Hausbesuch

Zutritt zu den Ateliers und Manufakturen der großen Modehäuser haben nur wenige. Einmal dabei zuschauen, wie die Handwerker in akribischer Handarbeit etwa eine Tasche oder einen Schuh anfertigen? Bei der vergangenen Schau von Dolce & Gabbana saßen im Foyer ihres „Teatros“ in Mailand Frauen, die kunstfertig strickten und häkelten, nun aber ermöglichen die Italiener diesen sonst geheimen Schulterblick einem großen Publikum. Ihre Mitarbeiter laden digital zu sich nach Hause ein und zeigen ihre Fähigkeiten.

Unter dem Hashtag #DGFATTOINCASA sind diese digitalen Workshops auf Instagram zu sehen. Fatto a mano (also handgemacht) und Fatto in Casa auf einmal. Bravissimo!  Mit der Aktion wird das Projekt der „Fondazione Humanitas Per La Ricerca“ gefördert und ist eine Erweiterung von Dolce & Gabbanas laufender Charity-Aktion AMORE FOR SCIENTIFIC RESEARCH der Humanitas-Universität, die die Forschung von Professor Alberto Mantovani unterstützt. Der italienische Wissenschaftler will aufklären, welche Reaktionen das menschliche Immunsystem auf Covid-19 hat. Hier können Sie spenden.

Entspannung wird quasi mitgeliefert bei dem „Ortigia-Sessel“ von Flexform. Möbelhandwerk auf höchstem Niveau, eh klar.
Hollywoodreif: Der Schaukelsessel „Leyasol“ funktioniert sowohl drinnen als auch draußen. Von Freifrau.
Mini-Trampolin, Daybed oder kreative Insel? Alles. Optional dazu der schützende Baldachin. Patricia Urquiola entwarf „Trampoline“ für Cassinas erste Outdoor-Kollektion.  
Durchatmen. Wegdösen. Drink schlürfen. Das spanische Traditionsunternehmen Gandia Blasco lancierte die neue, eher unkonventionelle Outdoor-Möbelfirma Diabla. Faltbare Tische, geschwungene Liegen und modulare Loungemöbel – so wie „Ploid„.
Saparella“ ist die Neuauflage von Michel Ducaroy als Outdoor-Modell eines revolutionären Vollschaumsitzmöbels, das Ligne Roset 1965 herausgebracht hatte.
Funktional bequeme Gartenmöbel, die nur ein Minimum an Platz einnehmen? Entwarf sich der dänische Designer Børge Mogensen in den 60er-Jahren gleich selbst. Die einfachen Freuden des Lebens. 60 Jahre später nimmt die Möbelmarke Carl Hansen & Son die „Deck Chair-Serie“ in seine Outdoor-Kollektion auf.
Familienfoto:  Die „Family Chairs“ von Junya Ishigami für den italienischen Hersteller Living Divani.
Da die Menschen im Süden in Sachen Sommer, Sonne, Sonnenschein einen ziemlichen Vorsprung hatten, haben sie für das sonnenverwöhnten Selbst sinn- und stilvolle Objekte entworfen. So wie der italienische Hersteller Pedrali hier mit den Stühlen „Soul“ und Tisch „Concrete“. Foto: Andrea Garuti.
Kussecht: Den skulpturalen Klassiker „Dalilips“ von 1972 gibt es seit 2004 auch für Draußen. Es war Super-Maler Salvador Dali, der das Sofa zusammen mit Oscar Tusquets entwarf. Über BD Barcelona.
Colosseo“ erinnert nicht nur aufgrund seines Namens an die historische Architektur der römischen Arena. 2020 feiert der Hocker/Beistelltisch/was das Herz begehrt von Naoto Fukasawa für B&B Italia sein Outdoor-Debüt.

Vom Sein im Freien

Eigentlich ist Entspannen so einfach, man braucht doch nur ein paar Sommertage. Und natürlich die „Ortigia-Sessel“ von Flexform, nein, lieber das Daybed von Cassina. Oder die Schaukel von Freifrau? Sie merken, es wird Zeit, unsere Terrassen und Balkone aufzumöbeln.

Upcycled Masken: Bastelstunde mit Super-Stylistin Silja Lange

Hedi Slimane, Celine
Persona. Regie: Ingmar Bergman, 1966. Bild: picture alliance/United Archives.
Charade. Regie: Stanley Donen, 1963. Bild: picture alliance/United Archives.
Elf Uhr nachts. Regie: Jean-Luc Godard, 1965.
Paris, Texas. Regie: Wim Wenders, 1984. Bild: picture alliance/United Archives.

