Licht aus: Licht an!

Wenn die Zeitanzeige nicht mehr die Hauptaufgabe feiner Uhren ist, kann auch profane Leuchtmasse ganz neue Funktion bekommen. Roger Dubuis hat schon im vergangenen Jahr gezeigt, wie dramatisch sich damit inszenieren lässt: Bei der „Excalibur Twofold“ glühen in der Dunkelheit die Konturen des Armbands im selben Grün wie die Zeiger und die Kanten der Werkbrücken. Die „Excalibur Flying Tourbillon Glow Me Up“ geht noch viel weiter: mit der vierfarbigen Illumination von Werkteilen und 60 Baguette-Diamanten auf der Lünette, unter denen Leuchtmasse eingelassen wurde. Das Ergebnis ist ein kompletter Image-Wechsel, palace by day, circus by night, quasi zwei Uhren in einer – aber nur achtmal zu haben.

Superstar-Ehepaar Beyoncé (unter anderem mit 128,54 Karat Tiffany-Diamant) und Jay-Z werben für Tiffany & Co und die moderne Liebe vor einem Tiffany-blauem noch nie ausgestelltem Gemälde von Jean Michel Basquiat. Noch Fragen?

Architekt Peter Marino
Studio Proba
Mr. Flower Fantastic
Brooklyn Balloon Company by Robert Moy
Architekt Frank Gehry

Think out of the box!

Beim Shopping muss nicht zwingend die Kreditkarte in Mitleidenschaft gezogen werden. Sehnsucht anstelle von Kaufsucht kann ein Schaufensterbummel wecken. In den Louis Vuitton Boutiquen lädt aktuell die Fensterdekoration ein, gleichzeitig in Vergangenheit und kreativen Zukunftsvisionen zu schwelgen. Anlässlich des 200. Geburtstages von Gründer Louis Vuitton ehrt das französische Luxushaus ihn und die Anfänge mit der Initiative „Louis 200”.

Der Koffer – das erste Produkt des ursprünglichen Reisegepäckherstellers – wurde von 200 Kreativen neu gedacht. So verwandelte etwa die Brooklyn Balloon Company by Robert Moy den Koffer in eine Skulptur aus Ballons, Streetart-Künstler Mr. Flower Fantastic schuf eine Installation aus Pflanzen. Alle Arbeiten werden im August in ausgewählten Stores und Schaufenstern präsentiert.

WENIGER IST MEHR

Kann man nackt auch gut angezogen sein? Dieser Frage widmeten sich jüngst Autobauer MINI und Modedesigner Paul Smith in einer Kollaboration. Die Antwort nennt sich MINI Strip und zeigt, dass Reduktion nicht auf Kosten von Design und Funktionalität gehen muss. Mit dem Ziel, die nachhaltige Automobilproduktion zu fördern, verlagerte sich der Fokus auf das Wesentliche eines Fahrzeugs. So trennte man sich etwa von Innenraumverkleidungen und der farbigen Lackierung der Karosserie. Keine Sorge, eine dünne Schicht farbloser Lack schützt vor Korrosion. Sichtbare Schrauben, 3D-gedruckte Einsätze und ein Panoramadach aus recyceltem Plexiglas machen das Elektrofahrzeug nicht nur noch umweltfreundlicher, sondern auch in Herstellung und Optik im wahrsten Sinne transparenter.

Mach mal Pause  

Warum Shopping noch keine anerkannte sportliche Disziplin ist, erscheint rätselhaft. Wer es richtig macht, kommt gut ins Schwitzen – und hungrig macht es auch. Im Münchener Luxus-Kaufhaus Lodenfrey kann man sich nun angemessen stärken. Seit dem 13. August gibt es neben neu gestalteten Polo Ralph Lauren Corner-Shops auch das aus New York oder Tokyo bekannte Café „Ralphs Coffee”. In entspannt amerikanischer Atmosphäre kann man hier Kaffee- und Teespezialitäten sowie Snacks oder – typisch bayerisch – ein kaltes Bier genießen. Cheers!

