Video Frank Fastner

Familienalbum

40 Jahre Emporio Armani: Dahinter stehen unzählige Bilder, die einen Zeitgeist ebenso reflektieren wie die Identität einer Marke. Sie füllen heute, gemeinsam mit Mode von Emporio Armani, eine Ausstellung in den Armani Silos, die das Label zum Jubiläum veranstaltet hat. In ganz Mailand hängen Werbeplakate, junge Männer und Frauen unterwegs in der Großstadt, aufgenommen in Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die man zeitlich im Hier und Jetzt ebenso verorten kann wie in die 80er-Jahren. 1981 lancierte Armani die jüngere Zweitlinie zu seiner Hauptmarke, angetrieben von dem Gespür, dass eine junge Generation mit anderen Werten und Idealen von der Mode ignoriert wurde. 40 Jahre später will auch die neue Kollektion in die Zukunft blicken und so betrat Armani zum Finale seiner Show nicht alleine den Laufsteg. An seiner Seite hatte er seine langjährigen Co-Designer Leo Dell´Orco und Silvana Armani, die, so hat er es bereits angekündigt, seine Arbeit fortführen sollen. Für die nächsten 40 Jahre ist also gesorgt.

EMPORIO ARMANI SPRING/SUMMER 22

Grund zur Zuversicht

 Die 70er-Jahre, die Hippie-Bewegung, Spiritualität und Mystizismus: Klingt nach einem Standard-Rezept für eine bunte, gut gelaunte Etro-Kollektion voller Fransen, Kaftane und Paisley-Prints. Veronica Etro war zwar nach guter Laune zumute, aber nicht nach Standard-Lösungen. „Bohemian, Vintage, Gipsy-Look – das wollte ich alles nicht. Diese Kollektion sollte aufgeräumt und cool aussehen. Deswegen habe ich auch zurück in die 90er-Jahre geblickt“, sagte sie vor der Show. Das Ergebnis: Ein Mix aus ausdrucksstarken Mustern (allen voran Blumen) und Schnitten, die den Minimalismus der 90er in Erinnerung rufen, mit Neckholder-Tops, Hüfthosen, schmalen, den Körper umschmeichelnden Kleidern, Baggy-Pants und Plateau-Sandalen.

 Diese Etro-Kollektion ist wie immer fröhlich aber auch verführerisch und sexy. Da wird eine transparente Bluse ganz weit aufgeknöpft und zum weiten Blazer kombiniert, da lassen Cut-Outs am Blumenkleid ein wenig Taille herausblitzen, da halten hauchdünne Träger ein leichtes Top am Schlüsselbein zusammen. Ein Gefühl von Optimismus und Wiedergeburt habe sie feiern wollen, erklärte Etro. Für die Menschen, die nun aus ihren Höhlen gekrochen kommen und endlich wieder die Welt und sich selbst fühlen wollen, hat sie genau die richtige Kollektion entworfen.

MM6 Maison Margiela SS22 Show.

Live aus Mailand

Macht es spannend

Je länger Luke und Lucie Meier an ihrer Vision für Jil Sander tüfteln, desto mutiger wird sie. Die Marke, das haben sie längst verstanden, kann für mehr stehen denn weiße Hemden und navyblaue Mäntel. “Spannung ist Energie”, heißt es in der Pressemitteilung zur Kollektion. Und so schaffen die Designer Spannung, zwischen Volumen und Asymmetrien, zwischen reichen Texturen und monochromen Farben, zwischen Minimalismus und einer Extravaganz, die auch mal ein Animal-Print mit Quasten zulässt. Live aus Mailand

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Klassiker Kollektion

Vintage Jägern hat die Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar hatten alle endlich Zeit zum Ausmisten, genauso viele schienen jedoch auch Zeit und Geld zum Shoppen zu haben. Schwierig, da einen Klassiker zu ergattern. Gerade lohnt es sich mehr, den Blick nach vorn zu richten, und zwar auf die neue Capsule Herbstkollektion von Saint Laurent und Mytheresa. Ganz im Geiste Yves Saints Laurents, Mode einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist die Kollektion inspiriert von den ikonischen Silhouetten der 60er, bunten 70er-Prints auf Mini-Kleidern und Blusen oder Slim-fit-Nadelstreifen Blazer zur Rüschenbluse. Gutes Design ist eben zeitlos. Die Kollektion gibt‘s ab 22. September bei Mytheresa.

