Thema Design

Kaffee mit Köpfchen

Eine Tasse Kaffee kann einem die Augen öffnen – am Morgen ganz sicher, doch nun auch optisch. Der chinesische Künstler und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei reiht sich mit seiner Arbeit in die traditionsreiche Art Collection von illy caffé ein. Seit 1992 werden einst von Matteo Thun entworfene schlichte Kaffeetassen von internationalen Künstlern neu gestaltet. Die Edition von Ai Weiwei ist in Anlehnung an seine „Coloured Vases” aus dem Jahr 2006 entstanden. Damals tauchte er rund 4000 Jahre alte Vasen in Industriefarbe, um auf die Zerstörung durch die chinesische Kulturrevolution aufmerksam zu machen. Die illly-Kollektion macht dagegen bewusst: Der Wert, einer guten Tasse Kaffee, misst sich nicht am bloßen Trinken, sondern am Genuss.

 

Wonach verlangt also der globale Nomade heutzutage? „Es gibt ein grundlegendes Missverständnis“, erklärt Yabu. „Hotelbesitzer wünschen oft, dass ihr Hotel ein ‚Home away from home‘, also ein Zuhause in der Ferne, sein solle. Tatsächlich wollen viele Leute aber auch mal raus aus ihrem Zuhause und eine andere Welt erleben.“ Oder auch: eine alltagsfreie Welt ohne knittrige Bettwäsche, Flecken auf dem Sofa und schwächelnden Duschstrahl.

Wir haben uns kopfüber in die Designs von Alex Proba gestürzt

HAT BISS

Wer sich nach Kunst und Kultur verzehrt, befindet sich in bester Gesellschaft. Siehe diese Aufnahme von Model Irene Staub in einem appetitlichen Pullover der deutschen Strickdesignerin Claudia Skoda. Er entstand 1978 für die Kollektion „Fruits“. Mehr „Deutsches Design 1949–1989“ zeigt das Kunstgewerbemuseum Dresden gemeinsam mit dem Vitra Design Museum. Bis 5. September.

Alessi, das Synonym für Design. Wir feiern mit ihnen das 100. Jubiläum. Video Maria Agerkop

Einer für alle: Das Polsterelement gehört zur Sofalandschaft „Camaleonda“, mit der Mario Bellini 1970 Designgeschichte schrieb: Zusammen abhängen bekam eine Form. Neu aufgelegt von B&B Italia.
Sei willkommen: Die weichen Formen des Sofas „Jalis 21“ vom Stuttgarter Duo Jehs + Laub für COR sind von den Kissenlagern inspiriert, auf denen man im Orient Freunde empfängt.
Alle auf eine: Auf der Schaukel „SwingUs“ von Daniel Pouzet für Dedon haben zwei Erwachsene Platz. Oder ganz viele Kinder.
Zum Zusammenrücken: Auf den „Torii“- Sesseln von Nendo für Minotti kann man sich gegenüber- und zugleich nebeneinandersitzen.
Endlich wieder Übernachtungsgäste: Daybed „Remy“ von Schramm ist Wohn- und Schlafmöbel zugleich. Mit echtem Liegekomfort.
Wir wollen draußen bleiben: Am Outdoor-Tisch „Illum“ kann man zu vielen, auf den Illum-Stühlen lange sitzen. Der Teakholztisch hat 2,67 Meter Länge, die Metallstühle haben bequeme gekurvte Lehnen. Von Merckx & Maes für Tribù.
Mobiler Wagen „Mocon“ von Studio Besau Marguerre für Sigel
Supporting Act: Christophe Pillet sieht sich und seine Entwürfe stets als Teil eines Ganzen. Die Sessel „Echoes“ für Flexform etwa harmonieren mit großen Sofas. Und feiern nicht sich, sondern die Flechtkunst.
Gruppendynamik: Die Beistelltische der Serie „Lousia“ von Vincent Van Duysen sind verschieden groß und wirken am besten als Ensemble – denn im Vergleich wird das subtile Zusammenspiel zwischen dem konischen Fuß und der runden Platte besonders deutlich. Von Molteni.
Mannschaftsleistung: Zwei Designer, drei Farben, einen Glasbläser, zwei Assistenten und ein ganzes Unternehmen braucht es, um den Beistelltisch „Glaas“ zu realisieren. Das Duo Trulytruly aus Rotterdam entwarf ihn für Leolux.

