196
Braun 1962
Braun 1963

Glänzendes Update

Braun wird 100. Gefeiert wird mit Modedesigner, DJ und Universalkünstler Virgil Abloh. Er überarbeitete die legendäre (und eingestellte) Hi-Fi-Audio-Wandanlage von Dieter Rams aus dem Jahr 1965 in ein Stück „funktionale Kunst“. Verchromt statt matt. Referenzen? Brauns polierte Chrom-Design-Ästhetik – wie der Toaster von 1963. Sie verschmilzt mit  der schwarzen Kulturgeschichte; glänzende Felgen, Musikinstrumente oder Grillz, Sie wissen schon, dieser glänzende Zahnschmuck. Das war’s, mehr nicht. Zeitgemäß zeitlos. Perfekt².  Der Kurzfilm dazu wurde in Mies van der Rohes berühmtem Farnsworth House gedreht. Ein Remix-Track Ablohs gibts natürlich auch. Was sonst.

HEISSES THEMA

Der Fotograf und Polarforscher Sebastian Copeland ist ganz nah dran am Klimawandel. Mit seinen Bildern will er aufrütteln. Ein Plädoyer.

 

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„Was kommt? Wissen wir nicht, aber wir nehmen uns die Freiheit, zuversichtlich zu sein. Meine norddeutsche Prägung hat mich gelehrt, dass Horizont etwas Großes ist. Wir sind gereist, so gut es ging, haben den Autopiloten ausgestellt, weil wir nicht mehr auf Sicht fahren wollen. Weder tatsächlich noch im Kopf. Diese Ausgabe ist also bunt, fast ein bisschen unsortiert, es schien uns, das Gefühl des Augenblicks zu sein. Es ist März, es bricht was auf. Wovon träumen Sie?“

Inga Griese, ICON März 

Aus unserem ICON März Shooting in Lech. Foto Andreas Ortner c/o Schierke Artists

Dort,wo Natur und Kultur sich animieren, entsteht Spannung, so auch im österreichischen Lech. Wo drinnen und draußen sich komplementieren, werden den neuen Kollektionen viele Bühnen geboten, aber immer eine Stimmung: Gelassenheit.

Unser neues ICON° Magazin.

 

Videography @felixgundlch
Music @yannekmaunz + @seasoulmusic
Muse @jueligeradrienne

Photo @andreasortnerstudio
Styling @birgitschlotterbeck
Assistence @ansophiekrempel
Hair + Make up @georgiostsiogkas

Louis Vuitton

Louis Vuitton

Zeitreisen unterliegen derzeit keinen Reise-Beschränkungen, und so versetzt die neue Louis Vuitton-Kollektion zurück in die griechische und römische Antike: Nicolas Ghesquière zeigte seine Schau in den Galerien des Louvre-Museums und kooperierte mit dem italienischen Design-Studio Fornasetti, dessen Warhol-haft multiplizierte bunte Prints von antiken Skulpturen, Reliefs und Münzen Kleidung und Taschen schmücken. Noch spannender ist jedoch, wie sich Ghesquières Auseinandersetzung mit jener Zeit in den Silhouetten widerspiegelt. Minikleider mit Fransen und kniehohe Römersandalen erinnern antike Soldaten-Uniformen, Oversize-Jacken und extraweite, bis zum Rücken reichende Krägen suggerieren Schutzpolster und Gladiatorenkreuze.

LOUIS VUITTON x Fornasetti

Louis Vuitton Fall Winter 21/22

Hoch hinaus

Die Lust nach Frühling ist groß, und dennoch traf Miuccia Prada mit der winterlichen Location für ihre neue Miu Miu-Schau einen Nerv. Die verschneiten Berglandschaften der Dolomiten, die Weite der Aussicht und die Offenheit des Himmels, der leuchtende Schnee und der dichte Wald: All das ergab einen Film wie eine Traumreise für lockdownmüde Seelen, die sich nach Platz, Natur und ja, auch nach ein wenig Theatralik und Schönheit sehnen. Doch die Berge können auch ein Ort der Bedrohung und Ungewissheit sein, und so behandelte die neue Miu Miu-Kollektion nicht nur die Vorfreude auf den nächsten Wanderurlaub, sondern die Unischerheit im Hinblick auf die Zukunft.

Wie werden wir leben, welche Gewohnheiten und Rituale werden wir gewinnen oder verlieren, und vor allem : Wie werden wir uns anziehen? Laut Miuccia Prada in Kleidern, die unsere sesshaftes Leben ebenso widerspiegeln wie unser Fernweh. Konkret sieht das wie ein ungewohnter Mix aus Lingerie und Skiausrüstung aus. Schimmernde gesteppte Jacken und Hosen erinnern an pastellige Bettdecken, Négligé-artige Kleider werden zu Fellstefen getragen, Häkel trifft auf Daune und Zopfmuster auf Skioveralls. So bequem die Strickleggings und Stulpen auch aussehen mögen, Miuccia Prada will wie immer dazu aufraufen, seine Komfortzone zu verlassen.Nach der Pandemie beginnt schließlich das nächste Abenteuer. Silvia Ihring

Practical fantasies

 Miu Miu FW21

Photos by Johnny Dufort

Miu Miu FW21. Cortina d´Ampezzo.

