney. Kunstliebhaber und Designverrückte bevorzugen bis zum 03. Dezember die Messen Art Basel Miami Beach und Design Miami. Worauf wir uns freuen: Bei Bottega Veneta lässt man Altbewährtes aufleben: Die von Gaetano Pesce entworfene Kulisse aus 400 bunten Kunstharzstühlen der SS23 Show wurde noch einmal aufgebaut und durch ein Buch vervollständigt.

Auch in der Louis Vuitton Lounge inspiriert Vergangenes die Zukunft: Zwei Wachsfiguren von Yayoi Kusama sind das Highlight der Ausstellung, um die 10-jährige Zusammenarbeit und die neuste Kollektion mit der Künstlerin zu feiern. In guter Erinnerung bleiben dürfte auch die Ausstellung „Virgil Abloh. The Codes c/o Architecture“: Gelauncht wird der Off-White X Nike Terra Forma, der erste komplett von Abloh designte Sneaker neben weiteren Schuhen aus der Zusammenarbeit. Richtung Zukunft richtet sich dagegen der Blick von Daniel Arsham. Er baute im Metaverse eine, an die griechische Mythologie erinnernde Immobilie, die als 3D-Design erstmals in der realen Welt gezeigt wird. Stay tuned für mehr live aus Miami. Kim Hofmann

Postmodernes Design ist, so sagt man, flatterhaft und unbeständig. Nicht so im Fall der Möbelmarke Gufram. Die macht seit den späten Sechzigern das, was sie am besten kann, nämlich Knallbuntes! Gufram hat Designgeschichte geschrieben, die Originalteile oft großer Designer, wie der überdimensionierte Kaktus, erzielen hohe Sammlerpreise. Form follows Fun. Die Heimat des radikalen Möbeldesigns ist das Italien der späten Sechzigerjahre, stark beeinflusst von der Italo-Diskokultur. Guframs schreiend-schöne Möbel waren von Anfang an vertreten in den Epizentren der Popkultur. Nun lud Kreativdirektor Charly Vezza für eine kleine Edition den Künstler und Designer A$AP Rocky ein: „Shroom CACTUS®“ Guframs Stil ist und bleibt eben Pop. Live auf der Design Miami/ zu sehen.

Ich sehe was, was… 

„Wo soll das noch hinführen?“, ist eine Frage, die man beim koreanischen Outdoor-Möbel-Unternehmen Helinox schon lange nicht mehr stellt. Vielmehr ist man schon vorausgeeilt, sieht die Verschmelzung aus Funktionalität und Design als selbstverständlich und thematisiert bei der aktuellen Zusammenarbeit mit Off-White lieber, wo das Outfit aufhört und das Möbelstück anfängt. Bereits 2020 begann die Kollaboration mit dem inzwischen verstorbenen Off-White-Gründer Virgil Abloh. Inspiriert von der menschlichen Evolution und dem Feigenblatt aus der Geschichte Adam und Evas, entstand die Equipment-Kollektion mit Bomberjacke, Hose, faltbarem Stuhl und Tisch. Gerade Schnitte und eine Farbauswahl von Schwarz und Weiß erzeugen Härte, die von der Silhouette sanfter Feigenblätter wieder aufgebrochen wird. Wie ein Camouflage-Muster lassen die applizierten Blätter Personen, Mode und Möbel miteinander verschwimmen. Ab sofort online und in den Off-White Stores.

Lang lebe die Tradition 

Wer die Mode zu lesen weiß, erkennt die Geschichten dahinter. Im Falle des amerikanischen Denim-Labels Levi’s ist es eine lange und erfolgreiche. Gemeinsam mit der israelisch-palästinensischen Modemarke Adish, die sich für die Aufrechterhaltung traditioneller Handwerkskunst einsetzt, kommt nun ein weiteres Kapitel dazu. Gemeinsam entwickelte man eine Unisex-Capsule-Kollektion aus Restbeständen der legendären 501-Jeans und Chore-Jacken. Mittels Upcycling veredeln Kunsthandwerkerinnen im besetzten Israel und Palästina die Stücke. Feine Ornamente wie Weinreben oder Zypressen werden mit einer Beduinen-Technik und sogenannter Tatreez-Stickerei auf die Kleidung gesetzt. Seit Generationen ist dieses Handwerk ausschließlich Frauensache und wird als Symbol der weiblichen Stärke weitergegeben. So wird jedes Teil zum Unikat, das seine eigene Geschichte erzählt. Pia Wäger

Kunde? König! 

Klar, Online-Shopping auf dem heimischen Sofa ist auf dem Vormarsch, und doch stöbern viele noch immer gern in der Realität, belegen nicht nur Studien, sondern auch die beliebten Pop-up-Store-Konzepte der Modebranche. Von nostalgischer Schwimmbad-Atmosphäre bei Jacquemus bis zur künstlerischen Shop-Ausstellung von Louis Vuitton war quasi schon alles dabei – außer etwas Dauerhaftes.