© Photo Nadine Fraczkowski
ANNE IMHOF, UNTITLED (2017) Aluminium, acrylic ; 300 × 190 × 4,5 cm Pinault Collection (Paris, Venice); Courtesy of the artist and Galerie Buchholz (Berlin, Cologne, New York) Photo credit : Aurélien Mole
ANNE IMHOF, UNTITLED (IMAGINE) (2019) Plate, bronze cast ; 1,5 × 44,5 cm; Helmet ; 25 × 31 × 25 cm Courtesy of the artist and Galerie Buchholz Photo credit : Aurélien Mole
View of the exhibition « Carte blanche à Anne Imhof, Natures Mortes », Palais de Tokyo, (22.05.2021 – 24.10.2021) Eléments of Angst opera presented in 2016 at the Kunsthalle of Bâle, at the Hamburger Bahnof of Berlin and in the Biennale de Montréal Courtesy of the artist and Galerie Buchhol
ADRIÁN VILLAR ROJAS, UNTITLED (DE LA SÉRIE / FROM THE SERIES « RINASCIMENTO ») (2015-2021) Melon, celery, white shimejis, coriander, white and black grapes, yams, morilles, enoki mushrooms, eggplants, papayas, black radish, pomegranates, lion’s mane mushrooms, Corona beer bottle, passion fruits, citrons, asparagus, pink radish, curly parsley, red cabbages, nameko, grapefruits ; 160 × 45 × 57 cm Courtesy of the artist, Marian Goodman Gallery and kurimanzutto Photo credit : Aurélien Mole
ANNE IMHOF, UNTITLED (2016) Punching bag ; 164 × 35 × 35 cm Coll. Pinault Collection (Paris, Venice); Courtesy of the artist and Galerie Buchholz Photo credit : Aurélien Mole
ANNE IMHOF, FIGURE I (2021) Aluminium, acrylic ; 300 × 190 × 4,5 cm Courtesy of the artist, Galerie Buchholz and Sprüth Magers Photo credit : Aurélien Mole

ZwischenWelten

Carte Blanche darf in der Kunst als eine Art Ritterschlag gesehen werden, denn sie bedeutet uneingeschränkte künstlerische Freiheit. Das Pariser Museum für moderne Kunst, Palais de Tokyo, erteilte diese kürzlich der deutschen Künstlerin Anne Imhoff. Das Ergebnis? Für die Ausstellung „Natures Mortes“ (Stillleben) legte sie das Gebäude bis auf den Rohbau frei. Hinzu fügte sie ein gläsernes Labyrinth, indem sie abwechselnd mit hellen und dunklen Farbtönen, unterbrochen von welken Blumen und Stillleben, spielt. Gemeinsam mit 30 Gastkünstlern, unter ihnen Musikerin und Balenciaga-Muse Eliza Douglas, lässt sie Raum und Körper mit Malerei und Musik verschmelzen, um alle Facetten des Lebens zu zeigen: Licht und Dunkelheit, Leben und Verblichenes. Die Ausstellung kann bis zum 24.Oktober besucht werden.

Improvisationskunst

Punkt, Punkt, Komma, Strich, lautet die bewährte Formel zum Test von neuem Schreibgerät wie Füller, Textmarker und Co. Gemeint sind hier nicht nur Kinder, sondern auch Kunden im Fachhandel für Künstlerbedarf. Auf den Probier-Papieren finden sich zögerliche Kringel, selbstbewusste Striche und wahllose Muster. Inspiriert von der Idee des Unbeobachtet-Seins, hat Künstlerin und Illustratorin Sarah Illenberger bekritzelte Testpapiere gesammelt und zu einzigartigen Designs kuratiert. Zu finden sind sie unter anderem auf dem Blow Vorhang der Artist Edition und auf drei Textilbahnen des dänischen Textilverlags Kvadrat.

Drei farbenfrohe Textilbahnen – Script_One, Script_Two und Script_Three. Fotografiert von Corinna Gratzl und Robert Rieger.

