Thema Mode

Familienalbum

40 Jahre Emporio Armani: Dahinter stehen unzählige Bilder, die einen Zeitgeist ebenso reflektieren wie die Identität einer Marke. Sie füllen heute, gemeinsam mit Mode von Emporio Armani, eine Ausstellung in den Armani Silos, die das Label zum Jubiläum veranstaltet hat. In ganz Mailand hängen Werbeplakate, junge Männer und Frauen unterwegs in der Großstadt, aufgenommen in Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die man zeitlich im Hier und Jetzt ebenso verorten kann wie in die 80er-Jahren. 1981 lancierte Armani die jüngere Zweitlinie zu seiner Hauptmarke, angetrieben von dem Gespür, dass eine junge Generation mit anderen Werten und Idealen von der Mode ignoriert wurde. 40 Jahre später will auch die neue Kollektion in die Zukunft blicken und so betrat Armani zum Finale seiner Show nicht alleine den Laufsteg. An seiner Seite hatte er seine langjährigen Co-Designer Leo Dell´Orco und Silvana Armani, die, so hat er es bereits angekündigt, seine Arbeit fortführen sollen. Für die nächsten 40 Jahre ist also gesorgt.

Grund zur Zuversicht

 Die 70er-Jahre, die Hippie-Bewegung, Spiritualität und Mystizismus: Klingt nach einem Standard-Rezept für eine bunte, gut gelaunte Etro-Kollektion voller Fransen, Kaftane und Paisley-Prints. Veronica Etro war zwar nach guter Laune zumute, aber nicht nach Standard-Lösungen. „Bohemian, Vintage, Gipsy-Look – das wollte ich alles nicht. Diese Kollektion sollte aufgeräumt und cool aussehen. Deswegen habe ich auch zurück in die 90er-Jahre geblickt“, sagte sie vor der Show. Das Ergebnis: Ein Mix aus ausdrucksstarken Mustern (allen voran Blumen) und Schnitten, die den Minimalismus der 90er in Erinnerung rufen, mit Neckholder-Tops, Hüfthosen, schmalen, den Körper umschmeichelnden Kleidern, Baggy-Pants und Plateau-Sandalen.

 Diese Etro-Kollektion ist wie immer fröhlich aber auch verführerisch und sexy. Da wird eine transparente Bluse ganz weit aufgeknöpft und zum weiten Blazer kombiniert, da lassen Cut-Outs am Blumenkleid ein wenig Taille herausblitzen, da halten hauchdünne Träger ein leichtes Top am Schlüsselbein zusammen. Ein Gefühl von Optimismus und Wiedergeburt habe sie feiern wollen, erklärte Etro. Für die Menschen, die nun aus ihren Höhlen gekrochen kommen und endlich wieder die Welt und sich selbst fühlen wollen, hat sie genau die richtige Kollektion entworfen.

MM6 Maison Margiela SS22 Show.

Live aus Mailand

Macht es spannend

Je länger Luke und Lucie Meier an ihrer Vision für Jil Sander tüfteln, desto mutiger wird sie. Die Marke, das haben sie längst verstanden, kann für mehr stehen denn weiße Hemden und navyblaue Mäntel. “Spannung ist Energie”, heißt es in der Pressemitteilung zur Kollektion. Und so schaffen die Designer Spannung, zwischen Volumen und Asymmetrien, zwischen reichen Texturen und monochromen Farben, zwischen Minimalismus und einer Extravaganz, die auch mal ein Animal-Print mit Quasten zulässt. Live aus Mailand

Klassiker Kollektion

Vintage Jägern hat die Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar hatten alle endlich Zeit zum Ausmisten, genauso viele schienen jedoch auch Zeit und Geld zum Shoppen zu haben. Schwierig, da einen Klassiker zu ergattern. Gerade lohnt es sich mehr, den Blick nach vorn zu richten, und zwar auf die neue Capsule Herbstkollektion von Saint Laurent und Mytheresa. Ganz im Geiste Yves Saints Laurents, Mode einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist die Kollektion inspiriert von den ikonischen Silhouetten der 60er, bunten 70er-Prints auf Mini-Kleidern und Blusen oder Slim-fit-Nadelstreifen Blazer zur Rüschenbluse. Gutes Design ist eben zeitlos. Die Kollektion gibt‘s ab 22. September bei Mytheresa.