Bei Valentino setzt man genau hier an und verkündete jüngst, die weltweite Umgestaltung aller Stores. Im Fokus? Die Kunden! Inspiriert von italienischer Gastfreundschaft, sollen die sich in gemütlicher Atmosphäre nicht nur wie zu Hause fühlen, sondern künftig auch private Einkaufstermine buchen können. Mit einem zurückhaltenden, gleichwohl durchdachtem, Design halten sich die neuen Concept-Stores an die Ästhetik der Marke. Lokalkolorit geben kleine Referenzen auf den jeweiligen Standort. Benvenuti a casa! Kim Hofmann

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Ah, Alaska!

Schneeweiß und hellrot, wirklich schrill. Unter allen Farb-Varianten der viel diskutierten Moonswatch ist die „Mission Mars“ die poppigste, dem sachlich-geraden Schwarzweiß von Omegas Moonwatch am wenigsten ähnliche. – Und befreit damit den Träger am zuverlässigsten von jedem Verdacht, sich lediglich das Original nicht leisten zu können. Dabei ist sie gar keine Travestie, sondern besonders authentisch: Mit den knallroten, raketenförmigen Zeigern vor weißem Zifferblatt zitiert sie das „Alaska Project“, Omegas gezielt für den Einsatz im All entwickelte Speedmaster von 1969. Deren Prototypen und eine Re-Edition von 2008 trugen dazu einen wuchtigen, roten Thermalschild. Den hat die „Mission to Mars“ nicht, erinnert aber mit der Farbe ihres Keramikgehäuses daran. Und: Während die historischen „Alaskas“ heute wirklich astronomische Preise erzielen, kostet das quarzgetriebene Zitat 260 Euro. Jan Lehmhaus

Black-Out Friday 

Shop till you drop! – Das Motto des aus den USA zu uns herüber geschwappten Back Friday ist klar definiert. Um ein Zeichen gegen diesen hemmungslosen Konsum zu setzen, startet die Berliner Brillenmanufaktur Mykita ein Gegenkonzept: Am 25. November gibt es hier keine Rabattaktionen, sondern einen geschlossenen Onlineshop und Werbung für die Mycare-Initiative. Alle Kunden sind eingeladen, die ganzjährig kostenlosen Pflegeservices in den Stores in Anspruch zu nehmen. Die Brillen aus recyceltem Acetat bleiben so länger schön und in Form. Am nachhaltigsten ist schließlich, das zu pflegen, was man bereits hat.

 

Der Hamburger Mykita Store

You are wanted! 

Nachhaltigkeit zählt bis heute zu den wichtigsten Maßstäben eines guten Modedesigns – in optischer wie ökologischer Hinsicht. Eine Gratwanderung, die vor allem für junge Talente eine Herausforderung darstellt. Daher unterstützt der Fashion Council Germany mit dem Förderprojekt Fashion X Craft nun zum zweiten Mal sechs deutsche Nachwuchsdesigner. Gemeinsam mit der Swarovski Foundation und der The Prince Foundation soll in Workshops, Webinaren und einer Reise nach England der Fokus auf traditionell handwerkliche Produktionsverfahren und den Umgang mit nachhaltigen Ressourcen gelegt werden. Die Zukunft liegt in den Händen der nächsten Modegeneration. Noch bis zum 27. November online bewerben!

OH DEAR!

Wer sich eines Tages auch ohne Worte versteht, kann sich getrost dem stillen Resümee der vergangenen 30 Ehejahre widmen. Fotograf Martin Parr spielte Mäuschen und nahm die Szenerie unter dem Titel „New Brighton, Merseyside 1983–85“ auf. Das Foto ist nun in der Ausstellung „Facing Britain“ zu sehen, in der Kurator Ralph Goertz einen liebevoll ironischen Blick auf die Entwicklung Großbritanniens wirft. Bitte nicht lang schnacken, sie endet am Wochenende. Fotogalerie GAF, Hannover

Fotograf: Giovanni Attili 2021
GUCCI „HA HA HA Kampagne“ mit Harry Styles Fotograf: Mark Borthwick 2022
Dani Miller trägt die neue L’Obscur Wimperntusche von Gucci Fotograf: Martin Parr 2020
Alessandro Michele: Gucci Fall/Winter 2018
Gucci Tailoring Kampagne Fotograf: Harmony Korine 2020  
Gucci Valigeria Kampagne mit Ryan Gosling Fotograf: Glen Luchford 2022
Gucci Spring/Summer Runway, 2020
Gucci: Paris Fashion Week Spring/Summer Fotograf: Dan Lecca 2019

23/11/22 alessandro michele LEAVES gucci

Abfahrt Hollywood

Bekanntermaßen sehnt man sich immer nach dem, was man gerade nicht hat. Während wir uns also ein bisschen kalifornische Sonne in unsere düstere Winterstimmung wünschen, träumt man dort vom Skifahren. Zum 90. Jubiläum des deutschen Luxus-Sportmode-Labels Bogner bringt man in Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Concept Store Fred Segal nun beides zusammen: Mit „Ski Sunset“ wird erstmals eine Auswahl aktueller Bogner Kollektionen im Fred Segal Store auf dem Sunset Boulevard in Hollywood erhältlich sein. Gemeinsam mit Harden Cashmere entstanden außerdem Unisex Strickpullover und -decken, die das Wesen beider Marken in einem Print zusammenfassen: Ein Skifahrer springt über das Hollywood-Sign! Bis zum 15. Januar erhältlich.