„Meine Generation kennt keine Regeln oder Grenzen, wir setzen uns für Gerechtigkeit und Inklusivität ein. Im Grunde bin ich nicht nur Designer, sondern auch Aktivist.“

 Harris Reed

“I don’t know if this is because of the times we live in, but I wanted something warm, lively. This collection is a mix of two influences: the ambiance of ski holidays, which I adore, and a certain idea of cool Parisian chic, from the 1970s to now.”

  Chanel Kreativchefin Virginie Viard 

Fotografiert von Inez & Vinoodh

CHANEL FALL WINTER 21/22

Filmstill Adrien Dirand
Filmstill Adrien Dirand
Filmstill Adrien Dirand

Schön düster

Märchen und Fabeln, Tarotkarten und Glücksbringer, mythologische Figuren und mysteriöse Heldinnen: jede Saison erforscht Maria Grazia Chiuri die Welt der Magie, Aberglauben und mystischen Rätsel, die im Leben und in der Mode von Christian Dior eine so wichtige Rolle spielte. Auch Chiuri fühlt sich darin sichtlich wohl, und für den Herbst und Winter 2021 nähert sie sich dem Thema aus einer etwas düsteren Perspektive an. Im Film tanzen elfengleiche Frauen durch eine dunkle Villa, eine Frau mit verschmiertem Lippenstift windet sich auf dem Boden, eine andere mit Pagenkopf rennt im blutroten Kleid durch die nächtliche Finsternis.

Inspiriert ist die Kollektion von klassischen Märchen wie „Rotkäppchen“, die gerne als Kindergeschichten weiter erzählt werden, sich in ihren Originalversionen aber oft als erstaunlich grausam und gruselig entpuppen. Chiuri wendet sich nicht von der Dunkelheit ab, sondern behandelt sie mit ihrer Mode. Die Models tragen eng anliegende Kopftücher im Babushka-Stil zu gesteppten Tellerröcken und Jacken, Minikleider aus Spitze mit Puffärmeln, Bubikrägen und schulterfreie Cocktailkleider. 50er-Jahre-Ladies à la Beth Harman aus „The Queen´s Gambit“ treffen auf japanische Lolita-Looks, Rotkäppchen-Capes auf Lackleder-Overknees. Dior schreibt sein eigenes Märchen, und seine Charaktere wird man bald auch im echten Leben sehen.  Silvia Ihring

Maximal frei

Im Hause Jil Sander ist einiges los: Nur wenige Tage vor der Präsentation der neuen Kollektion verkündete der japanische Besitzer der Marke, dass man diese an den OTB-Konzern des Italienischen Geschäftsmanns und Diesel-Gründers Renzo Rosso verkauft habe. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Gruppe ein verkopftes, Avantgarde-affines Label einverleibt und welche Auswirkungen die Partnerschaft auf das Haus haben wird, wird man sehen. Dass Chefdesigner Luke und Lucie Meier weiter dabei bleiben, ist in jedem Fall eine gute Nachricht, wie ihre neue Kollektion beweist.

Seit einigen Saisons beweist das Duo, wie gut eine verspieltere und eigensinnigere Interpretation von Minimalismus aussehen kann. Superstrikte Schnitte treffen auf Tops und Taschen aus verknüpften Perlen und Kugeln, lange Handschuhe und Stiefel sorgen für dramatische Effekte und geometrische Muster werden Schmetterlingsprints gemixt. Die Kollektion, so heißt in den Pressenotizen, stehe für “Freiheit, Individualität und Wandel”.  Eine Haltung, die Jil Sander schon immer ausgemacht hat – und die von den aktuellen Designern mit viel Talent am Leben erhalten wird.

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Loewe

LOEWE Fall Winter 21 – Women. A Collection walkthrough with Creative Director Jonathan Anderson.

VERSACE backstage FW21

Für Musterfrauen

Die Versace-Welt ist wie ein Labyrinth aufgebaut, aber eines mit einem klaren Ziel: Aus dem Familienunternehmen, das seit 2018 zur Capri Holding gehört, soll eine globale Megabrand werden, und was haben die globalen Megabrands dieser Welt alle? Ein eigenes Monogramm, das sich mit wenig Aufwand aber viel Wiedererkennungswert auf alle möglichen Produkte drucken lässt. Mit “La Greca” hat man nun sein eigenes Monogramm entwickelt.

Das Muster basiert auf Gianni Versaces berühmte griechische Labyrinth-Linien und die Outfits der neuen Herbst- und Winter-Kollektion 2021 sind voll davon. Im Film schreiten die Models durch eine riesige Konstruktion, deren Struktur ebenfalls von dem Muster inspiriert ist. Die Frauen tragen superschmale Anzüge, bauchfreie Tops und Mini-Mini-Kleider, die Männer Bermudas zu breitschultrigen Blazern, Kniestrümpfe und Sneakers. Die Zielgruppe ist klar definiert: junge, konsumfreudige Menschen, die sich gerne inszenieren aber Wert darauflegen, dass ihre Vielfalt und Offenheit von Marken anerkannt und zelebriert wird. Donatella Versace positioniert sich daher schon lange als Verfechterin von Toleranz und Akzeptanz, und dabei wirkt sie nicht kalkuliert, sondern authentisch. Und das ist am Ende vermutlich mehr wert als jedes Monogramm.

“I have realized that this is the future, the new way of communicating collections.

 Models are like actors, they bring the designs to life, just like when a performer portrays a character. During the filming of this show I saw how important it is to give the models time to “feel” the clothes they wear on the runway. Despite living in a digital era of immediacy, taking this time is crucial to form a genuine connection. This is what the present and future look like to me.”

Donatella Versace