Thema Design

Aus alt mach Fendi 

Nicht alles gewinnt an Wert, nur weil man ein Logo drauf klatscht. Aber wenn die Künstlerin und Designerin Sarah Coleman eine Flasche Putzmittel mit den Logo-bedruckten Stoffen eines Luxushauses bezieht, wird daraus sofort ein Sammlerstück. Coleman, die in New York lebt und ihre Designkarriere als Assistentin im Team des Innenarchitekten Peter Marino begann, kam durch bloße Lust am Experimentieren darauf, banale Möbel und Alltagsgegenstände – Klappstühle, Milchkartons, Streichholzschachteln – mit Designermaterialien zu beziehen. Dafür dekonstruiert sie Vintage-Taschen oder Reisegepäck, von Marken wie Louis Vuitton oder Fendi. Letzteres Label war von ihrem Stil so begeistert, dass es die Amerikanerin für ein Projekt anlässlich der Designmesse DesignMiami/ als Kooperationspartnerin anfragte.

Für die Miami-Boutique des Labels hat Coleman einzigartige Stühle kreiert, die die Designsprache von Fendi auf Sarah-Coleman-typische Art verkörpern – dank Collagen aus Fendi-Archivfotos oder Polsterungen mit FF-Logo. Die Stühle werden, ebenso wie eine Nachbildung aus Canvas, Gips und Acryl der ikonischen Peekaboo -Tasche der Künstlerin, im Fendi-Store in Miami ausgestellt sein. Kaufen kann man sie nicht – die drei limitierten Peekaboo-Taschen, die Silvia Venturini Fendi anlässlich der Messe entworfen hat, allerdings schon.

Fotograf: Sven Bänziger c/o Kathrin Hohberg; Styling: Silja Lange; Model: Paula Bertolini; Haare & Make-up: Ellen Romeijn c/o Kathrin Hohberg; Fotoassistenz: Flavio Leone; Lichtassistenz: Jorin Koers; Stylingassistenz: Jakob Schaefer; Casting: Martin Freimoser

„Die Eycks wünschten sich eigentlich eine Art Miniaturmuseum und einen Arbeitsraum für den Gärtner. Aber weil der Vorgängerbau ein Hühnerstall war und der Denkmalschutz nur einen solchen wieder genehmigen wollte, wurde in den Entwurf kurzerhand ein Platz fürs Federvieh integriert, mit Vollverglasung, eigens designierter Hühnerstange und Brutbox aus Edelstahl. Die Viecher freilich beeindruckt das wenig. Sie verbringen ihre Tage gackernd, scharrend und pickend zwischen dem ultraschicken Stall und ihrem Gehege auf der Rückseite des Hauses.“

Gabriele Thiels über das Kasteel Wijlre. Interview folgt.

Der Stein wird mit einem speziellen Diamantschneidewerkzeug zugeschnitten und die Oberfläche mit einem Sandstrahler abgeschliffen.
Aus den Blöcken werden nun Latten herausgeschnitten.
Damit die Tischplattenpaneele später lasiert werden können, müssen zunächst die Poren des Steins geschlossen werden.
Sechs Stunden dauert es, bis der Ofen auf 900 Grad Celsius vorgeheizt ist, um die Paneelezwölf Stunden darin zu backen.
Farbiges Emaille wird von Hand vorbereitet, indem verschiedenfarbige Mineralien mit weißem Emaille gemischt werden. Das Grundemaille wird anschließend in einer Staubschutzkabine auf die Paneele aufgetragen und 24Stunden getrocknet.
Darüber werden mehrere Schichten eines neutralen oder farbigen Kristallins mit einem Schwamm eingearbeitet. Dies verstärkt den Craquelé- Effekt.
Beide Farbvarianten müssen danach einen behutsamen Trock- nungsprozess durchlaufen, bei dem sie immer wieder in Zyklen von 48 Stunden im Ofen bei 950 Grad Celsius getrocknet werden.
Im letzten Schritt müssen die Paneele auskühlen. Ein Handwerker prüft, ob sich Unregelmäßigkeiten in das Material eingeschlichen haben. Zum Schluss werden die Paneele auf dem Tisch montiert.
Der „Nox“-Tisch von Tribù

