Kleines Karo, ganz groß

Quaderna bedeutet „Heft“ auf italienisch, und wie die Seiten einer Rechenkladde sieht der Tisch gleichen Namens auch aus. Das Karomuster seiner Rundum-Beschichtung aus Laminat stimmt genau mit seinen Ecken und Kanten überein, so dass sie geradezu verschwinden. Genau darum ging es der Gruppe Superstudio aus Mailand, die den Tisch der 1970er entwarf: Ein Möbel, das sich quasi im Raum auflöst. Solche Experimente waren typisch für das so genannte „Radical Design“, das damals die Szene der Gestalter aufrüttelte. Der Tisch ist eine Superikone, die Zanotta seit 50 Jahren herstellt. Der Geburtstag wird mit zwei neuen, zuvor nie produzierten Varianten – einem Schreibtisch und einem Coffeetable – gefeiert – und einem Wollteppich, der das Muster aufnimmt. Sieht alles präzise, aber nie kleinlich aus. Kein Wunder. Die Vorlage des Musters wurde frei von Hand (!) gezeichnet. Zanotta.it

Bulgari geht an Bord

Die „Aluminium“-Uhren von Bulgari richten sich an ein junges, italophiles Publikum. Da passt die Partnerschaft mit der „Amerigo Vespucci“ bestens ins Bild. Bulgari widmet dem imposanten Ausbildungsschiff der italienischen Marine eine limitierte Edition der „Aluminium GMT“: mit schwarz-gelbem Blatt, das an die Rumpffarben des Traditionsseglers erinnert, und einer Mahagoni-Box mit eingraviertem Kadetten-Motto („Nicht der, der beginnt, sondern der, der durchhält“). Auf italienisch natürlich, so stolz wie die kleine Nationalflagge auf dem Zifferblatt und der Name des Schulschiffs auf dem Titan-Boden des Alu-Gehäuses, das einen Druck bis 10 bar durchhält. Angetrieben wird die Uhr von einem automatischen Manufakturwerk. Uhrzeit und zweite Zonenzeit sind dank kräftiger Leuchtmasse auch auf der Nachtwache ablesbar.

„Aluminium GMT Amerigo Vespucci Special Edition“, 40-Millimeter-Gehäuse am Kautschukband, limitiert auf 1000 Exemplare, 3950 Euro. Jan Lehmhaus

Chronograph fürs Highlife

Die 2020 vorgestellte „Highlife“-Linie von Frederique Constant passt mit ihrem markanten Gehäuse bestens in den Trend zur sportlichen Stahluhr. Neben dem Dreizeigermodell gibt es bereits Ausführungen mit skelettiertem Werk, mit Weltzeitanzeige und einem ewigen Kalender. Mit dem bei La Joux-Perret entwickelten Chronographenkaliber wird’s noch einmal deutlich sportlicher – und bleibt dabei ganz lässig: Auf eine Tachymeterskala für hektische Geschwindigkeitsmessung hat man verzichtet.

Schließlich passt die „Highlife“ besser zum Leinensakko als zum Overall, weniger auf die Rennbahn als an die Poolbar. Wichtiger ist da die sommertaugliche Wasserdichtigkeit des 41-mm-Gehäuses bis 10 bar. Dessen Drücker wurden leicht geneigt, um sich in das Designkonzept einzufügen. Angeboten werden drei  Varianten; die im Bild, mit blau-weißem Panda-Blatt, ist limitiert und kommt dafür mit drei Bändern: Stahl, Leder und Kautschuk. 3295 Euro.

MOSCHINO SS23 MENSWEAR

Credit: Moschino

Walter Chiapponi

bei der Tod’s SS23 Männerschau

ETRO

SS23 Menswear

Mr. Fantasy verlässt die Bühne. Kean Etro hat das magische Bild von Etro mehr als 30 Jahre lang geprägt. Er kreierte erstaunliche Showsettings, lange bevor es üblich wurde. Er ließ die Models durch ein Milchbad schwimmen, ‚übernahm‘ Mailand mit Ochsen und Pferden, baute eine Autowaschanlage und vieles mehr. Jetzt hat die Familie das Unternehmen verkauft, Marco de Vincenzo übernimmt das kreative Ruder, Kean und seine Schwester Veronica bleiben als Berater. Für seine letzte Sendung schickt Kean jedem Journalisten ein besonderes Gedicht. Seine Gedichte werden für immer bleiben.