Worauf wir uns in diesem Jahr am meisten freuen? Wieder wirklich unter Leuten zu sein.  Freunde treffen, Verwandte besuchen, den Kollegen nicht nur virtuell zu begegnen. Deshalb haben wir Möbel inszeniert, die das Zusammensein feiern: sei es durch ihren Zweck, sei es durch die Art ihrer Entstehung. Denn soviel ist auch klar: Kreativität entsteht am besten im Team. 

Fotograf Armin Zogbaum
Creative Direction + Set Design Anna Nizio
Assistenz Juan Carlos Ortega
Typo Marie Friedrich

FRESH UP!

 ICON°. Die Designausgabe

Kunst-Licht

Hebt da was ab oder kommt da was runter? Das Spiel mit dem Fokus kann in die Irre führen – oder neue Perspektiven eröffnen. Die Wirklichkeit ist zwar weniger mystisch, doch in diesem Fall ebenso kreativ. Bei genauem Hinsehen geht ein Licht auf: Es ist die Salt & Pepper Lampe des Hamburger Leuchten-Hersteller Tobias Grau. Für die Künstler-Kollaboration „Artist for Tobias Grau“ rücken junge Kreative wie hier Bastien Gomez oder Clara Rubin die organischen Leuchten in einen neuen Kontext. Ausgewählte Arbeiten gibt es auf dem Instagram-Kanal und in einem dazugehörigen Katalog zu sehen.

Stück für Stück: Für die Künstler-Kollaboration „Artist for Tobias Grau“ rücken junge Kreative die organischen Leuchten des Hamburger Designers in einen neuen Kontext. Hier in Form eines Puzzles, hinter dem sich das Modell „Salt & Pepper“ verbirgt.

196
Braun 1962
Braun 1963

Glänzendes Update

Braun wird 100. Gefeiert wird mit Modedesigner, DJ und Universalkünstler Virgil Abloh. Er überarbeitete die legendäre (und eingestellte) Hi-Fi-Audio-Wandanlage von Dieter Rams aus dem Jahr 1965 in ein Stück „funktionale Kunst“. Verchromt statt matt. Referenzen? Brauns polierte Chrom-Design-Ästhetik – wie der Toaster von 1963. Sie verschmilzt mit  der schwarzen Kulturgeschichte; glänzende Felgen, Musikinstrumente oder Grillz, Sie wissen schon, dieser glänzende Zahnschmuck. Das war’s, mehr nicht. Zeitgemäß zeitlos. Perfekt².  Der Kurzfilm dazu wurde in Mies van der Rohes berühmtem Farnsworth House gedreht. Ein Remix-Track Ablohs gibts natürlich auch. Was sonst.

In der Betten-Bonboniere 

Der allerschönste Zuckerschock kommt gerade von der dänischen Marke Magniberg, die für ihre neue Bettwäschen-Kollektion „Candy Shop“ 16 sehr frische Pastellfarben zum Selbst zusammenstellen herausgebracht hat. Kissen, Laken und Deckenbezüge in Happy Pink über Baby Blue bis Lemonade können kombiniert werden, als wäre das Bett eine Bonboniere. Oder eine Eisdiele:  Am Tresen stehen und die Sorten wählen für das erste echte Eis des Jahres – der Moment ist unbezahlbar. Wer da nicht süß träumt, ist nicht zu retten….

 

 

fashion photographer Hedvig Jenning and stylist Martina Almquis

Michele De Lucchi trifft Harry Potter

Ach, die Italiener! Setzen in jeder Lebenslage auf exzellente Gestaltung, und gehen selbstbewusst die schönsten kreativen Bündnisse ein! Neuestes Beispiel: Buchbestseller trifft Designstar: Für die aktuelle  italienische Ausgabe von „Harry Potter“ (Salani Editore) entwarf Architekt und Designer Michele De Lucchi mit seinem Büro AMDL Circle, eigens Fantasiebauten, die als Holzmodelle jetzt die Buchcover zieren. Solche Miniaturarchitekturen sind, wie sein experimenteller Umgang mit Holz, ein Markenzeichen des bekannten Gestalters geworden. Für die Cover des Zauberer-Epos bildete er natürlich nicht eins zu eins Hogwarts, Winkelgasse oder das Zaubereiministerium ab, sondern schuf eher architektonische Archetypen, die die Vorstellung umso mehr anregen: Jeder eine Gedanken-Skulptur – wie die Romane selbst.