Der Bauplan: „Nox“-Tisch von Tribù

In den Ateliers und Manufakturen dieser Welt werden weiterhin Handwerkskünste gepflegt, und wir schauen dabei zu. Heute: Der Outdoor-Tisch „Nox“. Was der Vesuv ausspuckt, bleibt ewig. Beste Voraussetzungen für die Möbelmacher von Tribù, um aus dem 400 Jahre alten Lavagestein des Vulkans  „Nox“ zu fertigen. Mit einem schlanken Untergestell aus pulverbeschichtetem Edelstahl wirkt er leicht und elegant: ein Entwurf, der typisch ist für das belgische Familienunternehmen, das 1967 von Henri De Cock als Gartenmöbelfirma gegründet und ab 1987 von seinem Sohn Lode zur Designmarke Tribù geformt wurde. Heute führen Lodes Söhne Tom und Koen die Geschäfte – und Tribù steht für Outdoormöbel in schlicht-eleganten Formen aus natürlichen Materialien, die man sich wie „Nox“ auch im Esszimmer vorstellen könnte. Seine Herstellung in acht Schritten.

Der Bauplan. In jedem ICON Magazin ein anderes Produkt.

ZIMMER FREI

Sich im großen Ganzen zu verlaufen ist naheliegend. Dass auch im Kleinen nicht immer klar ist, wo man steht, zeigt auf einnehmende Weise dieses Bild. Fotograf Andreas Gursky nahm das Foto „Taipeh“ 1999 im Atrium eines Hotels auf. Zum Heranzoomen lädt noch bis 1. November die Online- Retrospektive „Space is Time“ ein. spruethmagers.com

Kunst kann auch nicht das, was Design kann: nämlich unseren Alltag verbessern. Kunst verstört oder zwingt uns zur Bewunderung, zur Distanz auch. Aber Design ist Kommunikation, macht das Leben angenehmer, erhebt auch keinen Ewigkeitsanspruch.

Wolfgang Joop. ICON Oktober, die Designausgabe. Sonntag in WELT AM SONNTAG.

Farewell, Sir Terence Conran!

Bereits als junger Mann hat er begonnen, das zeitgenössische Design zu prägen – und nie wieder damit aufgehört. Funktionales Design für jeden: Das war die Maxime des britischen Designers Terence Conran. Mit seiner Kette „Habitat“ machte er ästhetische Designereinrichtung ab den 60er Jahren für die Mittelschicht erschwinglich und den Verkauf von Möbeln in flachen Kartons soll er schon lange vor Ikea praktiziert haben. Der Designer war in seinen Arbeiten vom nüchtern-funktionalen Bauhaus-Stil inspiriert, den er mit skandinavischen Einflüssen mischte. Seine Möbel sollten „in Würde altern, nahtlos in das Leben ihrer Besitzer gelangen und ihnen jahrelang Freude bereiten“, wie Conran selbst einmal erklärte. Als Höhepunkt seiner Karriere gilt die Gründung des bedeutenden Design Museums in der britischen Hauptstadt. Der heutige Chef-Kurator Peter Mandelson würdigte Conran und sagte, dieser lasse eine „Schatzkiste an Haushalts- und industriellem Design“ zurück, die für immer bleiben werde. In einem Statement der Familie heißt es, Conran habe immer betont, dass sich seine Arbeit nicht wie Arbeit anfühle und er all sein Schaffen auch zum Vergnügen getan habe. Ein besonderer Mann, ein außergewöhnliches Lebenswerk. Heute ist er friedlich eingeschlafen.

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ICON April 2020. Kleid von Giambattista Valli. Outdoor-Leuchte „Invitro“ von Philippe Starck für Flos

Erkenntnis des Tages: Man mussten nicht immer aus dem Bett aufstehen, um einen Arbeitstag zu beginnen. David Hockney hat den Wechsel der Jahreszeiten und flüchtige Momente aus dem Fenster seines früheren Zuhauses in Yorkshire eingefangen, zuerst mit einem iPhone, dann mit einem iPad. Sein Fenster zur Welt. Hightech-Kunst, jetzt in einem Buch vom TASCHEN Verlag zusammengefasst: „Mein Fenster„. Sogar signiert. © David Hockney, 2019. „No. 104“, 2010, iPad.