Filmfestival 

Mit Hedi Slimane. CELINEs Kreativdirektor kuratierte für die Streaming-Plattform Mubi seine Lieblingsfilme, darunter der Filmklassiker „Paris,Texas“ von Wim Wenders oder der Kult-Film „Persona“ aus dem Jahr 1966. Momentaufnahmen filmischer Sensibilität. Der  Newcomer unter den Online-Streaming-Diensten ist bekannt für eine feine Auswahl an Arthouse-Produktionen und Avantgarde-Hits aus dem gesamten globalen Kino.

Die Welt scheint still zu stehen, bleibt zu Hause. Eine Aufnahme aus unserem Archiv von Massimo Rodari für ICON on the road im Hotel & Croquet Club Quinta da Chamine in Portugal.

Joop

… don’t

„Auf dem Friedhof in Potsdam freute sich eine Frau, dass sie ihn nun abgeriegelt hätten. Da wären Kinder gewesen. So schnell kommen die Denunzianten wieder raus. Ich hoffe sehr, dass sich die Menschheit nicht wieder zurückdrehen lässt. Ich bin ein 68er und stolz auf die freie Gesellschaft. Auf Bevormundung reagiere ich empfindlich, Demokratie ist ein so großes Gut. Auch wenn ich grad mit Gesichtsmaske auf den Markt gehe.“

 … likes

„Mir macht Entschleunigung keinen Spaß, ich war gern bei der Beschleunigung, bei der Fortentwicklung von Kunst, Kultur, Mode, Gesellschaft dabei. Ich will meinen alten, geliebten Stress zurück, denn ich arbeite lieber, als dass ich auf die Zeit warte. Es kommt nicht automatisch Rat.“

Wolfgang Joop

1. Die Kalbsledervariante gibt es in elf Farben.
2. Auf der Grundlage der Skizze des Designers wird eine Kartonvorlage erstellt, die die Linien der Tasche, ihre Proportionen und Volumina sowie die für ihre Montage erforderlichen Prozesse zeigt.
3. Mittels Heißprägung und einem Brandstempel wird das Logo mit einer blass goldenen Folie aufgetragen.
4. Die auf der Werkbank zusammengesetzten Teile werden präzise mit Handnähmaschinen genäht.
5. Ein besonders schwieriger Schritt ist das Zusammensetzen der Seitenteile. Die Seiten werden auf einer Holzform montiert und mit einer Nähmaschine zusammengenäht. So bekommt die Tasche Volumen und ihre starre Form.
6. Die Innenfalten an den Seiten ist ein Merkmal der gesamten „La Prima“-Linie.
7. Von Hand lassen sich die Seitenteile präzise zusammennähen.
8. Letzter Schritt: Die bereits vorgeformte Taschenklappe wird fixiert.
Handwerkskunst: „La Prima“.

Der Bauplan:
Tasche „La Prima“ 

In den Ateliers und Manufakturen dieser Welt werden weiterhin Handwerkskünste gepflegt, und wir schauen dabei zu. Heute: Die Tasche „La Prima“ von Giorgio Armani, ein zeitloser Klassiker. Erstmals 1995 lanciert, gibt es die Schultertasche nun in einer Neuauflage. „‚La Prima‘ ist die Tasche, die meine Vorstellung von Eleganz und Persönlichkeit, von Stil und Funktion verkörpert“, sagte der Italiener bei der Vorstellung in einem seiner schönen Gärten in Mailand. „Sie entstand aus dem Bedürfnis, einer kultivierten Frau, ein Accessoire zu bieten.“ Und dass es sechs neue Varianten sind, ist gleichermaßen zeitgemäß. Gefertigt wird in drei verschiedenen Ledermanufakturen in Mailand. Die Zusammenfassung in acht Schritten.

Der Bauplan. In jedem ICON Magazin ein anderes Produkt.

Lapo Elkann

25/04/20

Clevere Charity: Er ist Fiat-Erbe, Stilikone, patriotischer Italiener und Weltenbürger zugleich, und vor allem unermüdlich kreativ. Nun hat Lapo Elkann aus der der allgegenwärtigen Schutzmaske ein hoffnungsvolles, völkerverbindendes Symbol in Zeiten von Corona gemacht. Seit letzter Woche gibt es auf Instagram einen speziellen Filter („Beyond the mask“), mit dem Menschen ein Bild von sich selbst veröffentlichen können mit einer Gesichtsmaske aus den Flaggen ihres eigenen Landes. Oder ihres Lieblingslandes. Mit am Start sind auch Elkanns Freunde, klar: Fußballer Cristiano Ronaldo, Para-Radfahrer Alex Zanardi und viele mehr. Die Kampagne „Never give up“ sammelt Spenden für das italienische Rote Kreuz. Insgesamt sind bisher 320 000€ zusammen gekommen. Und viel Verbundenheit.

