EIGENHEIM MIT KUNSTZULAGE

Der Däne Finn Juhl hat im Alter von nur 30 Jahren geschafft, woran viele Endzwanziger heute verzweifeln: Er entwarf sein eigenes Haus und richtete es komplett ein. Zugegeben, er hatte den Vorteil, von Beruf Möbelarchitekt zu sein. Bis heute gilt das Ensemble aus Möbeln und Kunst als Blaupause des funktionalen Einfamilienhauses. Als Teil des Museum Ordrupgaard darf es besichtigt werden. Kratvænget 15, Ordrup

ZIMT-SCHNECKCHEN

Schnell noch ein bisschen Farbe – Sonne und Wärme werden doch jetzt zur Mangelware. Aber bitte nicht länger als bis goldbraun. 1990 genoss das dänische Supermodel Helena Christensen die letzten Sonnenstrahlen vor der Kamera von Arthur Elgort – seinerseits ein Ausnahmetalent und bekannt für seine Schnappschuss-Ästhetik. Diese und weitere Arbeiten gibt es ausschließlich bei Camera Work in Berlin zu sehen.

Im Haus des Handwerks

Zum fünften Mal wird die LVMH-Gruppe  zu den Journées Particulières einladen: Die Luxus-Häuser des Konzerns machen ihr Handwerk und ihre Expertise über Events, Ausstellungen, Workshops für das Publikum erlebbar. 2022 werden 96 Orte – Museen, Weingüter, Privatresidenzen, Geschäfte und Ateliers – in 15 Ländern beteiligt sein. Der neue Hauptsitz von Loro Piana im Palazzo Cortile della Seta in Mailand wird eine der 19 Locations in Italien sein. Hier dürfen Gäste das Label bei einer Reise durch die Geschichte von Loro Piana begleiten, Fotos, Videos, Archivdokumente oder historische Kleidungsstücke entdecken, Handwerkskünstler und ihre Techniken kennenlernen. Eine eigens geschaffene Installation in Form einer Sanduhr steht dabei symbolisch für die Zeitreise.

EIGENGEWÄCHS

„Wenn ich ein neues Leben bekäme, wäre ich gern Gärtner“, sagte der verstorbene Architekt und Designer Arne Jacobsen einst – hier in seinem Garten. Die dänische Design-Szene atmet an dieser Stelle auf. So sehr der Kopenhagener seinen Lieblingsort schätzte, so sehr kniete er sich in seine Entwürfe, die das dänische Design im 20. Jahrhundert nachhaltig prägten. Die Früchte seiner Arbeit lassen sich bis heute etwa in Form der Dänischen Nationalbank oder seiner Entwürfe für Fritz Hansen bestaunen.

Welt-Wunder

Wer in Städten lebt, vergisst zuweilen, was die irdische Farbpalette alles hergibt. Am Laguna Colorada in Bolivien wird dies sehr offensichtlich. Algen geben dem See seine rote Farbe und locken neben Flamingos auch Fotografen wie Michael Martin an. Innerhalb von fünf Jahren bereiste der Deutsche alle Klimazonen. Was er vorfand und wir weiterhin vorzufinden hoffen, zeigt der Bildband „Terra“ aus dem Knesebeck Verlag.

Stay tuned! 

Jared Leto ist rein optisch betrachtet wohl nicht die erste Person, an die man denkt, wenn man einen Schauspieler zur Verkörperung von Modedesigner Karl Lagerfeld sucht. Und doch: Mit Blick auf vergangene Charakterrollen wie Paolo Gucci und den WeWork-Gründer Adam Neumann, scheint er der Richtige zu sein. Alles Weitere richten die Maskenbildner. Das Haus Karl Lagerfeld verkündet jedenfalls, mit Jared Leto und seiner Produktionsfirma Paradox die passenden Partner für die Umsetzung eines Films über den Designer gefunden zu haben. Im Mittelpunkt? Lagerfelds Leben und seine wichtigsten persönlichen Beziehungen. Details sind leider noch streng geheim. Dabei ist das Ziel hochgesteckt: Gemeinsam will man die künstlerischen Grenzen von Filmbiografien erweitern.