Live aus London: Kindlich, verspielt, aber alles andere als brav: Simone Rocha denkt ihre typischen voluminösen Silhouetten neu, inspiriert von Kommunionskleidern, der Vertrautheit von Bettwäsche und der Intimität eines Boudoirs.

Erdems Frauen

Es war ein verregneter Tag in London, aber pünktlich zur Erdem-Show am Abend bildete sich ein Regenbogen am Himmel. Die 15 Jahre, die das Label nun auf diesem Planeten verweilt, sind schließlich auch voller Farben und Muster, allen voran Blumen, die Erdem von Saison zu Saison neu denkt und gestaltet. Ein wenig Hilfe bei der Inspiration bekam er dieses Mal von zwei begabten Damen, der Dichterin Edith Sitwell und der Künstlerin Ottoline Morrell, die beide zwischen dem Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten. Keine von beiden hatte Interesse daran, sich anzupassen, sagt Erdem Moralioglu. Im Gegenteil, sie liebten es, aufzufallen. Dieser freiheitsliebende Geist steckt in der Mode von Erdem. Im kommenden Herbst zeigt sie sich weniger feminin aber etwas fokussierter, auf Lochspitze, auf dunkle Töne wie Schwarz oder Khaki, auf geschneiderte Teile, die übrigens auch den Männern sehr gut stehen, die hier zum ersten Mal auf einem Erdem-Laufsteg zu sehen sind. „Es hat sich hier irgendwie passend angefühlt, dass beide Geschlechter sich miteinander austauschen würden“, sagte der Designer nach der Show. Silvia Ihring live aus London

Inga Griese bei WELT IM TV

über die Met-Gala in New York

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Zurück auf die Bühne

Auf eines kann man sich bei Michael Kors immer verlassen: Er gibt stets sein Bestes, um gute Laune zu verbreiten. Für seine persönlichen Glücksgefühle verlässt er sich auf den regelmäßigen Besuch von Broadway-Musicals und -Theaterstücken, von denen es so langsam mehr und mehr wieder auf Live-Bühnen schaffen. Für seine Show, die auf der Terrasse des Restaurants „Tavern on the Green“ im Central Park stattfand, baute Kors seine eigene Bühne auf. Der Musical-Star Ariana DeBose, die in Stücken wie „Hamilton“ aufgetreten ist, lieferte die Songs zu den Catwalk-Auftritten von Models wie Kendall Jenner, Adut Akech oder Gigi Hadid.

Der Look: Elegant und romantisch, inspiriert von den Glockenröcken und Strickjacken der 50er-Jahre. Blazer mit offenen Dekolletés richten sich an die Frauen, die sich wieder aufs Büro freuen, Spitzenröcke werden zu BH-Tops oder weißen Blusen kombiniert und Pastellfarben vermitteln eben die hoffnungsvolle Botschaft, die Michael Kors an die Welt senden will. Dies tut er auch mit seinem Engagement für die New Yorker Charity-Organisation Gods Love We Deliver, zu deren Ehren er einen Pullover entworfen hat. Erlöse aus dessen Verkauf unterstützen die Arbeit der Organisation, die kostenlose Mahlzeiten für an HIV oder Krebs erkrankte Menschen in der Stadt zubereitet und an diese verschickt.  Silvia Ihring aus NY

Sinnhaft schön

Jeder Entwurf von Gabriela Hearst steht für eine Mission. Für den Frühling und Sommer 2022 stellt diese die Lage der Navajo-Gemeinschaft in den Mittelpunkt, die wie so viele alte Indianer-Stämme in den USA unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit leidet. Für ihre neue Kollektion ließ Gabriela Hearst Webarbeiten von den Navajos herstellen, kooperierte zudem mit mehreren Kreativen aus der Community und mit verschiedenen NGO´s, die Handarbeiten in Ländern wie Bolivien und Hearsts Heimatland Uruguay fördern. Die Materialien? Umweltfreundliches Leinen und Kork für die Schuhe, die Farben kommen ohne Chemikalien aus und die Baumwollteile basieren ausschließlich auf Stoffresten.