Christo and Jeanne-Claude:Wrapped Reichstag, Berlin, 1971-95. Photo: Wolfgang Volz
Christo and Jeanne-Claude: Valley Curtain, Rifle, Colorado, 1970-72. Photo: Wolfgang Volz
Christo and Jeanne-Claude: The Floating Piers, Lake Iseo, Italy, 2014-16.Photo: Wolfgang Volz
Christo and Jeanne-Claude at The Gates, February 2005. Photo: Wolfgang Volz
Christo and Jeanne-Claude: Surrounded Islands, Biscayne Bay, Greater Miami, Florida, 1980-83.Photo: Wolfgang Volz

 „Beauty, science and art will always triumph.“

Künstler Christo (1935-2020)

Marni macht auch Mode fürs Zuhause. Kissen, Tische und Tabletts, allesamt aus Metall, Perlen und handgewebten PVC-Kordeln in Marni-bunten Farbkombinationen gefertigt – und zwar zu fairen Bedingungen von kolumbianischen Kunsthandwerkern. Starke Texturen, Konturen und viel kontrastreiches Colorblocking, wie wir es auch von Marnis Mode kennen: der Marni Home Market.

Louis Vuitton bat den Künstler Steven Burke (alias Luckylefthand) die Fassade seines Hauptsitzes an der Pont-Neuf Brücke in Paris zu schmücken. Bei voller kreativer Freiheit gestaltete der Neffe von CEO Michael Burke auf über 280 Quadratmetern, ein Fresko aus 14 bunten, plakativen Motiven

Entspannung wird quasi mitgeliefert bei dem „Ortigia-Sessel“ von Flexform. Möbelhandwerk auf höchstem Niveau, eh klar.
Hollywoodreif: Der Schaukelsessel „Leyasol“ funktioniert sowohl drinnen als auch draußen. Von Freifrau.
Mini-Trampolin, Daybed oder kreative Insel? Alles. Optional dazu der schützende Baldachin. Patricia Urquiola entwarf „Trampoline“ für Cassinas erste Outdoor-Kollektion.  
Durchatmen. Wegdösen. Drink schlürfen. Das spanische Traditionsunternehmen Gandia Blasco lancierte die neue, eher unkonventionelle Outdoor-Möbelfirma Diabla. Faltbare Tische, geschwungene Liegen und modulare Loungemöbel – so wie „Ploid„.
Saparella“ ist die Neuauflage von Michel Ducaroy als Outdoor-Modell eines revolutionären Vollschaumsitzmöbels, das Ligne Roset 1965 herausgebracht hatte.
Funktional bequeme Gartenmöbel, die nur ein Minimum an Platz einnehmen? Entwarf sich der dänische Designer Børge Mogensen in den 60er-Jahren gleich selbst. Die einfachen Freuden des Lebens. 60 Jahre später nimmt die Möbelmarke Carl Hansen & Son die „Deck Chair-Serie“ in seine Outdoor-Kollektion auf.
Familienfoto:  Die „Family Chairs“ von Junya Ishigami für den italienischen Hersteller Living Divani.
Da die Menschen im Süden in Sachen Sommer, Sonne, Sonnenschein einen ziemlichen Vorsprung hatten, haben sie für das sonnenverwöhnten Selbst sinn- und stilvolle Objekte entworfen. So wie der italienische Hersteller Pedrali hier mit den Stühlen „Soul“ und Tisch „Concrete“. Foto: Andrea Garuti.
Kussecht: Den skulpturalen Klassiker „Dalilips“ von 1972 gibt es seit 2004 auch für Draußen. Es war Super-Maler Salvador Dali, der das Sofa zusammen mit Oscar Tusquets entwarf. Über BD Barcelona.
Colosseo“ erinnert nicht nur aufgrund seines Namens an die historische Architektur der römischen Arena. 2020 feiert der Hocker/Beistelltisch/was das Herz begehrt von Naoto Fukasawa für B&B Italia sein Outdoor-Debüt.

Vom Sein im Freien

Eigentlich ist Entspannen so einfach, man braucht doch nur ein paar Sommertage. Und natürlich die „Ortigia-Sessel“ von Flexform, nein, lieber das Daybed von Cassina. Oder die Schaukel von Freifrau? Sie merken, es wird Zeit, unsere Terrassen und Balkone aufzumöbeln.