Thema Mode

12 Stunden Modewerkstatt

Das Innere kehrt nach außen, Realität durchdringt den Traum und der Prozess ersetzt das Ergebnis: Mit einer Modenschau, die den Backstage-Bereich auf den Laufsteg holte, begann Alessandro Michele im Februar seine Analyse eines Spektakels namens Mode. Michele lenkt nun erneut den Fokus auf das Fundament und die Mechanismen hinter der Show und dem schönen Schein.

 Nach der Show folgte dann im Mai eine Kampagne, für die die Models die Entscheidungshoheit über die kreative Gestaltung übernahmen. Und nun, als Abschluss, eine Video-Reise hinter die Kulissen eines Kampagnen-Shootings: Über zwölf Stunden lang begleiten Kameras aus mehreren Perspektiven die Geschehnisse im Palazzo Sacchetti in Rom, die Bilder wurden live im Netz gestreamt, für jedermann einsehbar. Die Mode zum Projekt wird von Micheles Team in einem Lookbook vorgeführt: Designer, die ihre Ideen in diese Kleider gesteckt haben, stecken nun selbst in ihnen drin. Ein neues Rollenspiel vollzieht sich, an dessen Ende wir die Mode von Alessandro Michele wieder aus einem neuen Blickwinkel betrachten.

Creative Director: Alessandro Michele
Art Director: Christopher Simmonds
Photographer: Mark Peckmezian
Hair Stylist: Paul Hanlon
Make Up: Thomas De Kluyver

„I was thinking about a punk princess coming out of ‘Le Palace’ at dawn. With a taffeta dress, big hair, feathers and lots of jewellery. This collection is more inspired by Karl Lagerfeld than Gabrielle Chanel. Karl would go to ‘Le Palace’, he would accompany these very sophisticated and very dressed up women, who were very eccentric too.“

Virginie Viard, Creative Director Chanel about the Fall-Winter 2020/21 Haute Couture collection

Photographed and captured by Mikael Jansson. Models Adut Akech & Rianne Van Rompaey

Strandlaken „Voile sur Galilée“ von Hermès. Design: Der zeitgenössische israelische Künster Guy Yanai. Gewebt in Deutschland und siebgedruckt in Frankreich.

15/06/20

Matthew Williams is Givenchy’s New Designer. A voice note from the new Creative.

Instagram Givenchy

Ein feiner Mann für eine feine Marke

So bedauerlich es war, dass Clare Waight Keller ihren Vertrag bei Givenchy nicht verlängerte, so richtig ist die Verpflichtung von Matthew Williams. Er ist selbstbewusst ohne Arroganz, er ist kreativ, sein Blick geht nach vorn aber nicht in Wolkenschlösser.  Die Bodenhaftung ist wörtlich zu nehmen, Streetwear war sein Thema, seine Kooperationen mit Nike, Moncler, Mackintosh und Dior haben durchaus Kultstatus. Die Zusammenarbeit mit Kanye West und Lady Gaga sind sehr frühe Referenzen.

Geboren in Chicago, aufgewachsen auf einem Skateboard in Kalifornien ist der 34-Jährige vor fünf Jahren mit seiner Familie von New York nach Italien gezogen, hat in Ferrara mit 1017 ALYX 9sm  eine Art „kreativ-Hub“ für Handwerk gegründet, dazu gehört auch seine Marke  „Alyx“, die er erstmals in Paris 2018 präsentierte. Benannt nach seiner Tochter.

Vieles, über das die Mode jetzt diskutiert, lebt und entwickelt er dort bereits. Weniger Ware, innovative Stoffe und Produkte, begehrenswertes Design, das Miteinander von Technik und Menschen, nachhaltiges Leben und Arbeiten. Der Begriff „Subversiv“ hat bei ihm keine zerstörerische, sondern gestalterische Kraft. Wenn einer wie der Selfmade-Designer Williams jetzt eine Megamarke wie Givenchy übernimmt, dann darf man wieder gespannt sein.

Schwieriger als jetzt könnten die Zeiten kaum sein. Aber Williams hat bei Alexander McQueen gelernt. Und denkt viel. Man darf davon ausgehen, dass er weit mehr drauf hat als Berliner Techno Szene und Streetwear. Am 16. Juni tritt er seinen neuen Job beim alten Haute Couture Haus, das zum LVMH-Konzern gehört, an, im Oktober wird man sehen, was er meint, wenn er von Mode spricht, die auf „Modernität und Inklusion“ basiert.

Auf seinem Instagram Account postete er heute vor schwarzem, der Farbe der Solidarität, Hintergrund die Tonspur, mit der er die neue Position verkündete. „In these unprecedented times for the world, I want to send a message of hope, together with my community and colleagues, and intend to contribute towards positive change.”