Inga Griese

PRADA TESTIMONIALS

Jaehyun & Song Kang

Prada auf Papier

Was braucht man so als Mann in seinem Kleiderschrank? Vermutlich ein Hemd, bestimmt eine Jeans, vielleicht auch ein Sakko. Eine Lederjacke wäre nicht schlecht, für die Mutigen die passenden Shorts dazu, für die Entspannten einen Ringelpulli und für alle einen schwarzen Anzug. Solche Sachen stellt die Branche in Massen her, doch Prada besteht mit seiner neuesten Männerkollektion für den nächsten Frühling darauf, das auch die klassischsten Basics nicht von irgendwoher kommen sollten. Der Mann soll gezielt auswählen, und sich dabei natürlich nach seinem eigenen Typ richten: Der Mix aus Büroensembles, Lederoutfits und Schuljungen-Looks machte auf dem Laufsteg mehr Sinn, als man es zunächst vermuten würde. Das gesamte Set, das an das Interieur eines Hauses erinnerte, bestand übrigens aus Papier, ebenso ein Mantel, der zur Einladung mitgeschickt wurde. Hinter einer alltäglichen Fassade steckt oft mehr, als man denkt. Bei Prada erst recht. Silvia Ihring

Bilder: Getty Images

Prada Men SS23 in Mailand

VERSACE

Generation grenzenlos

 Barock und Pop – kaum ein Designer brachte diese zwei scheinbar gegensätzlichen kreativen Bewegungen so erfolgreich zusammen wie Gianni Versace. Und das Rezept funktioniert bis heute, erst recht bei einer jungen Generation, die mit Kontrasten und Extremen so lässig umgeht wie kaum eine vor ihr. Eben diese Generation Z – auf dem Laufsteg repräösentiert von den Söhnen von Modelstars wie Helena Christensen oder Carla Bruni – feiert Donatella Versace mit ihrer neuesten Männerschau. So fließend die Schnitte sind, so klassisch sind die Silhouetten, so soft die Farben, so pompös die Muster. Enge Tanktops mit Cut-Outs zur Bügelfaltenhose oder Mesh-Sakkos zu Baggy Pants – alles geht, bei Versace sowieso.

Die besten Jahre

Dass Dolce & Gabbana die Hochzeit von Kourtney Kardashian ausgestattet hatten, war überraschend, aber ebenso unerwartet waren die Outfits der Gäste: Kendall & Co. trugen zum großen Teil Vintage-Looks des Labels. Dass sie darin ziemlich gut aussahen erinnerte daran, wie zeitlos und wegweisend die Mode von Dolce & Gabbana war, als das Label 1995 erstmals mit der Arbeit begann.

Stefano Gabbana und Domenico Dolce experimentieren bekanntlich gerne mit neuen Technologien und Trends, doch diese Saison nutzten sie für eine Rückschau auf ihr Lebenswerk, das sie so weit gebracht hat. Fast alle Stücke aus der neuen Männerkollektion basieren auf Archiventwürfe und sind auch mit dem Jahr gekennzeichnet, in dem sie erstmals erschienen sind. Junge Kunden durchforsten das Internet nach Vintage-Teilen von Dolce & Gabbana. Nun machen ihnen die Designer die Suche ein wenig leichter. Silvia Ihring

Die Stilisten in WELT AM SONNTAG Norddeutschland. Unsere Sylt-Ausgabe.

DIOR PRESENTS

 THE CRUISE 2023 COLLECTION 

 In Sevilla, Plaza de España

Gegensätze ziehen sich an

Zwischen klassischer Eleganz und rebellischem Punk-Look liegen Welten? Nicht, wenn es nach Cartier und Markenbotschafterin Lily Collins geht. Für die neuesten Schmuckstücke der „Clash de Cartier“-Kollektion ziehen die Clou Carré-Nieten in doppelreihigen Ringen und Ohrringen den Blick auf sich. Dass man bei Cartier nicht nur auf gewohntem Terrain brilliert, zeigte schon die von geschwungenen Nägeln inspirierte „Just un clou“-Serie als Gegenpol zur feinen Haut Joaillerie des Hauses.