Live aus London: Kindlich, verspielt, aber alles andere als brav: Simone Rocha denkt ihre typischen voluminösen Silhouetten neu, inspiriert von Kommunionskleidern, der Vertrautheit von Bettwäsche und der Intimität eines Boudoirs.

Erdems Frauen

Es war ein verregneter Tag in London, aber pünktlich zur Erdem-Show am Abend bildete sich ein Regenbogen am Himmel. Die 15 Jahre, die das Label nun auf diesem Planeten verweilt, sind schließlich auch voller Farben und Muster, allen voran Blumen, die Erdem von Saison zu Saison neu denkt und gestaltet. Ein wenig Hilfe bei der Inspiration bekam er dieses Mal von zwei begabten Damen, der Dichterin Edith Sitwell und der Künstlerin Ottoline Morrell, die beide zwischen dem Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten. Keine von beiden hatte Interesse daran, sich anzupassen, sagt Erdem Moralioglu. Im Gegenteil, sie liebten es, aufzufallen. Dieser freiheitsliebende Geist steckt in der Mode von Erdem. Im kommenden Herbst zeigt sie sich weniger feminin aber etwas fokussierter, auf Lochspitze, auf dunkle Töne wie Schwarz oder Khaki, auf geschneiderte Teile, die übrigens auch den Männern sehr gut stehen, die hier zum ersten Mal auf einem Erdem-Laufsteg zu sehen sind. „Es hat sich hier irgendwie passend angefühlt, dass beide Geschlechter sich miteinander austauschen würden“, sagte der Designer nach der Show. Silvia Ihring live aus London

Norddeutschland! Die Stilisten in WELT AM SONNTAG. #ICONFamilie

Alessandro Ristori & the Portofinos
Sam Riley, Tom Felton und CEO Nicolas Baretzki
Tom Felton und CEO Nicolas Baretzki
Schauspiel-Kolleginnen: Peri Baumeister, Anna Maria Mühe und Jasna Fritzi Bauer

Die Nacht war schwarz und regnerisch, der Betonbunker am Halleschen Ufer ist ein Ort von fast bedrohlicher Wucht und zugleich einer dieser typischen Berliner Orte, die das hippe Image der Stadt prägen. Ein roher, kraftvoller Platz für Kunst, die „Feuerle Collection“ ist hier untergebracht. Und für einen Abend war es ein exklusiver Galerie-Raum für die neue „UltraBlack“ Kollektion von Montblanc. Ein Rucksack im neuen Monogram, die 1858 Geosphere Uhr, der Montblanc MB 01 Stift, der Over-Ear-Kopfhörer, die Mini-Mappe. Coole Accessoires, inszeniert wie Skulpturen auf hohen Podesten und von wegen Galerien sind White Cubes!

Dunkel war es, mit jener Magie, die einen guten Club ausmacht, geheimnisvoll und trotzdem konnte man noch was sehen. Und staunen. Denn was für ein Abend das war mal wieder, was für ein Line-up der angesagtesten deutschen Schauspieler, aber auch jemand wie der Brite Tom Felton, der berühmt wurde als Draco Malfoy aus Harry Potter und sich einen Spaß daraus machte von den anderen Gästen Autogramme zu sammeln. Lange Tische, glückliche Menschen, intensive Gespräche, die Postpandemie-Seligkeit, die ohne Posen daher kommt. Wie CEO Nicolas Baretzki in seiner Begrüßung sagte. „Willkommen zu diesem wunderbaren Abend, der schon deswegen wunderbar ist, weil ein Event.“ Als dann noch The Portofinos und ihr Sänger Alessandro Ristori mit ihrem Gute-Laune-Repertoire aus Rock ’n‘ Roll Performance und italienischen  Schmonzetten auftraten, gab es kein Halten mehr, der Bunker schwoofte und strahlte. „Wir lieben es zu überraschen“, hatte Baretzki noch gesagt. Mission accomplished. Inga Griese aus Berlin

Inga Griese bei WELT IM TV

über die Met-Gala in New York

Foto Paul Empson c/o Kathrin Hohberg für ICON.