 

Back again! 

Die 18 Meter lange Marmorverkleidung am frisch renovierten Dolce & Gabbana Store an der Canton Road in Hongkong ist, ganz klar, als Hommage an die Heimat des Designerduos zu verstehen. Doch ein Mosaik im Boden am Eingang der Boutique huldigt wiederum dem Standort, zeigt es doch die Bauhinia-Blume, das Symbol der Stadt, gefertigt nach alter italienischer Handwerkskunst. Die Renovierung wurde vom Pariser Architekturbüro Carbondale entwickelt. Aufarbeitung gelungen.

Der französische Modedesigner Christian Dior. 1947 gründete er sein Haus und wurde bekannt durch die New-Look-Revolution. Bereits 1949 entstand der Dokumentarfilm „Haute Couture“ unter der Regie von Henri A. Lavorel über ihn und seine Welt. Nach dem Klick auf das Bild gibt es faszinierende 13:55 Minuten Archiv-Material.

Ein Bild für die Göttinnen

Und wenn? „Was wäre, wenn Gott weiblich ist?“, stand auf einem riesigen Banner im Eingang zur Haute Couture-Schau von Dior. Für die Show hatte Kreativdirektorin Maria Grazia Chiuri Judy Chicago, die Begründerin der feministischen Kunst in Amerika, eine 80-jährige Ladung Energie mit quietschlila Haaren und weißem Pony, lila Brille und goldfarbenem Dior-Maßanzug, eingeladen.

Die Künstlerin war erst skeptisch, zwingt nicht gerade die Mode Frauen in ein unrealistisches Bild? Doch sie ließ sich auf die Verabredung ein. Sie realisierte einen bisher unveröffentlichten Entwurf einer Göttinnen Installation aus den 70er-Jahren. Im Innern hingen riesige mit Fragen bestickte Banner.

© Kristen Pelou

Footage Material von Dior

Mein ganzes Leben dreht sich um Veränderung. Soll nur keiner glauben, man wedelt einmal mit dem Zauberstab und alles ist anders.

Judy Chicago, Künstlerin 

Farewell, Peter Beard

Es gibt ein Selbstporträt von 1995, ein Foto, da liegt der Fotograf und Künstler Peter Beard halb nackt im Rachen eines Krokodils und – schreibt in sein Tagebuch. Unterzeile: „I’ll write whenever I can.“

Stimmt schon, das Werk des Amerikaners hatte stets etwas unheimlich Lockendes; als literarische Figur wäre er am ehesten Käpt’n Ahab gewesen, der sein Schicksal in der Jagd auf Moby Dick beschließt. Afrika wurde für Beard zum Objekt seiner verzehrenden Leidenschaft. Nun ist die Fotografenlegende in einem Naturschutzgebiet bei Montauk verstorben. In der Natur, für die er sich immer so einsetzte. Wir hatten im Jahr 2008 die Ehre seine Collagen für den Pirelli Kalender vorab in ICON zu zeigen.

Cape: Valentino. Anzug: Fendi. Pullover: COS. Sandalen: Hermès
Outdoor-Stehleuchte „Half Dome“ von Naoto Fukasawa für Kettal
Outdoor-Sessel „Peter“ von Antonio Citterio für Flexform
Kleid und Brosche: Louis Vuitton. Beistelltisch „D.552.2“ von Gio Ponti für Molteni
Lera in einer Seidenbluse von Victoria Beckham. Minirock: Fendi. Honza trägt einen Total Look von Jil Sander
Seidenkleid von Christian Dior. Honza im Total Look von Dior Homme
Sofa „Tape Cord Outdoor“ von Nendo Design für Minotti
Ledermantel: Tod´s. Männerhemd: COS. Cargo-Hose: Hermès
Mantel, Hose, Sneaker: Valentino. Sessel „Grapy“ von Gandia Blasco SA.
Anzug und Lederhemd: Paul Smith. Sandalen: Hermès
Lera in einer Seidenbluse von Victoria Beckham. Minirock: Fendi. Honza trägt einen Total Look von Jil Sander
Stuhl „Elio“ von Nabu Pushelberg für Tribu
Beistelltische „Sposa“ von Cuno Frommherz für Jori
Total Look von Valentino. Schuhe: Casadei
Anzug: Zegna. Hemd: „La Chemise Simon“ von Jacquemus
Total Look von Valentino
Baumwollkleid und Organza-Oberteil von Jil Sander

Beton trifft Glas trifft Wasser

Mit der Langen Foundation in Neuss schuf Tadao Andō ein begehbares Kunstwerk, bei dem draußen drinnen ist und drinnen draußen – der perfekte Ort für unser Möbel- und Modeshooting.

