Thema Mode

Kanye West @ Balenciaga
Erykah Badu @ Valentino
Balenciaga
Valentino
Valentino
Browne
Coperni
Loewe
Loewe

Best of Paris Fashion Week(end)

In Sachen Mode steht Paris nie still. Richtig Fahrt wird allerdings während der Fashion Week aufgenommen. Die Highlights: Kanye West eröffnet die Balenciaga Show in einem Set-up aus Matsch und Schlamm, Models in weiten Print-Hoodies, zerrissenen Jeans und glamourösen Abendkleidern folgen. Kreativdirektor Demna setzte damit erneut ein Zeichen für Frieden. Die Show symbolisiert das Schürfen nach Wahrheit, die Looks das Überleben.

Bei Valentino wird das knallige Fuchsia der letzten Kollektion durch eine Vielzahl von Braun-, Beige- und Elfenbeintönen abgelöst. Sie sollen an die vielen Töne der Hautfarbe erinnern. Im prominenten Publikum hat man sich noch nicht von Pink verabschiedet: Musikerin Erykah Badu kuratierte etwa die Musik der Show und erscheint im All-Pink-Look.

Thom Browne und Loewes Kreativdirektor Jonathan Anderson wurden zu Geschichtenerzählern: Während Browne eine moderne Interpretation von Cinderella zeigte und Bella Hadid im Punk-Look auf den Laufsteg schickte, ging es bei Loewe um die Entfremdung der Natur. Die Flamingoblume wurde bewusst künstlich sowohl als riesige Skulptur in der Mitte des Laufstegs, als auch auf Kleidung drapiert. Gestreifte Kleider knüpften an die Idee der optischen Täuschung an und scheinbar verpixelte Teile, machen die Models zu realen Avataren aus der virtuellen Welt.

Viral ging der Auftritt von Bella Hadid bei Coperni: Das Kleid wurde live auf der Bühne auf ihren fast nackten Körper aufgesprüht. Die Flüssigkeit verwandelte sich auf ihrer Haut in einen Stoff, aus dem mit wenigen Handgriffen ein schulterfreies Kleid mit Beinschlitz wurde. C’est magique! Kim Hofmann

Der Couture so nah

Besonders bei der Fashion Week zeigt sich, dass es um mehr als um Mode geht, wenn nicht gar um Grundsätzliches. „Ich glaube, dass jeder, der Ready-to-Wear kreiert, sich fragen muss, warum er überhaupt Kleidung macht“, sagt etwa Schiaparellis Kreativdirektor Daniel Roseberry. „Für mich ist es die Gelegenheit, Stücke anzubieten, die sowohl alltäglich als auch außergewöhnlich sind. Frauen, die die Kollektion tragen, haben schließlich nicht weniger Anspruch auf Fantasie als die Käuferin von Couture!“ Die Worte des Designers eindeutig: Mode muss beflügeln. Und zwar immer! Mit Abendkleidern, Zweiteilern und Bademode ist in der SS23 Kollektion an jede Alltags-Situation gedacht. Hochwertige Stoffe liefern das Couture-Gefühl und üppige Goldaccessoires, Handabdrücke, undurchsichtige Sonnenbrillen und Handtaschen mit Gesichtern die Portion Extravaganz!

Höhepunkt im dritten Akt 

Nicht alle Geschichten müssen in fünf Akten erzählt werden: Für die Entwicklung hin zu bunten Farben und auffälligen Blumenprints reichte bei der Dries Van Noten SS23 Kollektion bereits das letzte Drittel der Show. Taillierte Kleider und oversized Jacken in Tiefschwarz machen den Auftakt und zurückhaltende Pastelltöne führen an Farbe heran, bevor die wilden Flowerprints übernehmen. Rüschen und Raffungen bilden das verbindende Element der gesamten Entwicklung von der Dunkelheit zum Licht. 

Che(e)r it up!

Nein, es gab leider keine spontane Showeinlage von Cher auf der Balmain SS23 Show. Doch die Sängerin gehört zu den engsten Freunden von Designer Olivier Rousteing und war zur freundschaftlichen Unterstützung vor Ort. Gemeinsam mit dem Designer kam die 76-Jährige im hautengen Balmain-Bodysuit auf die Bühne und wurde zum Highlight der Show. Die von der Renaissance inspirierten Looks sind allerdings auch einen Blick wert!