Aus alt mach Fendi 

Nicht alles gewinnt an Wert, nur weil man ein Logo drauf klatscht. Aber wenn die Künstlerin und Designerin Sarah Coleman eine Flasche Putzmittel mit den Logo-bedruckten Stoffen eines Luxushauses bezieht, wird daraus sofort ein Sammlerstück. Coleman, die in New York lebt und ihre Designkarriere als Assistentin im Team des Innenarchitekten Peter Marino begann, kam durch bloße Lust am Experimentieren darauf, banale Möbel und Alltagsgegenstände – Klappstühle, Milchkartons, Streichholzschachteln – mit Designermaterialien zu beziehen. Dafür dekonstruiert sie Vintage-Taschen oder Reisegepäck, von Marken wie Louis Vuitton oder Fendi. Letzteres Label war von ihrem Stil so begeistert, dass es die Amerikanerin für ein Projekt anlässlich der Designmesse DesignMiami/ als Kooperationspartnerin anfragte.

Für die Miami-Boutique des Labels hat Coleman einzigartige Stühle kreiert, die die Designsprache von Fendi auf Sarah-Coleman-typische Art verkörpern – dank Collagen aus Fendi-Archivfotos oder Polsterungen mit FF-Logo. Die Stühle werden, ebenso wie eine Nachbildung aus Canvas, Gips und Acryl der ikonischen Peekaboo -Tasche der Künstlerin, im Fendi-Store in Miami ausgestellt sein. Kaufen kann man sie nicht – die drei limitierten Peekaboo-Taschen, die Silvia Venturini Fendi anlässlich der Messe entworfen hat, allerdings schon.

Fotograf: Sven Bänziger c/o Kathrin Hohberg; Styling: Silja Lange; Model: Paula Bertolini; Haare & Make-up: Ellen Romeijn c/o Kathrin Hohberg; Fotoassistenz: Flavio Leone; Lichtassistenz: Jorin Koers; Stylingassistenz: Jakob Schaefer; Casting: Martin Freimoser

„Die Eycks wünschten sich eigentlich eine Art Miniaturmuseum und einen Arbeitsraum für den Gärtner. Aber weil der Vorgängerbau ein Hühnerstall war und der Denkmalschutz nur einen solchen wieder genehmigen wollte, wurde in den Entwurf kurzerhand ein Platz fürs Federvieh integriert, mit Vollverglasung, eigens designierter Hühnerstange und Brutbox aus Edelstahl. Die Viecher freilich beeindruckt das wenig. Sie verbringen ihre Tage gackernd, scharrend und pickend zwischen dem ultraschicken Stall und ihrem Gehege auf der Rückseite des Hauses.“

Gabriele Thiels über das Kasteel Wijlre. Interview folgt.

Der Stein wird mit einem speziellen Diamantschneidewerkzeug zugeschnitten und die Oberfläche mit einem Sandstrahler abgeschliffen.
Aus den Blöcken werden nun Latten herausgeschnitten.
Damit die Tischplattenpaneele später lasiert werden können, müssen zunächst die Poren des Steins geschlossen werden.
Sechs Stunden dauert es, bis der Ofen auf 900 Grad Celsius vorgeheizt ist, um die Paneelezwölf Stunden darin zu backen.
Farbiges Emaille wird von Hand vorbereitet, indem verschiedenfarbige Mineralien mit weißem Emaille gemischt werden. Das Grundemaille wird anschließend in einer Staubschutzkabine auf die Paneele aufgetragen und 24Stunden getrocknet.
Darüber werden mehrere Schichten eines neutralen oder farbigen Kristallins mit einem Schwamm eingearbeitet. Dies verstärkt den Craquelé- Effekt.
Beide Farbvarianten müssen danach einen behutsamen Trock- nungsprozess durchlaufen, bei dem sie immer wieder in Zyklen von 48 Stunden im Ofen bei 950 Grad Celsius getrocknet werden.
Im letzten Schritt müssen die Paneele auskühlen. Ein Handwerker prüft, ob sich Unregelmäßigkeiten in das Material eingeschlichen haben. Zum Schluss werden die Paneele auf dem Tisch montiert.
Der „Nox“-Tisch von Tribù