„Es gibt eine Fehlinterpretation dessen, was gutes Aussehen heißt. Es geht darum, gesund auszusehen, nicht faltenlos.“

 Peter Philips ist einer der bekanntesten Make-up-Artisten der Welt und ein Pionier: Schon vor 25 Jahren schminkte er Männer. Ein Gespräch.

Mehr

Meerblick

Der Ozean bringt eigenwillige Gewächse zu Tage: Seegras, Algen, aber auch die Arbeiten von Thirza Schaap. In der Serie Plastic Ocean thematisiert die niederländische Künstlerin die schöpferische Kraft des Meeres. So baut sie kleine Skulpturen aus Plastikabfällen, die, vom Wasser verformt, an südafrikanische Strände gespült wurden.

Die Bildhalle Zürich stellt für die Sommerausstellung Ocean neben Schaap sieben weitere Künstler aus, die sich in ihren Werken mit dem Meer auseinandersetzen. Allen gemein ist die betrachtende Perspektive vom Ufer aus. Bis zum 25. September geöffnet.

Platz für alle

Große Karrieren entstehen nicht durch Talent alleine. Es braucht Menschen, die Fähigkeiten erkennen, eine Gesellschaft, die offen ist, Chancen, die jedem zur Verfügung stehen. Daran glaubt auch Tommy Hilfiger und es ist ein Grund, warum er im vergangenen Jahr das „People´s Place“-Programm ins Leben rief: Eine Initiative, die unterrepräsentierte Stimmen aus der BIPOC-Community in der Mode- und Kreativbranche erkennen und fördern soll. Hilfigers neue Capsule Collection mit dem afroamerikanischen New Yorker Designer Romeo Hunte trägt den Geist von „People’s Place“ in sich.

Hunte arbeitet schon seit Jahren erfolgreich mit seinem eigenen Label, und ebenso lange steht ihm Tommy Hilfiger als Mentor zur Seite. Die TommyXRomeo-Linie baut auf Huntes typische, dekonstruierte Silhouetten auf, denkt sie mit intensiven Farben und hybriden Silhouetten neu und integriert das bekannte Tommy Hilfiger-Logo, das seit Jahrzehnten für Inklusion und Vielfalt steht. Auch für das Shooting verließ man sich auf diverse Talente, die die Kampagne vor und hinter der Kamera prägen. Für Huntes Karriere sieht Hilfiger eine große Zukunft voraus. „Mit dieser Kollektion treffen unsere zweiten Welten zusammen.“ Und schaffen so eine neue. Silvia Ihring 

Joan Collins, London Heathrow, 1989 Dennis Stone/Shutterstock
Naomi Campbell, Paris Le-Bourget, 1998 Bertrand Rindoff Petroff/Getty Images
Prince, London Heathrow, 1989 David Parker / Alamy Stock Photo
Lady Gaga, Los Angeles International, 2015 GVK/Bauer-Griffin/GC Images
Elton John, London Heathrow, 1982 Mirrorpix/Getty Images
Cindy Crawford, Los Angeles International, 1991 Ron Galella/Ron Galella Collection via Getty Images

Nur das Nötigste

Wer ganz sichergehen will, auf Reisen alles dabei zu haben, macht es wie Joan Collins, hier 1989 am Londoner Flughafen Heathrow. Fünf Louis Vuitton Gepäckstücke lassen außerdem auf ähnlich exquisiten Inhalt schließen. So weit, so zeitlos. Lediglich der Look der Schauspielerin verrät, wie sehr die Zeiten sich verändert haben. Auf Flügen sind Sportkleidung oder Loungewear zum akzeptierten Dresscode avanciert.

 Manch einer wünscht sich – allein aus optischen Gründen – die gute alte Zeit zurück. Damals, als das Fliegen noch eine besonders feine Angelegenheit war, zu der neben Shrimp-Cocktail Martinis gereicht wurden und auch die Kleiderordnung dem in Nichts nachstand. Als Hommage an diese glamouröse Zeit hat Rizzoli den Bildband „Come Fly With Me“ lanciert. Die renommierte Bildredakteurin Jodi Peckman stellte dafür Paparazzi-Bilder bekannter Gesichter aus mehreren Jahrzehnten zusammen. Auf dem Sprung sind unter anderem Frank Sinatra, Naomi Campbell und Prince.