Foto: Markus Jans

Styling: Silja Lange

Models: Lera Koss c/o System Agency und Honza Stiborek c/o nestmodelmanagement;

Haare & Make-up: Chris Schild c/o Ballsaal mit Produkten von Marc Jacobs Beauty und Birte Krause c/o 21agency

Casting: Dominik Wimmer

Foto-Assistenz: Christian Breevaart

Styling-Assistenz: Ineska Baric

Total Look von Valentino. Schuhe: Casadei
Beistelltische „Sposa“ von Cuno Frommherz für Jori
Seidenkleid von Christian Dior. Honza im Total Look von Dior Homme

Leuchte „Qone“ von Leolux

Sessel „Rilly“ von Dedon

Outdoor-Leuchte „Invitro“ von Flos

Total Look von Valentino. Schuhe: Casadei

Tische „Sposa“ von Jori

Kleid Christian Dior. Anzug von Dior Homme

 

Das größte Kunstwerk, das ich mir je geleistet habe.

Marianne Langen (1911–2004)
über die Langen Foundation von Tadao Andō

Möbel- und Modeshooting in der Langen Foundation. Credits to follow.

 

Footage-Material: 89mm_minimum.movies

Fotos: Markus Jans

Styling: Silja Lange

Models: Lera Koss c/o System Agency und Honza Stiborek c/o nestmodelmanagement;

Haare & Make-up: Chris Schild c/o Ballsaal und Birte Krause c/o 21agency

 

Hohe Kunst

Als wir Florentine Joop baten, die Haute Couture Mode dieses Frühjahrs zu illustrieren, ahnte noch keiner, zu welch einer Zeit sie das tun würde. Und so steht das traditionsreiche Handwerk auch als Sinnbild für den Aufbruch in eine neue Zeit. Ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Werk.

Swipe nach rechts:

1, 2: Valentino

3, 4: Schiaparelli

5, 6: Valentino

7, 8: Schiaparelli

9, 10: Giambattista Valli

11,12: Gaultier

13, 14: Givenchy

15, 16: Dior

17, 18: Chanel

19, 20: Armani Privé

Wolfgang Joop über Florentine Joop

Ein seltsamer Alltag ist entstanden, abgekoppelt von Raum und Zeit verleben wir die Tage in Langsamkeit und mit Bedacht. Dabei ist die Kunst ein wesentlicher Begleiter und ohne diese würde man schlicht verrückt werden dieser Tage. Und doch bleibt die Sehnsucht als wesentlicher Antrieb.

Florentine Joop

Bei Alexander McQueen versteht man viel von traditionellem Handwerk. Bei der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2020 hat Creative Director Sarah Burton auf die Tradition des „Beeteln“ zurückgegriffen.

Gemeint ist eine Leinen-Technik, die einen feinen Glanz erzeugt und bei der das Gewebe erst mit Kartoffelstärke bestrichen und anschließend mehr als 120 Stunden mit Holzblöcken gehämmert und flachgedrückt wird. Ein Job, den man gern an William Clark, die älteste Leinenweberei in Irland, übertragen hat.

Glänzende Idee!

All images and videos courtesy of Alexander McQueen.

Hippies de Luxe

Loewe und die Kult-Boutique Paula’s auf Ibiza haben ihre dritte Kollektion herausgebracht. Fotografiert wurde die Kampagne in Neu Delhi von der jungen Fotografin Gray Sorrenti.

On the road

Brutal gekonnt: Auf den Spuren des Brutalismus nach London reisen? Das Hotel „The Standard“ ist der beste Beweis. Barbara Krämer verliebte sich in Stil und Farben und Massimo Rodari fotografierte – natürlich auch den Brutalismus-Klassiker in London, das Barbican Center.

Im Hier und Jetzt: Die Blockbuster-Ausstellung „Christian Dior: Designer of Dreams“ kommt nach dem Pariser Musée des Arts Décoratifs nun ins eigene Wohnzimmer – nach dem Klick auf das Bild. Foto Emma Summerton.