Dior Men’s Fall 21 show by Mister Kim Jones. Hypercoloured, hyperreal and in collaboration with artist Kenny Scharf.

Es begibt sich

Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.“ Solange ich denken kann, ist Weihnachten mit der Geschichte aus dem Lukas-Evangelium verbunden, in der Kirche, und noch mal vor der Bescherung vorgetragen. Sie ist quasi der Tannenbaum meines Glaubens. Mit echten Kerzen. Wenn ich sie höre, dann zieht Frieden ein. Auch weil es die Zeit dafür ist. So wird es auch in diesem Jahr sein, und auch wenn wir uns Heiligabend nicht alle Mann in die kleine Friesenkapelle quetschen dürfen. Vieles ist anders. Auch die Weihnachtsgeschichte auf unserem Cover. Wir baten Florentine Joop, dafür ihre Fantasie zu füttern mit den Themen, die uns auch nach der Pandemie beschäftigen werden. Wie wollen wir leben, mit wem? Was machen wir mit unserer Umwelt, unserer Mitwelt, was mit der Magie, der Kreativität, der Toleranz und den Augenblicken? Entstanden ist ein starkes, skurriles Bethlehem-Wimmelbild. Ich mag es sehr, schon weil der Grundton so liebevoll ist. Meine Lieblingsstelle der Weihnachtsgeschichte ist: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Es gibt vieles in meinem Herzen, wofür ich außerordentlich dankbar bin. Bei allem, was auch mal ist. Daran will ich auch zum Ende dieses merkwürdigen Jahres festhalten. Weiterhin vertrauensvoll sein. Und Ihnen, unseren Freunden, danken. Möge mindestens ein Engel mit Ihnen sein! Ihre Inga Griese

ICON Dezember 2020. Video Barbara Krämer

Die alljährliche Métiers-d’Art-Kollektion von Chanel, die wohl emotionalste aller Defilees des Hauses. Seit 2002 ehrt die Marke mit diesem Event für die „Prefall“-Saison die Ateliers, die das Herz des Unternehmens ausmachen. Darunter sind Plisseure, Federkünstler, Schuhmacher, Schneidermeister, Blütenbinder, Goldschmiede, Hutmacher und Perlensticker. Spezialisierte Ateliers, die ihr Wissen über Generationen gepflegt und vererbt haben und ohne die die Haute Couture wohl niedergehen würde, zählen mittlerweile zur Paraffection-Gruppe, eine Tochtergesellschaft von Chanel. Paraffection bedeutet übrigens „Zuneigung“. Diesmal leider ohne Zuschauer, dafür fotografiert und gefilmt von Juergen Teller.

Juergen Teller für Chanel

Licht an!

Lampen mit warmem Licht im Fenster. Zwei gleiche ruhig, die Hamburger Art. Kränze an der Tür. Ein kleines Strahlen im Dunkel hoher Hecken. Tanne und funkelnde Ketten an den Balkonen. Nicht zu viel, aber auch bitte nicht zu wenig. Grüße vom wohligen Drinnen ans kalte Draußen, die Spaziergänge in Hamburg so erfreulich machen. Gefühle statt hochkochender Emotionen. Jetzt beginnt die Adventszeit. Sie kommt nicht wie gewohnt daher. Was also machen wir? Zu viel oder zu wenig? Oder machen wir es uns und anderen einfach anders schön? Für diese Stilisten Ausgabe sind wir auf Anregung von Designerin Sibilla Pavenstedt nach Worpswede gefahren, sie hatte dort ihren „Europaschal“ präsentiert, wir folgten den Spuren von Paula Modersohn-Becker, deren Leben nicht einfach, viel zu kurz und doch so besonders war. Wir fanden Ruhe und Inspiration. Eine große Freude am kleinen Augenblick, das wünschen wir auch Ihnen von Herzen. Möge es Ihnen viel gut ergehen! Inga Griese

Die Stilisten. Unser norddeutsches Stilmagazin. Hier können Sie das aktuelle Heft als PDF herunterladen. 