„In Deutschland gibt es einen Rassismus, der vielleicht immer da war, aber plötzlich fühlen sich Leute sicher, diesen offen auszuleben. Wir müssen so viel infrage stellen. Wir müssen unseren Umgang mit natürlichen Ressourcen komplett neu denken, wir müssen unseren Umgang mit Frauen neu denken und ihre Gleichberechtigung weiter vorantreiben. Wir müssen den Begriff Deutschsein neu definieren.“

Schauspieler Clemens Schick im ICON-Interview

Jens Schmidt c/o Kathrin Hohberg

Von Prints und Poeten 

Das Kleid ist fast bodenlang und liegt eng am Oberkörper an. Zahlreiche Streifen aus Organza und Tüll schmücken den Rockteil, die Farben changieren in allen Tönen des Ozeans, und auf dem Oberteil funkeln Perlen, die ein an Unterwasserwelten erinnerndes Muster nachbilden. Gezeichnet hat es einst der britische Dichter und Künstler William Blake, auf einem Kleid des Labels Alexander McQueen erwacht es nun zu neuem Leben. Das Kleid ist Teil der Männerkollektion für Frühling und Sommer 2022, und das Geschlechter-übergreifende Cross-Dressing, wie es das Label hier vorführt, steht für eine neue Freiheit in der Männermode, die auch andere Labels feiern.

Zur Arbeit von McQueens-Kreativdirektorin Sarah Burton gehört sie schon lange – und so entwickelt sie bestehende Ideen und Silhouetten aus ihrem Repertoire weiter, lässt riesige Volants aus Sakko-Revers und Mantelschultern wachsen, akzentuiert Ärmel und Taillen mit Zippern, kombiniert Anzüge zu Sneakers. Die Illustrationen aus dem Werk William Blakes, die das Designteam gemeinsam mit dem Tate-Museum herausgesucht hat, schmücken einen Mantel, ein Hemd oder auch ein einfaches Feinripp-Tanktop, wie eine Traumwelt aus der Vergangenheit, die ziemlich gut in die Gegenwart passt. Silvia Ihring

Fotos: Sergi Pons

Styling: Clark Parkin mit Pucci. Kette: Begum Khan

Model: Bárbara Sánchez c/o Blow Models in Emilio Pucci, Tasche Hermès, Schmuck Cada

Haare + Make-up: Emiliano Riccardi c/o Ana Prado

Assistenz: Adria Botella, Jordi Cortez

Location: Hostal de La Gavina

Zusammen in die Zukunft

 „Es ist eine große Herausforderung, eine positive, futuristische Geschichte in einer Zeit zu entwickeln, in der die Zukunft allgemein als dystopisch betrachtet wird“, sagt Regisseur Wim Wenders. Für die Zusammenarbeit mit dem italienischen Modehaus Salvatore Ferragamo nahm er diese Herausforderung an und drehte den Fashionfilm „A Future Together“ für die aktuelle Herbst-/Winterkollektion namens „Future Positive“.

Angelehnt an die futuristische Mode, erschuf Wenders eine Erzählung, die nicht nur an einem modernen Sci-Fi Filmset gedreht wurde, sondern auch selbst dort spielt – ein Film im Film. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Arbeit einer aufstrebenden Filmemacherin, verkörpert von Gaia Girace, die sich am Set in ihren Tonassistenten verliebt, der von Felix Sandmann gespielt wird. Wenders nimmt nicht nur Bezug auf die Ursprünge Salvatore Ferragamos, der bereits 1923 eine Boutique auf dem Hollywood Boulevard eröffnete und eng mit dem Filmgeschäft verbunden war. Er zeichnet auch eine hoffnungsvolle Vision zukünftigen Zusammenlebens.

Behind the Scenes des Fashion films „A Future Together“ von Wim Wenders for Ferragamo.