 Mit „Clash de Cartier“ widmeten die Franzosen 2019 eine gesamte Kollektion dem stilistischen Kontrast: Aus der Punk-Szene entlehnte Nieten treffen auf flexible Rundnoppen und vereinen so rockiges Design mit traditionellem Handwerk. Testimonial Lily Colins zeigt nun, wie man zwischen den Welten wandelt: Sie trägt den Schmuck zum All-Black Outfit mit Micro-Pony, als auch zum kleinen Schwarzen und roten Lippen. Kim Hofmann

Wait for it… 

Auf die Schnelle geht derzeit wenig. Durchhaltevermögen war auch in der Welt der Art Cars gefragt. Bereits im März enthüllte man den von Streetwear Designer Sean Wotherspoon gestalteten Porsche „Taycan 4 Cross Turismo“ auf dem South by Southwest Festival in Texas. Die extrovertierte Colorblocking Lackierung weckte sofort die Frage: Wie sieht der Wagen wohl von innen aus? Doch das bleib ein Geheimnis – bis jetzt! Die bunte Außenlackierung setzt sich im Interieur fort. Zum Einsatz kamen außerdem Wotherspoons Signature-Materialien Kork und eine Kordsamt-Verkleidung an Dachhimmel und Sonnenblenden. Die Krönung? Die Innenausstattung ist komplett vegan und Lederfrei.

Trostspender

Wie die Umarmung eines Teddys: So fühlt es sich an, auf dem Sessel „Nana“ von Hanne Wellmann zu sitzen, Die Berliner Designerin hatte 2021 für Freifrau schon einen Stuhl gleichen Namens entworfen. Seine gerundete Sitzfläche, Rücken – und Armlehnen sind von Wolken inspiriert- und genauso sitzt man auch darauf. Der Sessel, eine Couch und ein Pouf, die jetzt dazu gekommen sind, haben ähnliche Formen, doch statt des schwebend leichten Eindrucks steht jetzt das Weiche, fast Voluminöse im Vordergrund. Es verspricht Geborgenheit und weckt Kindheitserinnerungen – ein Trostmöbel, für alle, die sich gerade die Knie aufgeschlagen haben. Was will man mehr von einem Sessel? freifrau.com, hannewillmann.com

„Chant“ ausgestellt in Mailand
„Requiem Globe“
„Requiem“
Nahaufnahme der Lichtinstallation „Vesper“
„Panntheum“
„Hail“ ebenfalls in Mailand zu sehen

Erleuchtung garantiert  

Lee Broom spürte göttliche Inspiration und machte daraus Leuchten, die auch auf Erden gut aussehen.

Bevor Lee Broom einer der angesagtesten Möbel- und Interiordesigner Englands wurde, hat er eine Schauspielschule besucht, bei Vivienne Westwood gearbeitet und Mode studiert. Anders gesagt: Von Inszenierungen versteht er was. Mal baut er aus Leuchten einen zwei Geschosse hohen Weihnachtsbaum, mal präsentiert er seine Entwürfe auf einem schneeweißen Kinderkarussell – und auf den Modellen seiner Stuhlkollektion ließ er ein Streichorchester eine Haydn-Symphonie spielen, von Spots dramatisch beleuchtet. Im Mailand ging es jetzt göttlich zu.

„Divine Inspiration“ nannte er die Installation, in der er sechs neue Leuchtenkollektionen zeigt und dafür aus schnöden Galerie – Sakralräume machte, inklusive bunter Folie auf den Fenstern, als wäre man in der Kirche. Die Leuchten selbst sind, wie oft bei Brooms Entwürfen, eher schlicht, variieren auf subtile Art klare geometrische Formen – und könnten so auch in einer dieser leicht exzentrisch skulpturalen Kirchen hängen, die nach dem Krieg wie Pilze aus dem Boden schossen, in Deutschland zumindest. Dass dazu aber eher meditative Ambiance-Musik lief und sein Team weiße Gewänder trug wie das Personal eines Achtsamkeits-Retreats, wirkte dagegen seltsam unentschlossen. Aber die Leuchten, soviel ist klar, werden sich auch im Wohnzimmer oder in Hotelfoyers gut machen. Der Mann ist in jeder Hinsicht Profi. Gabriele Thiels