Der Bauplan: „Nox“-Tisch von Tribù

In den Ateliers und Manufakturen dieser Welt werden weiterhin Handwerkskünste gepflegt, und wir schauen dabei zu. Heute: Der Outdoor-Tisch „Nox“. Was der Vesuv ausspuckt, bleibt ewig. Beste Voraussetzungen für die Möbelmacher von Tribù, um aus dem 400 Jahre alten Lavagestein des Vulkans  „Nox“ zu fertigen. Mit einem schlanken Untergestell aus pulverbeschichtetem Edelstahl wirkt er leicht und elegant: ein Entwurf, der typisch ist für das belgische Familienunternehmen, das 1967 von Henri De Cock als Gartenmöbelfirma gegründet und ab 1987 von seinem Sohn Lode zur Designmarke Tribù geformt wurde. Heute führen Lodes Söhne Tom und Koen die Geschäfte – und Tribù steht für Outdoormöbel in schlicht-eleganten Formen aus natürlichen Materialien, die man sich wie „Nox“ auch im Esszimmer vorstellen könnte. Seine Herstellung in acht Schritten.

Der Bauplan. In jedem ICON Magazin ein anderes Produkt.

ZIMMER FREI

Sich im großen Ganzen zu verlaufen ist naheliegend. Dass auch im Kleinen nicht immer klar ist, wo man steht, zeigt auf einnehmende Weise dieses Bild. Fotograf Andreas Gursky nahm das Foto „Taipeh“ 1999 im Atrium eines Hotels auf. Zum Heranzoomen lädt noch bis 1. November die Online- Retrospektive „Space is Time“ ein. spruethmagers.com

Kunst kann auch nicht das, was Design kann: nämlich unseren Alltag verbessern. Kunst verstört oder zwingt uns zur Bewunderung, zur Distanz auch. Aber Design ist Kommunikation, macht das Leben angenehmer, erhebt auch keinen Ewigkeitsanspruch.

Wolfgang Joop. ICON Oktober, die Designausgabe. Sonntag in WELT AM SONNTAG.

Farewell, Sir Terence Conran!

Bereits als junger Mann hat er begonnen, das zeitgenössische Design zu prägen – und nie wieder damit aufgehört. Funktionales Design für jeden: Das war die Maxime des britischen Designers Terence Conran. Mit seiner Kette „Habitat“ machte er ästhetische Designereinrichtung ab den 60er Jahren für die Mittelschicht erschwinglich und den Verkauf von Möbeln in flachen Kartons soll er schon lange vor Ikea praktiziert haben. Der Designer war in seinen Arbeiten vom nüchtern-funktionalen Bauhaus-Stil inspiriert, den er mit skandinavischen Einflüssen mischte. Seine Möbel sollten „in Würde altern, nahtlos in das Leben ihrer Besitzer gelangen und ihnen jahrelang Freude bereiten“, wie Conran selbst einmal erklärte. Als Höhepunkt seiner Karriere gilt die Gründung des bedeutenden Design Museums in der britischen Hauptstadt. Der heutige Chef-Kurator Peter Mandelson würdigte Conran und sagte, dieser lasse eine „Schatzkiste an Haushalts- und industriellem Design“ zurück, die für immer bleiben werde. In einem Statement der Familie heißt es, Conran habe immer betont, dass sich seine Arbeit nicht wie Arbeit anfühle und er all sein Schaffen auch zum Vergnügen getan habe. Ein besonderer Mann, ein außergewöhnliches Lebenswerk. Heute ist er friedlich eingeschlafen.