Gucci
Balenciaga
Moschino
Louis Vuitton
Moschino
Coperni

BAGS BIZARRE

Ein aufregender Fashion-Monat geht vorüber und eine Erkenntnis bleibt: Ausgefallene Taschen stehlen die Show. Sei es als flauschiger Gizmo bei Gucci, die Beachparty to-go bei Moschino in Form einer aufblasbaren Mini-Luftmatratze oder als Bucket Bag: Taschen werden kommende Saison zum verrückten Blickfänger. In die Super-Size Bags von Louis Vuitton passt neben dem Wichtigsten auch rein, was sonst nicht fehlen darf. Die Cinderella des 21. Jahrhunderts trägt bei Coperni Glas als Mini-Hobo Bag in der Hand statt an den Füßen. Alle Hände frei, bleiben bei Balenciaga, dank im überlangen Handschuh integrierter Schultertasche.

Burbe
Stella McCartney
Stella McCartney
Dolce & Gabbana
Valentino
Valentino  
Stella McCartney
Chanel
Jil Sander
Jil Sander
Miu Miu
Gucci
Chanel

Funkeln, Funkeln, Funkeln!

Pailletten, Strass und Glitzersteine sind uns beim diesjährigen Fashion Week Marathon besonders im Gedächtnis geblieben. Ob im Total-Look bei Valentino, mit minimalistischen Essentials bei Jil Sander oder im Y2K-Stil bei Stella McCartney: Die Mode-Zukunft glitzert – und zwar von Kopf bis Fuß. So schmücken Dolce & Gabbana ihre Models mit breiten Glitzer-Chokern, bei Chanel gibt es Strass-besetzte Riemchensandalen und Netzstrümpfe. 

SUPERSIZE ME

„Mehr ist mehr“ war schon immer ein bewährtes Motto bei Louis Vuitton. Bei der SS23 Kollektion von Kreativdirektor Nicolas Ghesquière müsste es allerdings „Größer ist besser“ lauten. Bereits das üppige Bühnenbild, das gleichermaßen an eine aufgehende Blüte wie an eine Zirkus-Manege erinnert, lädt in eine andere, scheinbar größere Welt ein. Es folgen Looks mit überdimensionierten Reißverschlüssen, groß-aufgedruckten Gürtelschnallen und auffälligem Statement-Schmuck. An Kleider und Jacken sind neben XXL Schnallen und Schlaufen teilweise auch skulpturale Applikationen angebracht. Accessoires wie extrabreite Taillengürtel und Plateau-Stiefel runden die Looks ab.

Ziemlich große Sache!

VERY CHANEL!

Während Karl Lagerfeld mit Claudia Schiffer, Inès de la Fressange oder Cara Delevingne mehrere Musen hatte, sieht Chanels heutige Kreativdirektorin Virginie Viard allein in Schauspielerin Kristen Stewart die perfekte Kombination aus der Erinnerung an Gabriele (Coco) Chanel und dem Voranschreiten in eine moderne Zukunft. Ein Film des Duos Inez & Vinoodh, der die Schauspielerin in sechs verschiedenen Looks in Szene setzt, eröffnet die SS23 Show und leitet eine Kollektion ein, die von Leichtigkeit und Feierlichkeit geprägt ist, gleichermaßen aber an den klassischen Look des Hauses anknüpft.

Federapplikationen, Strass, Pailletten und üppiger Goldschmuck werden durch ruhige, fließende Stoffe, klassische Zweiteiler und Kleider ausgeglichen. Tweed-Sets in verschiedenen Längen werden von kniehohen Netzstrümpfen und Schleifenpumps aufgelockert. Alle Entwürfe gemein haben die gewohnte Chanel-Eleganz. Mit den Worten von Chefredakteurin Inga Griese: „It was very Chanel! You can always know probably: If you go to Chanel, you get Chanel!“

Live from Paris: Inga Griese at the CHANEL fashion show

Kurz und Kunst

Die Förderung weiblicher Kunst gehört zu Miuccia Prada wie Minis neuerdings zu MiuMiu. Auch bei der SS23 Show findet man erneut beides. Die Künstlerin Shuang Li kreierte eine Bühnen- und Videoinstallation, vor deren Hintergrund transparente Lagen-Looks neben Stücken aus grob gegerbten Leder gezeigt werden. Luftige Nylonparka sind als Kleider gestylt. Die typischen Miniröcke werden durch kurze Shorts und Micro-Bandeau-Tops ergänzt. Auffällig sind die großen Cargo-Taschen, die entweder an Hosen und Mäntel genäht oder als Bauchtasche getragen werden. Während es bei der Kunst um Frauen geht, bleibt die Mode größtenteils geschlechtsneutral. Kim Hofmann