Morgens halb zehn in Italien

Bravo, es darf wieder gewimmelt werden, ciao un-social Distanz. Muss auch, denn ohne caffè! in großer Runde geht gar nichts, weiß man in Italien und im Hause Lavazza. So wird pronto vor der Arbeit der Espresso gestürzt (nicht genippt), erst danach beginnt der Tag: Auch das ist Kaffee-Kultur. Für den Lavazza Kalender 2023 inszenierte Fotografin Alex Prager dieses und zwölf weitere Bilder.

Alex Prager für Lavazza

GUTER MOVE

DIE NEUE AUSGABE

10 Jahre Uhren. Was war, was ist, was kommt? UHREN, Heute in WELT AM SONNTAG.

„Weniger denn je kauft jemand eine Uhr, um die Zeit abzulesen, das kann man digital überall tun. Aber mehr denn je werden Uhren als Ausdruck eines bestimmten Lebensstils gekauft, als Kunst, Handwerk, als etwas, an das sich Gefühle knüpfen. Die Menschen sehnen sich nach Fassbarem.“

Breitling-CEO Georges Kern

California Couture

In Venice Beach sieht das Leben aus, als habe jemand einen permanenten Ins­tagram-­Filter drübergelegt. Die Farben sind intensiver, die Körper definierter, und der Ozean strahlt in einem so makel­losen Blau, als handele es sich um ein Bild­schirmschoner-­Motiv. Eli Russel Linnetz, der gefeierte Designer hinter dem Label ERL, ist in dieser Szenerie aufgewachsen. Die rebellischen Skater, die schrägen Paradiesvögel und die knalli­ge Umgebung prägen die Arbeit des ehemaligen Filmstudenten, der als Videokünstler und Foto­graf zunächst mit Lady Gaga und Kanye West arbeitete, bevor er 2018 sein eigenes Label grün­dete.

Für Dior­ Men ­Chefdesigner Kim Jones war ERL der perfekte Partner, um Dior aus der Per­spektive von Skater­ und Jugendkulturen zu betrachten. Die aktuelle Capsule mit ERL mixt ultrabreite Baggyhosen mit ultrabreiten Sneakers, Saddle­ Bags werden mit schweren Goldketten über die Schultern gehängt und Pillbox ­Hüte à la Jackie Kennedy kontrastieren mit „California Couture“­ Statement-­Sweatshirts, die man spätes­tens zum Sonnenuntergang am Beach gut ge­brauchen kann, gute Laune inklusive.

Tolles Trio! 

Die Zusammenarbeit zwischen Streetstyle-Marken und Designern bewährt sich ein ums andere Mal – man denke an Louis Vuitton und Supreme oder Gucci und Palace. Eine so symbiotische Verbindung wie sie bei Dries Van Noten und Stüssy entstand, ist aber doch etwas Besonderes. Auf den ersten Blick mögen die, für Van Noten typisch gradlinigen Schnitte, die meistens mit sanften Rüschen und Blumenprints gepaart werden, nicht zu Stüssys jugendlich-wildem Skater-Look der 80er-Jahre passen. Die gemeinsamen Entwürfe wirken jedoch wie aus einem Guss.

Eine, auf einem Parka, aufgesprühte Graffiti-Wasserpfeife wird zur Blumenvase à la Dries Van Noten, auf T-Shirts, Joggern und Sweatern findet sich das gemeinsame Co-Branding und elegante Hosen und Jackets werden mit Strass überzogen und ohne Hemd darunter zum rockigen Statement. Auf gleiche Weise funktioniert auch die Kampagne: Flea, Gründungsmitglied und Bassist der Red Hot Chili Peppers wird zum Hauptdarsteller. Lachend, springend und mit seinem Bass performend, sendet er dieselbe Message, die der gesamten Zusammenarbeit unterstellt werden kann: Go crazy, it‘s fun! Ab dem 18. November online und weltweit in ausgewählten Chapter Stores, Dover Street Market-Filialen oder den Dries Van Noten-Stores. Kim Hofmann

Photography: Tyrone Lebon

Art Director: Edward Quarmby

Director of Photography: Robbie Corral

Stylist: Claudia Sinclair

Hair & Make-Up: Tina Outen

Production: DoBeDo Represents