Thema Design

Vitsœ-Chef Mark Adams (rechts) mit Dieter Rams

Einzigartig und erreichbar 

Stardesigner Pierre Yovanovitch bringt eine eigene Möbelkollektion heraus. Eiche, Walnuss, mundgeblasenes Glas, feinstes Leinen, Bronze poliert oder patiniert: Pierre Yovanovitch liebt das Material und seine exquisite Bearbeitung. Der französische Designstar mit Büros in Paris und New York praktiziert seit 20 Jahren das, was jetzt alle propagieren: das Lob der Highend-Handwerkskunst. Die hat in Frankreich eine einzigartige Geschichte, Yovanovitch bereitet Ihr mit seinen Möbelentwürfen eine Bühne.

Ihre Formen sind sanft und reduziert, mit einer Prise amerikanischen und skandinavischen Midcentury-Stils und zugleich von einer Perfektion zum Niederknien. Soviel Klasse gab es bisher nur maßgefertigt und als Galerie-Edition –  eigentlich unbezahlbar. Jetzt hat Pierre Yovanovitch seine eigene Möbelmarke gegründet und eine Kollektion mit 45 Teilen herausgebracht, Sessel, Tische, Leuchten, seriell gefertigt und damit – auf hohem Niveau- erreichbar. Es sind lauter Stücke von zeitloser Eleganz und auf smarte Art provenzalisch. Wie Yovanovitch selbst. Er stammt aus Nizza.

Erfrischend!

Eine Selektion an Möbeln, die munter machen.

 

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Die Ausstellung „Yayoi Kusama: Eine Retrospektive“ gibt es noch bis zum 15. August 2021 im Gropiusbau in Berlin zu sehen.

Yayoi im Wunderland

Alice musste in der Geschichte einen Bissen von einem Keks nehmen, um in andere Sphären zu gelangen. Einfacher gelingt die Reise ins Wunderland mit einem Besuch bei der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama. Halluzinationen inspirierten die 91-Jährige in ihrer Jugend zu Werken, die bis heute von Kürbissen und Polka Dots geprägt sind. Die Retrospektive „A Bouquet of Love I Saw in the Universe“ im Gropius Bau Berlin zeigt ihr Schaffen.

Foto: Ota Fine Arts; Victoria Miro & David Zwirner; Sonja Mueller

„Natürlich leben wir in einer digitalen Realität. Wir kommunizieren und verlieben uns auf Social Media. Aber es wird immer eine Verbindung zum Objekt geben, dessen Entstehung mit Zeit, Ort und Menschen zu tun hat. Es hält gewissermaßen unsere Füße auf dem Boden.“

 Jonathan Anderson, Creative Director des spanischen Luxushauses Loewe

Illusion zum Anfassen

Es ist Zeit, sich zu sammeln, sich neu zusammenzusetzen. Ein Konzept, das man im Modehaus Maison Margiela zur Markenidentität erhoben hat: Aus der Dekonstruktion entspringt das Neue. Auch London wagt dieser Tage den Neustart. Genau der richtige Zeitpunkt also für die einst in Belgien gegründete Marke, im Stadtteil Mayfair eine Flagship-Boutique zu eröffnen.

 Gestaltet wurde sie von dem niederländischen Architektur-Studio Anne Holtrop. Dekonstruktion ist auch hier das Stichwort. Bekannte Formen werden verändert und entfremdet, um eine andere Ästhetik zu schaffen. Gipswände und -säulen in Weiß erscheinen in ihrer Textur wie Stoffvorhänge. Türen erinnern nass glänzend an Wasser, das auf dunklem Stein entlangrinnt. Die Dekonstruktion wird zur Illusion.

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Statt Blumen

Ein Stuhl im Blütenkleid? Digital ist das schnell entworfen, zumindest für 3-D-Designer Andrés Reisinger aus Barcelona, ein Star der Branche. Er stellte das animierte Rendering des Sessels „Hortensia“ vor zwei Jahren ins Netz, der Erfolg war so groß, dass er ihn auch in echt haben wollte. Mit der Textildesignerin Júlia Esqué gelang die Umsetzung als kleine, teure Edition, mit der Designmarke Moooi jetzt sogar die Serienproduktion: und das mit 30.000 (!) textilen Blüten. Ein kleiner Triumph des Analogen über das Digitale. Und ein Muttertagsgeschenk. Für nächstes Jahr.