Fotografiert von Luke Hayes und Arthur Woodcroft

Seit Jahren ein Must See: die Werke, die in der Nilufar Galerie gezeigt werden, kuratiert von Nina Yashar. Sie verbindet Generation, Stile und Nationen, etablierte Namen neben Avantgarde Talenten. Eine große Designshow. Im Bild die Kollektion von Martino Gamper.
Fast deutsch: Möbel im Camp-Stil sind Design für Fortgeschrittene. Sie sind kitschig und genau deshalb keine Massenprodukte. Dabei liegt Maximalismus im Trend. Donatella Versace beherrscht ihn schon immer. Die neue Outdoor-Serie „ La Vacanza“ kommt jedoch geradezu schüchtern daher.
Neues von Nathalie Du Pasquier: Das ehemalige Mitglied der Memphis Bewegung schaffte eine Kollektion aus traditionell handgefertigter Keramik – ausgestellt im Szenenbild aus Elementen von Mattonelle Margherita. Foto Delfino Sisto Legnani
Andersons Gespür für Tradition: Unter dem Titel „Loewe Weave, Restore, Renew (dt.: weben, restaurieren, erneuern) zeigt  Loewes Kreativdirektor Jonathan Anderson bereits zum 7. Mal im Rahmen des Salone del Mobile. Das Projekt haucht vergessenen und weggeworfenen Dingen neues Leben ein und verwandelt sie durch handwerkliche Reparaturen wie das Lederweben oder die galizische Strohtradition in neue Stücke. Ebenso wurden 240 Körbe an spanische Kunsthandwerker übergeben; diese Mini-Kunstwerke spiegeln Andersons Passion für exklusives Handwerk wider.
Pulpo. Erstmalig zeigen sie ihre Entwürfe in der Innenstadt und verwandeln eine ehemalige Bank in einen Super-Showroom. Im Tresorraum Tische von Julia Chiaramonti
Zeitlose Ergänzung der Kollektionen; gefertigt mit fast nordischer Präzision. Foster & Partners für B&B Italia.
It`s a match! Foodartist Laila Gohar und Superdesigner Muller van Severen und ihr gemeinsam entworfener „Pigeon Table“. 7 Oberflächen, 7 Farben und 7 Möglichkeiten, Essen zu kredenzen.  
Lieblings-Skyline: Mit dem Paravent „Tramonto a New York“ feiert der italienische Designer Gaetano Pesce den Sonnenuntergang in seiner Wahlheimat. Und ein Material: Die Trennwand wird Lage für Lage aus Kunstharz gegossen, den der italienische Designer dem Glas seit je vorzieht: „viel heller, transparenter und weit weniger zerbrechlich“. Von Cassina
Humor, Trendgespür und Sinnlichkeit: „Derrière“ von Lara Bohinc für ihr gleinamiges Studio.    
UniFor, ein Unternehmen der Molteni Gruppe, ist spezialisiert auf Lösungen für die Einrichtung von Arbeitsplätzen. „PRINCIPLES“ entstand in Zusammenarbeit mit dem internationalen Architekturbüro OMA.
Das Designer-Duo um Dimore Studio entwirft Märchen ohne Kitsch – hip und historisch zugleich. Hier für Fendi.
Großes Kino: Das visuelle Storytelling beherrschte Filmregisseur Luca Guadagnino schon vor der Gründung seines Design-Studios im Jahr 2017. Highlight? Der „Fireplace“ (Kamin 🙂 in Pastellfarben.  
Metamorfosi Zoide
Paola Lenti und Humberto Campana
Metamorfosi Chromodor
Metamorfosi Chromodor
MetamorfosiCentopeia

Nachhaltigkeit kann Spaß, Komfort und Poesie sein! Bestes Beispiel? Federico und Humberto Campana. Zusammen mit Paola Lenti haben die brasilianischen Designer „Metamorfosi“ entworfen – große, gepolsterte und bunte Inseln zum Sitzen und Liegen. Sie erinnern an seltsame Kreaturen und sind alle von Hand aus den Resten der „Rope“-Schnüre gefertigt, aus denen viele der schönen Outdoor-Möbel des Unternehmens hergestellt werden. Oder, wie Paola Lenti es ausdrückt: Was für eine Verschwendung!

 

Product-Photos by Sergio Chimenti.  In Progress: Stefano Pavesi

„Wir wollen den heutigen Zeitgeist repräsentieren, bei dem es kaum noch um Einzelentscheidungen geht, sondern eher um Fülle, Heterogenität, Medleys, das Aufeinandertreffen von Gegensätzen, Vermischung und Dialog. Der Zeitgeschmack definiert sich nicht durch einen exklusiven Stil, sondern durch die Wertschätzung der visuellen Kultur als Ganzes, die den Reichtum an Reizen, den die Welt bietet, akzeptiert und will.“

 Nina Yashar, Gründerin Nilufar Galerie

Hermès präsentiert vier skulpturale Figuren aus Holz und Papierbögen. Inspiriert von Wassertürmen, erinnern die lichtdurchfluteten Installationen jedoch eher an Lampions und sollen so Monumentalität und Leichtigkeit vereinen. Unbeschwert gehts im Inneren weiter: Leichte Materialien und simple Formen bestimmen auch das Design der neuen Home-Kollektion mit Möbeln, Accessoires und Textilien.