Von Ferien und Farben

Die Sonne über Little Island ging gerade unter, aber der Laufsteg von Proenza Schouler strahlte umso stärker. Mit der im Frühling eröffneten, auf tulpenförmigen Betonstelzen gebauten Insel konnte das Label eine der wohl aufregendsten Locations der Saison gewinnen, aber auch die Mode überzeugte. Lazaro Hernandez und Jack McCollough dachten ihre Klassiker neu, weite fließende Kleider, locker sitzende Trenchcoats und Anzüge, verarbeitet in Jacquards und getaucht in leuchtende Farben. An den Ärmeln baumelten dicke Fransen aus Perlen, Mäntel waren mit verfremdeten Tigermustern bedruckt und Cut-Outs zierten Rollkragen-Tops, die zu weiten luftigen Hosen kombiniert wurden. Inspirationen von einer Reise nach Hawaii spiegelte sich in den Details der Kollektion wider, wie den handgemachten Lei, den typisch hawaiianischen Blumenketten, die einige Models um die Hälse trugen. Die Großstadtinsel Manhattan mag sich nicht immer paradiesisch anfühlen, aber Proenza Schouler liefert die Art Mode, die das Leben dort ein wenig angenehmer macht. Silvia Ihring aus NY

Labels to like: Etro

Sie trägt seine Sweatshirts, er borgt sich ihre Tasche, beide kaufen die gleichen Hemden: Die strenge Unterteilung zwischen Frauen- und Männermode wird von immer mehr Luxuskunden bewusst ignoriert. Mehr Styling-Freiheit bedeutet schließlich mehr Optionen – und diese reihen sich nun die neuen „Earthbeat“- Sneakers von Etro ein. Der Unisex-Schuh fällt durch sein Patchwork-Design aus Kalbsleder, Paisley-Jacquard und bedruckten Stoffdetails auf und ist mit Details wie Fransen und neonfarbenen Schnürsenkeln verziert. Vorgestellt wurde der „Earthbeat“ auf der Männermodenschau im vergangenen Juni, die Models trugen dazu gemusterte Leggings und weite Baggy-Hosen. Ein Styling, das sich vermutlich auch ein paar Frauen abschauen werden.

Monopoli. Total Look und Tasche „Mount“ aus Kalbsleder von Bottega Veneta
Locorotondo. Total Look von Celine. Collier „Harmonia“ von Swarovski
Torre Cintola. Transparentes Hemdkleid, Strickbody und Ledergürtel: Tod’s. Sonnenbrille: Chanel
Total Look von Chanel
Wohin des Wegs? Nach Apulien! Und zwar für unser Mode-Shooting. Berit Heitmann trägt hier, über den Dächern der berühmten Trulli-Häuser, Prada total
Locorotondo. Total Look aus zwei Pullovern und Shorts von Etro. Schuhe: Tod’s
Masseria Torre Coccaro. Oversized Sweatshirt von Versace. Basecap: Hermès
Alberobello. Total Look von Dolce & Gabbana
Locorotondo. Caban-Jacke, Rolli und Hose: Loro Piana. Mary Janes in Silber: Dior
Ceglie Messapica. Total Look aus Paillettenkleid, Halskette mit Küken-Anhänger und Mokassin von Gucci
Ceglie Messapica. Total Look von Fendi. Typische Luminarie-Lichtinstallation aus der Region
Locorotondo. Total Look von Christian Dior
Locorotondo. Wolljacke, Hemd, Wollhose und „Babouche“-Schuhe mit Goldschnalle von Jil Sander
Ceglie Messapica. Oversized Mantel von Dries Van Noten. Tanktop und Hose von Brunello Cucinelli. Ohrring „Oribita“ von Swarovski. Dazu trägt Berit Pantoletten von Louis Vuitton
Locorotondo. Kaschmir-Mantel, Top und Hose von Max Mara. Sneakers: Hermès
Monopoli. Berit im Total Look von Alexander McQueen. Brille von Christian Dior
Monopoli. Total Look von Louis Vuitton. Wollte mit ins Bild: Hündin Lea von einem Passanten
Masseria Torre Coccaro. Hellblaues Hemd mit Spitze und Jeans von Valentino

Zwischen Tür und Trulli

In Apulien herrscht Gelassenheit. Schon deshalb wollten wir unbedingt dorthin mit den Looks der neuen Saison. Denn darum geht es doch jetzt. Und natürlich um den schönen Augenblick.