“This is not an easy moment to create fashion. For this Miu Miu collection, I wanted to explore the purpose of fashion, its reason. Its usefulness in society and in culture today. Fashion can have a meaning and a reason beyond utility – to decorate, to attract, is a meaning. But it is important that fashion functions – I am not anti-luxury but I am anti-ostentation.”

Miuccia Prada

Kanye West @ Balenciaga
Erykah Badu @ Valentino
Balenciaga
Valentino
Valentino
Browne
Coperni
Loewe
Loewe

Best of Paris Fashion Week(end)

In Sachen Mode steht Paris nie still. Richtig Fahrt wird allerdings während der Fashion Week aufgenommen. Die Highlights: Kanye West eröffnet die Balenciaga Show in einem Set-up aus Matsch und Schlamm, Models in weiten Print-Hoodies, zerrissenen Jeans und glamourösen Abendkleidern folgen. Kreativdirektor Demna setzte damit erneut ein Zeichen für Frieden. Die Show symbolisiert das Schürfen nach Wahrheit, die Looks das Überleben.

Bei Valentino wird das knallige Fuchsia der letzten Kollektion durch eine Vielzahl von Braun-, Beige- und Elfenbeintönen abgelöst. Sie sollen an die vielen Töne der Hautfarbe erinnern. Im prominenten Publikum hat man sich noch nicht von Pink verabschiedet: Musikerin Erykah Badu kuratierte etwa die Musik der Show und erscheint im All-Pink-Look.

Thom Browne und Loewes Kreativdirektor Jonathan Anderson wurden zu Geschichtenerzählern: Während Browne eine moderne Interpretation von Cinderella zeigte und Bella Hadid im Punk-Look auf den Laufsteg schickte, ging es bei Loewe um die Entfremdung der Natur. Die Flamingoblume wurde bewusst künstlich sowohl als riesige Skulptur in der Mitte des Laufstegs, als auch auf Kleidung drapiert. Gestreifte Kleider knüpften an die Idee der optischen Täuschung an und scheinbar verpixelte Teile, machen die Models zu realen Avataren aus der virtuellen Welt.

Viral ging der Auftritt von Bella Hadid bei Coperni: Das Kleid wurde live auf der Bühne auf ihren fast nackten Körper aufgesprüht. Die Flüssigkeit verwandelte sich auf ihrer Haut in einen Stoff, aus dem mit wenigen Handgriffen ein schulterfreies Kleid mit Beinschlitz wurde. C’est magique! Kim Hofmann

Der Couture so nah

Besonders bei der Fashion Week zeigt sich, dass es um mehr als um Mode geht, wenn nicht gar um Grundsätzliches. „Ich glaube, dass jeder, der Ready-to-Wear kreiert, sich fragen muss, warum er überhaupt Kleidung macht“, sagt etwa Schiaparellis Kreativdirektor Daniel Roseberry. „Für mich ist es die Gelegenheit, Stücke anzubieten, die sowohl alltäglich als auch außergewöhnlich sind. Frauen, die die Kollektion tragen, haben schließlich nicht weniger Anspruch auf Fantasie als die Käuferin von Couture!“ Die Worte des Designers eindeutig: Mode muss beflügeln. Und zwar immer! Mit Abendkleidern, Zweiteilern und Bademode ist in der SS23 Kollektion an jede Alltags-Situation gedacht. Hochwertige Stoffe liefern das Couture-Gefühl und üppige Goldaccessoires, Handabdrücke, undurchsichtige Sonnenbrillen und Handtaschen mit Gesichtern die Portion Extravaganz!

Höhepunkt im dritten Akt 

Nicht alle Geschichten müssen in fünf Akten erzählt werden: Für die Entwicklung hin zu bunten Farben und auffälligen Blumenprints reichte bei der Dries Van Noten SS23 Kollektion bereits das letzte Drittel der Show. Taillierte Kleider und oversized Jacken in Tiefschwarz machen den Auftakt und zurückhaltende Pastelltöne führen an Farbe heran, bevor die wilden Flowerprints übernehmen. Rüschen und Raffungen bilden das verbindende Element der gesamten Entwicklung von der Dunkelheit zum Licht. 