Die Titelseite der Künstlerausgabe der WELT. Gestaltet von David Hockney. Erhältlich am 20. Mai 2021

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Zur Pinault-Collection gehören unter anderem 40 Stücke von David Hammons. Hier: „Untitled,“ aus dem Jahr 2000

Kaffee mit Köpfchen

Eine Tasse Kaffee kann einem die Augen öffnen – am Morgen ganz sicher, doch nun auch optisch. Der chinesische Künstler und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei reiht sich mit seiner Arbeit in die traditionsreiche Art Collection von illy caffé ein. Seit 1992 werden einst von Matteo Thun entworfene schlichte Kaffeetassen von internationalen Künstlern neu gestaltet. Die Edition von Ai Weiwei ist in Anlehnung an seine „Coloured Vases” aus dem Jahr 2006 entstanden. Damals tauchte er rund 4000 Jahre alte Vasen in Industriefarbe, um auf die Zerstörung durch die chinesische Kulturrevolution aufmerksam zu machen. Die illly-Kollektion macht dagegen bewusst: Der Wert, einer guten Tasse Kaffee, misst sich nicht am bloßen Trinken, sondern am Genuss.

 

Wonach verlangt also der globale Nomade heutzutage? „Es gibt ein grundlegendes Missverständnis“, erklärt Yabu. „Hotelbesitzer wünschen oft, dass ihr Hotel ein ‚Home away from home‘, also ein Zuhause in der Ferne, sein solle. Tatsächlich wollen viele Leute aber auch mal raus aus ihrem Zuhause und eine andere Welt erleben.“ Oder auch: eine alltagsfreie Welt ohne knittrige Bettwäsche, Flecken auf dem Sofa und schwächelnden Duschstrahl.

Wir haben uns kopfüber in die Designs von Alex Proba gestürzt

HAT BISS

Wer sich nach Kunst und Kultur verzehrt, befindet sich in bester Gesellschaft. Siehe diese Aufnahme von Model Irene Staub in einem appetitlichen Pullover der deutschen Strickdesignerin Claudia Skoda. Er entstand 1978 für die Kollektion „Fruits“. Mehr „Deutsches Design 1949–1989“ zeigt das Kunstgewerbemuseum Dresden gemeinsam mit dem Vitra Design Museum. Bis 5. September.

Alessi, das Synonym für Design. Wir feiern mit ihnen das 100. Jubiläum. Video Maria Agerkop

Einer für alle: Das Polsterelement gehört zur Sofalandschaft „Camaleonda“, mit der Mario Bellini 1970 Designgeschichte schrieb: Zusammen abhängen bekam eine Form. Neu aufgelegt von B&B Italia.
Sei willkommen: Die weichen Formen des Sofas „Jalis 21“ vom Stuttgarter Duo Jehs + Laub für COR sind von den Kissenlagern inspiriert, auf denen man im Orient Freunde empfängt.
Alle auf eine: Auf der Schaukel „SwingUs“ von Daniel Pouzet für Dedon haben zwei Erwachsene Platz. Oder ganz viele Kinder.
Zum Zusammenrücken: Auf den „Torii“- Sesseln von Nendo für Minotti kann man sich gegenüber- und zugleich nebeneinandersitzen.
Endlich wieder Übernachtungsgäste: Daybed „Remy“ von Schramm ist Wohn- und Schlafmöbel zugleich. Mit echtem Liegekomfort.
Wir wollen draußen bleiben: Am Outdoor-Tisch „Illum“ kann man zu vielen, auf den Illum-Stühlen lange sitzen. Der Teakholztisch hat 2,67 Meter Länge, die Metallstühle haben bequeme gekurvte Lehnen. Von Merckx & Maes für Tribù.
Mobiler Wagen „Mocon“ von Studio Besau Marguerre für Sigel
Supporting Act: Christophe Pillet sieht sich und seine Entwürfe stets als Teil eines Ganzen. Die Sessel „Echoes“ für Flexform etwa harmonieren mit großen Sofas. Und feiern nicht sich, sondern die Flechtkunst.
Gruppendynamik: Die Beistelltische der Serie „Lousia“ von Vincent Van Duysen sind verschieden groß und wirken am besten als Ensemble – denn im Vergleich wird das subtile Zusammenspiel zwischen dem konischen Fuß und der runden Platte besonders deutlich. Von Molteni.
Mannschaftsleistung: Zwei Designer, drei Farben, einen Glasbläser, zwei Assistenten und ein ganzes Unternehmen braucht es, um den Beistelltisch „Glaas“ zu realisieren. Das Duo Trulytruly aus Rotterdam entwarf ihn für Leolux.