Die Bewohner der italienischen Stiefelspitze sind schwer zu beeindrucken. Schon gar nicht von einem Mode-Shooting und einem Team aus dem vergleichsweise hohen Norden. Dass immer mehr Menschen von außerhalb den Weg nach Apulien finden und von Landschaft und Architektur hingerissen sind, ist für sie kein Grund, selbst aus der Fassung zu geraten. Diese Region ist eine mit Ecken und Kanten und das macht ihren Reiz aus. Mit karibikblauem Wasser, historischen Gebäuden, aber eben auch mit Imperfektionen. Nie hat man das Gefühl, hier durch ein Open-Air-Museum zu laufen. Das Historische prallt hier und da auf die Gegenwart und die Natur wiederum erobert sich an ungeahnten Stellen ihren Raum. Es ist diese Spannung, die unser Team bei seiner Arbeit beflügelte. Ob in Alberobello, einem der bekanntesten Orte der Region, bekannt für seine Trulli, in der Hafenstadt Monopoli oder in Ceglie Messapica: Die offensichtliche Schönheit dieser Orte war immer nur das Entrée zu den verborgenen Ecken, die mit ihrem Charme auf den zweiten Blick begeisterten. So ergab es sich auch, dass wir vor vielen Türen ungeplant stehen blieben und loslegten. Sie sind Hingucker und Metapher für eine Region, in der die Menschen offen sind – für alle schönen Dinge, die da kommen mögen. Ein Gefühl, das man sich in der nächsten Saison überziehen sollte, und das garantiert nicht aus der Mode kommen wird.

Fotograf: Niko Schmid-Burgk c/o Schierke Artists

Styling: Silja Lange

Model: Berit Heitmann c/o Spin Model Management

Haare & Make-Up: Uli Wissel c/o Uschi Rabe

Digital Operator: Stefan Hauck c/o Blink Imaging

Assistent: Bruno Axhausen

Produktion: Caminante Productions

Großes Theater

Wenn Dolce & Gabbana ihre Alta Moda zeigen, ist klar, dass das ganz große Rad gedreht wird: Diesmal ging es um Handwerkskunst und Traditionen aus Venedig: Muranoglas, Karneval, Casanova, Kronleuchter, Mosaike – übersetzt in einzigartige Roben. Gezeigt wurden sie auf dem Markusplatz vor dem Dogenpalast als Kulisse. Die Models, darunter die Töchter von Monica Bellucci, Heidi Klum und Puff Daddy, glitten zu Vivaldi den Laufsteg entlang. Währenddessen verfärbte sich der Himmel von Pink zu Grau zu Schwarz. Dann kam ein Regenbogen, die Glocken läuteten, Windböen kamen auf und gerade als Stefano Dolce und Domenico Gabbana den Schlussapplaus abgenommen hatten, brach ein Platzregen los. Ob das Teil der Inszenierung war? Bei Dolce & Gabbana wäre es in jedem Fall denkbar. Ganz, ganz große Theater! Heike Blümner aus Venedig.

 

Schauspieler Cillian Murphy
DJane Peggy Gou
Starregisseur Spike Lee
Sänger und Schriftsteller Chen Kun
Schauspielerin Xin Zhi Lei

Von Neuem

Schreiber fürchten sich häufig vor der weißen Seite, dem unbeschriebenen Blatt. Schließlich ist der Anfang das Wichtigste, das erste Kapitel von etwas Neuem. Montblanc ehrt mit der Neuauflage der Kampagne „What Moves You, Makes You“ jene, die kreativ nach Neuem streben. Etwa den irischen Schauspieler Cillian Murphy, für den jede Rolle ein weißes Blatt ist, das er mit Leben füllt. Einen Neuanfang der anderen Art machte die Südkoreanerin Peggy Gou, die ihre Karriere als DJane begann und später ihre eigene Plattenfirma gründete und als Modeunternehmerin arbeitet. Die Botschaft: Kreativität ist es immer wert, gelebt zu werden. Begleitet wird die Kampagne von der neuen Montblanc UltraBlack Kollektion.