Che(e)r it up!

Nein, es gab leider keine spontane Showeinlage von Cher auf der Balmain SS23 Show. Doch die Sängerin gehört zu den engsten Freunden von Designer Olivier Rousteing und war zur freundschaftlichen Unterstützung vor Ort. Gemeinsam mit dem Designer kam die 76-Jährige im hautengen Balmain-Bodysuit auf die Bühne und wurde zum Highlight der Show. Die von der Renaissance inspirierten Looks sind allerdings auch einen Blick wert!

Flashbacks 

Das Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart beherrscht Saint Laurents Kreativdirektor Anthony Vaccarello gut. Für seine SS23 Kollektion erinnert er direkt an zwei Jahrzehnte und lässt sich einerseits von der röhrenförmigen Silhouette inspirieren, in die sich die Tänzerin Martha Graham in ihrem Stück „Lamentation“ im Jahr 1930 hüllte. Ergänzt wird diese Silhouette durch die, von Namensgeber Yves Saint Laurent in den 80er-Jahren erstmals vorgestellten, Capuche-Kleidern, bei denen eine Verlängerung des Kleids wie eine Kapuze auf dem Kopf drapiert war.

Vaccaerllo holt beide Ideen in die Gegenwart und zeigt vor dem Hintergrund des glitzernden Eiffelturms extralange Bodycon-Kleider, die beinahe gemeinsam mit den High Heels am Boden abschließen. Dabei wechseln sich leichte und transparente mit schweren, blickdichten Stoffen ab, bedecken den Körper im selben Maß, wie sie ihn und seine Bewegungen preisgeben. Gedeckte Farben geben Raum, sich auf die, für Vaccarello untypischen, Silhouetten einzulassen und auffallend breitschultrige Mäntel einen harmonischen Kontrast zu den engen Kleidern. Die Looks bringen nicht nur Jahrzehnte zusammen, sie changieren auch zwischen androgyner Weiblichkeit und femininer Männlichkeit – und sind damit aktueller denn je. Kim Hofmann

Inga Griese Instagram: Paris calling: She truly is the best! @mariagraziachiuri created another outstanding collection and setting for her @dior #SS2023. Inspired by an old street map print on a scarf from 1950 she had found in the Dior Archive, she created her own contemporary idea of what makes a city liveable: that for sure are the gardens.

One of the most favourite one’s in Paris are the Tuileries, once dedicated to Catherine de Medici in the 1560ies. Another strong Italian woman and emblematic for MGC favourite topic of women & power. Madame de Medici also invented heels, the crinoline, the Burano lace… so we found ourselves today in the Jardin du Tuileries, we’re Dior had built up a huge tent.

Inside was an incredible art installation by Eva Jospin, a kind of flowering cave made from recycling paper! Months of work. The collection was a homage to fashion as an art of invention, made for a contemporary court 😉, or a walk through the parks of life, playing with codes like the crinoline, the corset. Loved the beautiful raffia coats with birds and floral motifs and the city map cloth. And there were some grunge elements again, one of the topics we see these Fashion Week days often. Brava, Maria-Grazia! 

 

DIOR 

New Burberry

Am vergangenen Montag holte Burberry seine SS 2023-Modenschau in London nach, die das Label aufgrund der Beerdigung der Queen verschoben hatte. Nun steht fest: Es war Riccardo Tiscis Abschiedsschau. Der Kreativdirektor verlässt das Haus, auf ihn folgt nun der Brite Daniel Lee. Lee hat Bottega Veneta zu einem der wegweisenden Luxuslabels gemacht, bis er 2021 seinen Posten als Chefdesigner räumen musste. Ihm wird ein schwieriger Charakter nachgesagt – aber sein Gespür für Design und Accessoires, die Begehrlichkeiten wecken, hat er mehr als bewiesen. Gut möglich, dass Burberry davon profitieren wird. Zudem entwirft nun wieder ein Brite für ein urbritisches Label. Das passt auf den ersten Blick schon mal hervorragend zusammen.