Foto Paolo Roversi

Hut ab 

Er sei „der beste Weg seine Persönlichkeit auszudrücken“, sagte Christian Dior einmal über das Accessoire, das der Designer ausnahmslos in jeder seiner Kollektion zwischen 1947 bis 1957 zeigte: den Hut. Eigentlich sollte im Frühjahr eine Ausstellung im Christian-Dior-Museum dem Lieblingsaccessoire huldigen, auch sie musste verschoben werden. Dafür erlaubt das Buch „Dior Hats: Von Christian Dior bis Stephen Jones“ (Rizzoli) nun einen Einblick in die Hutdesigns aller Dior-Designer der letzten Jahrzehnte wie etwa Yves Saint-Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré, John Galliano, Raf Simons bis hin zu Maria Grazia Chiuri. Kuratiert hat sie der britische Hutmacher Stephen Jones, der nicht nur in seinem eigenen Atelier exzentrische Kopfbedeckungen für Lady Gaga, Mick Jagger und Rihanna anfertigt, sondern seit 1996 auch für das französische Modehaus arbeitet. Chapeau!

© Bert Stern. „Dior Hats: From Christian Dior to Stephen Jones“,Rizzoli

“I’ve always been inspired by nature – it’s a thread which runs through everything we create at McQueen. The most important thing now is for us to reconnect with nature.”

Sarah Burton, Creative Director Alexander McQueen

Cape: Valentino. Anzug: Fendi. Pullover: COS. Sandalen: Hermès
Outdoor-Stehleuchte „Half Dome“ von Naoto Fukasawa für Kettal
Outdoor-Sessel „Peter“ von Antonio Citterio für Flexform
Kleid und Brosche: Louis Vuitton. Beistelltisch „D.552.2“ von Gio Ponti für Molteni
Lera in einer Seidenbluse von Victoria Beckham. Minirock: Fendi. Honza trägt einen Total Look von Jil Sander
Seidenkleid von Christian Dior. Honza im Total Look von Dior Homme
Sofa „Tape Cord Outdoor“ von Nendo Design für Minotti
Ledermantel: Tod´s. Männerhemd: COS. Cargo-Hose: Hermès
Mantel, Hose, Sneaker: Valentino. Sessel „Grapy“ von Gandia Blasco SA.
Anzug und Lederhemd: Paul Smith. Sandalen: Hermès
Lera in einer Seidenbluse von Victoria Beckham. Minirock: Fendi. Honza trägt einen Total Look von Jil Sander
Stuhl „Elio“ von Nabu Pushelberg für Tribu
Beistelltische „Sposa“ von Cuno Frommherz für Jori
Total Look von Valentino. Schuhe: Casadei
Anzug: Zegna. Hemd: „La Chemise Simon“ von Jacquemus
Total Look von Valentino
Baumwollkleid und Organza-Oberteil von Jil Sander

Beton trifft Glas trifft Wasser

Mit der Langen Foundation in Neuss schuf Tadao Andō ein begehbares Kunstwerk, bei dem draußen drinnen ist und drinnen draußen – der perfekte Ort für unser Möbel- und Modeshooting.

Foto: Markus Jans

Styling: Silja Lange

Models: Lera Koss c/o System Agency und Honza Stiborek c/o nestmodelmanagement;

Haare & Make-up: Chris Schild c/o Ballsaal mit Produkten von Marc Jacobs Beauty und Birte Krause c/o 21agency

Casting: Dominik Wimmer

Foto-Assistenz: Christian Breevaart

Styling-Assistenz: Ineska Baric

Bei Alexander McQueen versteht man viel von traditionellem Handwerk. Bei der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2020 hat Creative Director Sarah Burton auf die Tradition des „Beeteln“ zurückgegriffen.

Gemeint ist eine Leinen-Technik, die einen feinen Glanz erzeugt und bei der das Gewebe erst mit Kartoffelstärke bestrichen und anschließend mehr als 120 Stunden mit Holzblöcken gehämmert und flachgedrückt wird. Ein Job, den man gern an William Clark, die älteste Leinenweberei in Irland, übertragen hat.

Glänzende Idee!

All images and videos courtesy of Alexander McQueen.

Hippies de Luxe

Loewe und die Kult-Boutique Paula’s auf Ibiza haben ihre dritte Kollektion herausgebracht. Fotografiert wurde die Kampagne in Neu Delhi von der jungen Fotografin Gray Sorrenti.

Im Hier und Jetzt: Die Blockbuster-Ausstellung „Christian Dior: Designer of Dreams“ kommt nach dem Pariser Musée des Arts Décoratifs nun ins eigene Wohnzimmer – nach dem Klick auf das Bild. Foto Emma Summerton.