Platz für alle

Große Karrieren entstehen nicht durch Talent alleine. Es braucht Menschen, die Fähigkeiten erkennen, eine Gesellschaft, die offen ist, Chancen, die jedem zur Verfügung stehen. Daran glaubt auch Tommy Hilfiger und es ist ein Grund, warum er im vergangenen Jahr das „People´s Place“-Programm ins Leben rief: Eine Initiative, die unterrepräsentierte Stimmen aus der BIPOC-Community in der Mode- und Kreativbranche erkennen und fördern soll. Hilfigers neue Capsule Collection mit dem afroamerikanischen New Yorker Designer Romeo Hunte trägt den Geist von „People’s Place“ in sich.

Hunte arbeitet schon seit Jahren erfolgreich mit seinem eigenen Label, und ebenso lange steht ihm Tommy Hilfiger als Mentor zur Seite. Die TommyXRomeo-Linie baut auf Huntes typische, dekonstruierte Silhouetten auf, denkt sie mit intensiven Farben und hybriden Silhouetten neu und integriert das bekannte Tommy Hilfiger-Logo, das seit Jahrzehnten für Inklusion und Vielfalt steht. Auch für das Shooting verließ man sich auf diverse Talente, die die Kampagne vor und hinter der Kamera prägen. Für Huntes Karriere sieht Hilfiger eine große Zukunft voraus. „Mit dieser Kollektion treffen unsere zweiten Welten zusammen.“ Und schaffen so eine neue. Silvia Ihring 

Joan Collins, London Heathrow, 1989 Dennis Stone/Shutterstock
Naomi Campbell, Paris Le-Bourget, 1998 Bertrand Rindoff Petroff/Getty Images
Prince, London Heathrow, 1989 David Parker / Alamy Stock Photo
Lady Gaga, Los Angeles International, 2015 GVK/Bauer-Griffin/GC Images
Elton John, London Heathrow, 1982 Mirrorpix/Getty Images
Cindy Crawford, Los Angeles International, 1991 Ron Galella/Ron Galella Collection via Getty Images

Nur das Nötigste

Wer ganz sichergehen will, auf Reisen alles dabei zu haben, macht es wie Joan Collins, hier 1989 am Londoner Flughafen Heathrow. Fünf Louis Vuitton Gepäckstücke lassen außerdem auf ähnlich exquisiten Inhalt schließen. So weit, so zeitlos. Lediglich der Look der Schauspielerin verrät, wie sehr die Zeiten sich verändert haben. Auf Flügen sind Sportkleidung oder Loungewear zum akzeptierten Dresscode avanciert.

 Manch einer wünscht sich – allein aus optischen Gründen – die gute alte Zeit zurück. Damals, als das Fliegen noch eine besonders feine Angelegenheit war, zu der neben Shrimp-Cocktail Martinis gereicht wurden und auch die Kleiderordnung dem in Nichts nachstand. Als Hommage an diese glamouröse Zeit hat Rizzoli den Bildband „Come Fly With Me“ lanciert. Die renommierte Bildredakteurin Jodi Peckman stellte dafür Paparazzi-Bilder bekannter Gesichter aus mehreren Jahrzehnten zusammen. Auf dem Sprung sind unter anderem Frank Sinatra, Naomi Campbell und Prince.

Von Prints und Poeten 

Das Kleid ist fast bodenlang und liegt eng am Oberkörper an. Zahlreiche Streifen aus Organza und Tüll schmücken den Rockteil, die Farben changieren in allen Tönen des Ozeans, und auf dem Oberteil funkeln Perlen, die ein an Unterwasserwelten erinnerndes Muster nachbilden. Gezeichnet hat es einst der britische Dichter und Künstler William Blake, auf einem Kleid des Labels Alexander McQueen erwacht es nun zu neuem Leben. Das Kleid ist Teil der Männerkollektion für Frühling und Sommer 2022, und das Geschlechter-übergreifende Cross-Dressing, wie es das Label hier vorführt, steht für eine neue Freiheit in der Männermode, die auch andere Labels feiern.