Aus alt mach Fendi 

Nicht alles gewinnt an Wert, nur weil man ein Logo drauf klatscht. Aber wenn die Künstlerin und Designerin Sarah Coleman eine Flasche Putzmittel mit den Logo-bedruckten Stoffen eines Luxushauses bezieht, wird daraus sofort ein Sammlerstück. Coleman, die in New York lebt und ihre Designkarriere als Assistentin im Team des Innenarchitekten Peter Marino begann, kam durch bloße Lust am Experimentieren darauf, banale Möbel und Alltagsgegenstände – Klappstühle, Milchkartons, Streichholzschachteln – mit Designermaterialien zu beziehen. Dafür dekonstruiert sie Vintage-Taschen oder Reisegepäck, von Marken wie Louis Vuitton oder Fendi. Letzteres Label war von ihrem Stil so begeistert, dass es die Amerikanerin für ein Projekt anlässlich der Designmesse DesignMiami/ als Kooperationspartnerin anfragte.

Für die Miami-Boutique des Labels hat Coleman einzigartige Stühle kreiert, die die Designsprache von Fendi auf Sarah-Coleman-typische Art verkörpern – dank Collagen aus Fendi-Archivfotos oder Polsterungen mit FF-Logo. Die Stühle werden, ebenso wie eine Nachbildung aus Canvas, Gips und Acryl der ikonischen Peekaboo -Tasche der Künstlerin, im Fendi-Store in Miami ausgestellt sein. Kaufen kann man sie nicht – die drei limitierten Peekaboo-Taschen, die Silvia Venturini Fendi anlässlich der Messe entworfen hat, allerdings schon.

Party for two

His Royal Highness: „Es ist überaus erfreulich zu sehen, dass die Partnerschaft zwischen meiner Stiftung und dem Fashion Council Germany weiter wächst – zwei Organisationen, die gemeinsam an die grundlegende Bedeutung einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Modebranche glauben.“

Das Uhrenmagazin. Out today. Illustration Luna Simic.

Das Uhrenmagazin. Heute.

Nie war es so aussichtslos wie jetzt, das Offensichtliche zu leugnen: Seit Corona über die Welt kam, befindet sich die Uhrenindustrie in einer schweren Krise. Der Produktionsstopp war dabei noch das geringste Problem. Eine Pandemie ist eine schlechte Zeit für Statussymbole, und sie raubt Uhren die Funktion, sich mit ihnen in der Öffentlichkeit stilistisch auszudrücken: Wer zu Hause im Homeoffice bleibt, hat also weniger Gründe, sich ein feines Modell zuzulegen. Es wäre also nur zu verständlich, wenn die Verantwortlichen sich in düsteren Szenarien verlören. Aber davon ist nichts zu merken.

Ich muss derzeit häufiger an den Late-Talker David Letterman denken. Der sollte 2001 schon wenige Tage nach dem 11. September wieder eine Show machen. Er wollte nicht, aber ihm war klar: Wenn die Terroristen uns so weit haben, dass wir nicht mehr senden, haben sie gewonnen. Im Studio hatte er Tränen in den Augen. Bis er sich mit den Worten fing: „Alle sagen mir: ,Dave, du musst mutig sein!‘ Ich bin nicht mutig. Aber ich tue, als ob ich es wäre. Und manchmal ist so zu tun, als ob man Mut habe, genauso gut wie echter Mut.“ Für mich war das eine großartige Bemerkung. Sie spendet selbst dann Zuversicht, wenn man sich schwach fühlt. Bezogen auf die Uhrenbranche bedeutet sie: Der Optimismus, den viele Verantwortliche ausstrahlen, hat das Zeug zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Hinzu kommt eine persönliche Erfahrung, die ich mit vielen Menschen teile: Gerade Dinge, die nicht nur einen schnöden Zweck haben, sind derzeit wichtiger denn je. Philip Cassier

Mood: We want to entertain you.

 ICON Sonntag

Treiben lassen, sich einlassen, gucken, was kommt. Das scheint mir eine hilfreiche Haltung dieser Tage. Bei aller gebotenen Vorsicht, versteht sich. Aber mit Zuversicht. Deswegen haben wir ganz bewusst eine Ausgabe voller Lebensfreude gestaltet. Party wie immer geht nicht, aber Party für zwei ist doch schon mal ein Anfang vom Ende der bleiernen Zeit. Ich halte mich gern an die Einstellung von Karl, einer Figur aus dem wunderbaren Roman „Altes Land“ von Dörte Hansen. Der will nicht getröstet werden. Der sagt: „Nach dem Winter kommt Frühling.“ Jo. In drei Wochen werden die Tage wieder länger. Doch nun kommen Sie erst mal rein, wir freuen uns auf Sie! Inga Griese