Foto Paul Empson c/o Kathrin Hohberg für ICON

Hebt sich ab: Auf dem Supersalone präsentierte Molteni Flight D.154.5, eine Installation von Ron Gilad, die ein Flugzeuginterieur nachbildet und eine Neuauflage des Sessels Round D.154.5 zeigt, der 1954 von Gio Ponti entworfen wurde für das Alitalia Passagierterminal.    
Härteste Währung: Instagramable. Für Cassina kein Problem. Hier der Sengu Table und Dudet Armchair von Patricia Urquiola für Cassina. Foto Valentina Sommariva.
Runde Sache: Sonderedition der Ikone UP5_6 von 1969 entworfen von Gaetano Pesce für B&B Italia. Material? Recycelte Flaschenkorken aus Italien.    
Dior Klassiker neu interpretiert von Nendo. Foto Yuto Kudo.
Versace Home und das Aeternitas Love Bed mit  „La Greca“ Muster.
Zurückhaltender Luxus: Sillage d’Hermès Sessel von Mumbai Studio für Hermès.
Das Stuttgarter Kollektiv anima ona verwendete für den Tisch Dolmen Bauschutt von der Baustelle des Hauptbahnhofs Stuttgart 21  – meist ausrangierter Schaumstoff, den sie dann mit Kalkputz überziehen.
50 Jahre Parentesi von Flos. Photo Francesco Caredda.
Outdoor-Bank Lee von Flexform.
Lazy Hub von Piero Lissoni für Glas Italia.
Bringen Gutes zurück, ohne Retro zu sein: Das libanesische Designerduo David&Nicolas entwirft für Tacchini das modulare Sofa-System Victoria.
Daydream Regal von Objects of Common Interests für Nilufar. Foto Mattiaiotti.
Aus der Venus Power Kollektion, Patricia Urquiola für cc tapis.
Die Galerie Nilufar zeigte in ihrer Galerie an der Via della Spiga die Serie Some Vibrant Things von Audrey Large.
Alle Exponate von Andrés Reisingers Show Odyssey in der Nilufar Gallery wurden direkt verkauft. Jeweils ein Möbelstück, ein Video und das 3D-File als NFT.
Flux, aus der Technicolor Serie von Peter Saville für Kvadrat.
Langlebig, sozial, verspielt: Seats System. Von Josefin Zachrisson und Mira Bergh in Schweden entworfen und hergestellt.
Objekte des Designstudios NM3 präsentiert von Alcova auf einem altem Militärgelände. Alcova? Die hippe Schwester des Salone.
Sofa-Objekt Serpentine von Christophe de la Fontaine für DANTE – Goods And Bads.
SUN-RA Kollektion von Nanda Vigo über Nilufar Galerie. Foto Mattia Iotti.

20 Neuheiten von der Milan Design Week 

Höhepunkt des Jahres für Möbel-Fans. Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause gab es endlich wieder eine Design Week in Mailand mit einer Mini-Version der Messe, dem Supersalone. Sieben Tage Design-Ausnahmezustand in Mailand. Nirgendwo scheint die Design-Geschäftsdichte so hoch wie hier, nirgends die Branche so geschäftig. Es zeigt sich die Zukunft der Einrichtung und erinnert uns daran, was Interior-Design im besten Fall ist: Ein fabelhaftes Puzzle verschiedenster Stile.  Viele Wege führen zum schönen Wohnen, machen Sie’s einfach, wie Sie mögen.

Zurück auf die Bühne

Auf eines kann man sich bei Michael Kors immer verlassen: Er gibt stets sein Bestes, um gute Laune zu verbreiten. Für seine persönlichen Glücksgefühle verlässt er sich auf den regelmäßigen Besuch von Broadway-Musicals und -Theaterstücken, von denen es so langsam mehr und mehr wieder auf Live-Bühnen schaffen. Für seine Show, die auf der Terrasse des Restaurants „Tavern on the Green“ im Central Park stattfand, baute Kors seine eigene Bühne auf. Der Musical-Star Ariana DeBose, die in Stücken wie „Hamilton“ aufgetreten ist, lieferte die Songs zu den Catwalk-Auftritten von Models wie Kendall Jenner, Adut Akech oder Gigi Hadid.