Zur Arbeit von McQueens-Kreativdirektorin Sarah Burton gehört sie schon lange – und so entwickelt sie bestehende Ideen und Silhouetten aus ihrem Repertoire weiter, lässt riesige Volants aus Sakko-Revers und Mantelschultern wachsen, akzentuiert Ärmel und Taillen mit Zippern, kombiniert Anzüge zu Sneakers. Die Illustrationen aus dem Werk William Blakes, die das Designteam gemeinsam mit dem Tate-Museum herausgesucht hat, schmücken einen Mantel, ein Hemd oder auch ein einfaches Feinripp-Tanktop, wie eine Traumwelt aus der Vergangenheit, die ziemlich gut in die Gegenwart passt. Silvia Ihring

Fotos: Sergi Pons

Styling: Clark Parkin mit Pucci. Kette: Begum Khan

Model: Bárbara Sánchez c/o Blow Models in Emilio Pucci, Tasche Hermès, Schmuck Cada

Haare + Make-up: Emiliano Riccardi c/o Ana Prado

Assistenz: Adria Botella, Jordi Cortez

Location: Hostal de La Gavina

Behind the Scenes des Fashion films „A Future Together“ von Wim Wenders for Ferragamo.

© Sabine Lewandowski

„Fotografie galt nicht als Kunst, die Fotos machte ja eine Maschine. George Eastman, der Kodak-Gründer, hatte mit dem Slogan geworben: „Sie drücken den Knopf – wir erledigen den Rest.“ Mit diesem Satz hat er der Fotografie großen Schaden zugefügt. Dass jeder ein Foto machen kann, stimmt, aber es kommt auf den Kopf hinter der Kamera an. Doch Fotografie wird, man mag es kaum glauben, auch heute noch unterschätzt. Wir sollten deshalb auch gar nicht von Fotografie sprechen, sondern immer von Kunst.“ F.C. Gundlach

Die Fotografie hat sein Leben bestimmt, sie war seine Leidenschaft und sein Lebenselixier. F.C. Gundlach galt als Grandseigneur der deutschen Modefotografie. Über vier Jahrzehnte hat er unser Bild von Mode und Menschen geprägt. Nun ist F.C. Gundlach am 23. Juli 2021 im Alter von 95 Jahren gestorben. Farewell!

Stiller Luxus

Das neue Motto Vetements, die ein paar Buchstaben aus dem Namen ausklammern und das Projekt “VTMNTS” auf den Markt bringen. Eine 100 Looks satte, genderlose Kollektion deren Wurzeln in der traditionellen Herren-Schneiderkunst liegt. Vergessen sind auch die typischen XXL-Logoprints, jetzt ersetzt durch Barcodes.

Wer die Zielgruppe dieses Spin-Offs ist, wird schon an den Models deutlich: Kids die gelangweilt vom Marken-Hype sind. “VTMNTS ist für Menschen, die Kleidung für sich selbst und nicht für andere tragen, für diejenigen, die nichts zu beweisen haben, für diejenigen, die keine riesigen Logos tragen. Für diejenigen, die die hohe Qualität und den Wert der Handwerkskunst verstehen”, heißt es im Statement.

Spotted

Wer derzeit in New York oder London ein Taxi ruft und eines mit der Aufschrift McQueen bekommt, darf dem ruhig mit Neugierde begegnen. Das britische Modehaus Alexander McQueen präsentiert nämlich weltweit in zwölf Modemetropolen seine neue Identität. Britische Zurückhaltung? Dearly not. Der neue Graffiti-Stil wird mit einer guerillahaften Marketing-Kampagne etwa in Tokyo, Paris und Mailand präsentiert. Häuserfassaden, Bürgersteige, U-Bahntunnel und Taxis dienen als Werbeflächen. Das neue McQueen-Logo findet sich auch auf den Teilen der aktuellen Ready-to-wear Kollektionen für Damen und Herren. Als festes Narrativ der Marke soll das Graffiti auch für kommende Kollektionen erhalten bleiben.

Der Kampagnenfilm der Alexander McQueen „Graffiti“ Kollektionen.