Worauf wir uns in diesem Jahr am meisten freuen? Wieder wirklich unter Leuten zu sein.  Freunde treffen, Verwandte besuchen, den Kollegen nicht nur virtuell zu begegnen. Deshalb haben wir Möbel inszeniert, die das Zusammensein feiern: sei es durch ihren Zweck, sei es durch die Art ihrer Entstehung. Denn soviel ist auch klar: Kreativität entsteht am besten im Team. 

Fotograf Armin Zogbaum
Creative Direction + Set Design Anna Nizio
Assistenz Juan Carlos Ortega
Typo Marie Friedrich

FRESH UP!

 ICON°. Die Designausgabe

Kunst-Licht

Hebt da was ab oder kommt da was runter? Das Spiel mit dem Fokus kann in die Irre führen – oder neue Perspektiven eröffnen. Die Wirklichkeit ist zwar weniger mystisch, doch in diesem Fall ebenso kreativ. Bei genauem Hinsehen geht ein Licht auf: Es ist die Salt & Pepper Lampe des Hamburger Leuchten-Hersteller Tobias Grau. Für die Künstler-Kollaboration „Artist for Tobias Grau“ rücken junge Kreative wie hier Bastien Gomez oder Clara Rubin die organischen Leuchten in einen neuen Kontext. Ausgewählte Arbeiten gibt es auf dem Instagram-Kanal und in einem dazugehörigen Katalog zu sehen.

Stück für Stück: Für die Künstler-Kollaboration „Artist for Tobias Grau“ rücken junge Kreative die organischen Leuchten des Hamburger Designers in einen neuen Kontext. Hier in Form eines Puzzles, hinter dem sich das Modell „Salt & Pepper“ verbirgt.

196
Braun 1962
Braun 1963

Glänzendes Update

Braun wird 100. Gefeiert wird mit Modedesigner, DJ und Universalkünstler Virgil Abloh. Er überarbeitete die legendäre (und eingestellte) Hi-Fi-Audio-Wandanlage von Dieter Rams aus dem Jahr 1965 in ein Stück „funktionale Kunst“. Verchromt statt matt. Referenzen? Brauns polierte Chrom-Design-Ästhetik – wie der Toaster von 1963. Sie verschmilzt mit  der schwarzen Kulturgeschichte; glänzende Felgen, Musikinstrumente oder Grillz, Sie wissen schon, dieser glänzende Zahnschmuck. Das war’s, mehr nicht. Zeitgemäß zeitlos. Perfekt².  Der Kurzfilm dazu wurde in Mies van der Rohes berühmtem Farnsworth House gedreht. Ein Remix-Track Ablohs gibts natürlich auch. Was sonst.

In der Betten-Bonboniere 

Der allerschönste Zuckerschock kommt gerade von der dänischen Marke Magniberg, die für ihre neue Bettwäschen-Kollektion „Candy Shop“ 16 sehr frische Pastellfarben zum Selbst zusammenstellen herausgebracht hat. Kissen, Laken und Deckenbezüge in Happy Pink über Baby Blue bis Lemonade können kombiniert werden, als wäre das Bett eine Bonboniere. Oder eine Eisdiele:  Am Tresen stehen und die Sorten wählen für das erste echte Eis des Jahres – der Moment ist unbezahlbar. Wer da nicht süß träumt, ist nicht zu retten….

 

 

fashion photographer Hedvig Jenning and stylist Martina Almquis

Michele De Lucchi trifft Harry Potter

Ach, die Italiener! Setzen in jeder Lebenslage auf exzellente Gestaltung, und gehen selbstbewusst die schönsten kreativen Bündnisse ein! Neuestes Beispiel: Buchbestseller trifft Designstar: Für die aktuelle  italienische Ausgabe von „Harry Potter“ (Salani Editore) entwarf Architekt und Designer Michele De Lucchi mit seinem Büro AMDL Circle, eigens Fantasiebauten, die als Holzmodelle jetzt die Buchcover zieren. Solche Miniaturarchitekturen sind, wie sein experimenteller Umgang mit Holz, ein Markenzeichen des bekannten Gestalters geworden. Für die Cover des Zauberer-Epos bildete er natürlich nicht eins zu eins Hogwarts, Winkelgasse oder das Zaubereiministerium ab, sondern schuf eher architektonische Archetypen, die die Vorstellung umso mehr anregen: Jeder eine Gedanken-Skulptur – wie die Romane selbst.