Der Look: Elegant und romantisch, inspiriert von den Glockenröcken und Strickjacken der 50er-Jahre. Blazer mit offenen Dekolletés richten sich an die Frauen, die sich wieder aufs Büro freuen, Spitzenröcke werden zu BH-Tops oder weißen Blusen kombiniert und Pastellfarben vermitteln eben die hoffnungsvolle Botschaft, die Michael Kors an die Welt senden will. Dies tut er auch mit seinem Engagement für die New Yorker Charity-Organisation Gods Love We Deliver, zu deren Ehren er einen Pullover entworfen hat. Erlöse aus dessen Verkauf unterstützen die Arbeit der Organisation, die kostenlose Mahlzeiten für an HIV oder Krebs erkrankte Menschen in der Stadt zubereitet und an diese verschickt.  Silvia Ihring aus NY

Sinnhaft schön

Jeder Entwurf von Gabriela Hearst steht für eine Mission. Für den Frühling und Sommer 2022 stellt diese die Lage der Navajo-Gemeinschaft in den Mittelpunkt, die wie so viele alte Indianer-Stämme in den USA unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit leidet. Für ihre neue Kollektion ließ Gabriela Hearst Webarbeiten von den Navajos herstellen, kooperierte zudem mit mehreren Kreativen aus der Community und mit verschiedenen NGO´s, die Handarbeiten in Ländern wie Bolivien und Hearsts Heimatland Uruguay fördern. Die Materialien? Umweltfreundliches Leinen und Kork für die Schuhe, die Farben kommen ohne Chemikalien aus und die Baumwollteile basieren ausschließlich auf Stoffresten.

Von Ferien und Farben

Die Sonne über Little Island ging gerade unter, aber der Laufsteg von Proenza Schouler strahlte umso stärker. Mit der im Frühling eröffneten, auf tulpenförmigen Betonstelzen gebauten Insel konnte das Label eine der wohl aufregendsten Locations der Saison gewinnen, aber auch die Mode überzeugte. Lazaro Hernandez und Jack McCollough dachten ihre Klassiker neu, weite fließende Kleider, locker sitzende Trenchcoats und Anzüge, verarbeitet in Jacquards und getaucht in leuchtende Farben. An den Ärmeln baumelten dicke Fransen aus Perlen, Mäntel waren mit verfremdeten Tigermustern bedruckt und Cut-Outs zierten Rollkragen-Tops, die zu weiten luftigen Hosen kombiniert wurden. Inspirationen von einer Reise nach Hawaii spiegelte sich in den Details der Kollektion wider, wie den handgemachten Lei, den typisch hawaiianischen Blumenketten, die einige Models um die Hälse trugen. Die Großstadtinsel Manhattan mag sich nicht immer paradiesisch anfühlen, aber Proenza Schouler liefert die Art Mode, die das Leben dort ein wenig angenehmer macht. Silvia Ihring aus NY

Keine Zeit zu sterben

Seit 1995 trägt James Bond Uhren von Omega – damit ist er seinen Zeitmessern wesentlich treuer als seinen Frauen. Als der Kinostart von „Keine Zeit zu sterben“ deshalb im März 2020 wegen Covid verschoben werden musste, unkten viele Experten, dies würde auch den Erfolg der „Seamaster Diver 300M 007 Edition“ schmälern. Doch glaubt man den Bielern, war das Gegenteil der Fall. Omega hatte sich gegen eine limitierte Stückzahl entschieden und die Kunden waren anscheinend froh, schon ein wenig von Bond bei sich tragen zu dürfen. Nun kommt der Streifen, der für viele Fans eine Rückkehr zur Normalität symbolisiert, tatsächlich in die Kinos – und die Manufaktur hat schon einmal einen kleinen Vorgucker als Werbefilm veröffentlicht. Wir lernen: Die Zeit geht weiter – und das in in bester 007-Manier mit einem stylischen Knall.

Oval, aber anders

Ein Stuhl, 17 Designer: Dior lässt seinen ikonischen „Medaillon Chair“ neu interpretieren. Das Ergebnis ist eine kleine Frischzellenkur für die ganze Branche.

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Live from Milan. Dior Maison.

UNDER COVER

Wer nicht auffliegen will, muss sich entsprechend anpassen. Mit afrikanischem Musterprint und Backförmchenbrille getarnt, schickte Fotografin Thandiwe Muriu 2005 ihr Model für die Aufnahme „Camo 05“ auf die Pirsch. Für alle zu erspähen von 21. bis 26. September auf der Photo Basel. Volkshaus Basel.