Diva am Strand: Für die erste Ausgabe unseres Hamburg-Magazins DIE STILISTEN im Sommer 2012 posierte Hannelore Elsner in St. Peter-Ording vor der Kamera von Marc Rehbeck.
Kleid von Raf Simons für Jil Sander (Gr. 34), das Hannelore Elsner am 14. Oktober 2011 anlässlich der Verleihung des „22. Hessischen Filmpreises“ in der Alten Oper in Frankfurt trug.    
Kleid von Bottega Veneta aus cremefarbener Seide mit grauen Seidenrips-Trägern, das Hannelore Elsner bei den 68. Internationalen Filmfestspielen
von Venedig 2011 trug (Größe 40 IT). Credit:Michael Leis
Die handgenähten Western-Stiefeletten und Cowboy-Boots des texanischen Designers Pedro Muñoz, alle Größe 37. Credit: Michael Leis.
Abendtasche von Escada, die die Schauspielerin zur Verleihung des Deutschen Filmpreises 2001 trug. Dazu ihre Platzkarte, sowie ihre handschriftliche Notizen – möglicherweise eine Rede oder Laudatio. Credit: Michael Leis

„Ich kaufe lieber wenig, dafür teuer. Ich investiere in Qualität.“

 Hannelore Elsner über ihre Mode, die im Leben der 2019 verstorbenen Schauspielerin eine Hauptrolle spielte, da sie ständig im Rampenlicht stand und sich immer wieder in neuen Verhüllungen von Jil Sander, Missoni bis Issey Miyake zeigen wollte. Das Münchener Auktionshaus Neumeister versteigert nun den Modenachlass der großen Schauspielerin. „SHE Sonderauktion“ am 22. Juli um 11 Uhr.

„Wie Monsieur Dior einst sagte, Tradition ist wichtig, aber man muss sie stimulieren und verändern, damit sie modern bleibt, ansonsten wird sie irrelevant. Wir müssen ein Gleichgewicht finden zwischen dem, was neu und schnell ist, und der Tradition, ansonsten riskiert man Fehler.“

Pietro Beccari, Chairman und CEO von Christian Dior Couture 

Valentino in Venedig

In Italien wird Mode als Kulturgut geschätzt und eine der vielen Wiegen der italienischen Kultur ist ohne Zweifel Venedig. Nur wenige Dinge können es in Sachen Schönheit mit dieser Stadt aufnehmen, aber in der neuen Haute Couture-Kollektion von Valentino haben die Kanäle, Palazzi und das Licht von Venedig einen ebenbürtigen modischen Dialogpartner gefunden. Selbstbewusst präsentierte sich dieser am Donnerstagabend in den Gaggiandre, historische Schiffsanlegestellen aus dem 16. Jahrhundert, die sich im Arsenale befinden, Venedigs einst wichtigstem Produktionszentrum. Heute dient es als Bühne für das Programm der Biennale, bietet eine Heimat für Kunst oder Tanz, und nun auch für die Mode.

Pierpaolo Piccioli wollte mit dem Event gezielt die gerade zu Ende gegangene Theater-Biennale unterstützen, jedoch ohne sich aufzudrängen. Stattdessen reiht man sich ein in die Künste, die diese Stadt so groß gemacht hat, und ließ dabei klugerweise den geborgten Laufsteg praktisch unberührt. Bis auf das Aufstellen der Publikumssitze wurde praktisch nichts an dem Ort verändert. Die Mode von Pierpaolo Piccioli fügte sich umso müheloser in ihre zauberhafte Umgebung ein. Es ist eine sehr moderne Form der Haute Couture, die abweicht von allzu viel Dekor, Stickereien und lieblichen Kleinkram, die sich dafür fokussiert auf Linien, klare, starke Farben und mutige Silhouetten. Im Ergebnis wird sie tragbarer, liefert eine Garderobe aus schlichten Mänteln, fließenden Kleidern mit hohen Schlitzen, Bügelfaltenhosen und sogar Tanktops. Auf Extravaganzen verzichtet Piccioli nicht, doch er setzt sie sehr gezielt ein, nutzt Marabu-Federn, um tragbare Wolken zu entwerfen, ob in Form eines Hutes oder als Verzierung am Kleid. Jede Idee sagt etwas aus – erst recht, weil viele Ideen von Künstlern stammen, mit denen das Haus anlässlich dieser Kollektion zusammengearbeitet hat. Silvia Ihring