Flashbacks 

Das Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart beherrscht Saint Laurents Kreativdirektor Anthony Vaccarello gut. Für seine SS23 Kollektion erinnert er direkt an zwei Jahrzehnte und lässt sich einerseits von der röhrenförmigen Silhouette inspirieren, in die sich die Tänzerin Martha Graham in ihrem Stück „Lamentation“ im Jahr 1930 hüllte. Ergänzt wird diese Silhouette durch die, von Namensgeber Yves Saint Laurent in den 80er-Jahren erstmals vorgestellten, Capuche-Kleidern, bei denen eine Verlängerung des Kleids wie eine Kapuze auf dem Kopf drapiert war.

Vaccaerllo holt beide Ideen in die Gegenwart und zeigt vor dem Hintergrund des glitzernden Eiffelturms extralange Bodycon-Kleider, die beinahe gemeinsam mit den High Heels am Boden abschließen. Dabei wechseln sich leichte und transparente mit schweren, blickdichten Stoffen ab, bedecken den Körper im selben Maß, wie sie ihn und seine Bewegungen preisgeben. Gedeckte Farben geben Raum, sich auf die, für Vaccarello untypischen, Silhouetten einzulassen und auffallend breitschultrige Mäntel einen harmonischen Kontrast zu den engen Kleidern. Die Looks bringen nicht nur Jahrzehnte zusammen, sie changieren auch zwischen androgyner Weiblichkeit und femininer Männlichkeit – und sind damit aktueller denn je. Kim Hofmann

Inga Griese Instagram: Paris calling: She truly is the best! @mariagraziachiuri created another outstanding collection and setting for her @dior #SS2023. Inspired by an old street map print on a scarf from 1950 she had found in the Dior Archive, she created her own contemporary idea of what makes a city liveable: that for sure are the gardens.

One of the most favourite one’s in Paris are the Tuileries, once dedicated to Catherine de Medici in the 1560ies. Another strong Italian woman and emblematic for MGC favourite topic of women & power. Madame de Medici also invented heels, the crinoline, the Burano lace… so we found ourselves today in the Jardin du Tuileries, we’re Dior had built up a huge tent.

Inside was an incredible art installation by Eva Jospin, a kind of flowering cave made from recycling paper! Months of work. The collection was a homage to fashion as an art of invention, made for a contemporary court 😉, or a walk through the parks of life, playing with codes like the crinoline, the corset. Loved the beautiful raffia coats with birds and floral motifs and the city map cloth. And there were some grunge elements again, one of the topics we see these Fashion Week days often. Brava, Maria-Grazia! 

 

DIOR 

Bottega Veneta

„When your initials are enough“

Auf diesem Slogan fußt Bottega Venetas Identität. Matthieu Blazy, der seit der vergangenen Saison der kreative Kopf der italienischen Luxusmarke ist, hat für seine Spring/Summer 23 Kollektion eine Übersetzung gefunden, die zeitgemäßer (und optisch schöner) nicht sein könnte: „The world in a small room.“ 70 Charaktere; Frauen und Männer. Einschließlich Kate Moss. Blazy’s Bottega Veneta ist eine kreative Reise durch Bewegung und Emotionen, Eleganz und Nutzen, durch die Perfektion von Technik und Materialien. In der Kleidung.

Und in diesem Fall auch in einem fantastischen Setting: hatte Blazy doch Designerlegende Gaetano Pesce an Bord geholt. Lange Gespräche mit ihm in NY geführt. Das Ergebnis: ein bunter Acryllaufsteg und vierhundert unterschiedliche Sessel für die Gäste, schon die Eintrittskarte eine verzierte Silikonscheibe. Gaetano war selbst angereist, saß sichtlich zufrieden in der Frontrow. Die Schönheit und Energie in Pesces Raum und Blazys Kollektion wird lange tragen. Man kann davon nicht enough bekommen. Inga Griese

BOTTEGA SUMMER

Just a normal Saturday… Hanging out with the Kardashians. Ciao Kim! 

Dolce&Gabbana Summer 2023

 Starlet des Reality-TV, Trendsetter, Rulebreaker: Die Meinungen darüber, wer oder was Kim Kardashian ist gehen weiter auseinander, doch fest steht: fast jeder hat eine Meinung zu ihr. Für Domenico Dolce und Stefano Gabbana ist Kim Kardashian diese Saison eine Muse, eine selbstbewusste Frau, die weiß was sie will und dafür gearbeitet hat. Ob man das so sieht oder nicht, sie war die perfekte Inspiration für eine Kollektion, die Archiv-Klassiker aus dem Hause Dolce&Gabbana wieder hervorholt: Korsagen, Bodycon-Kleider, Leoparden-Capes und BH-Tops. Wie nur wenige Labels steht Dolce&Gabbana für Kleidung, die weiblichen Kurven schmeichelt und sie betont. Und wie nur wenige Frauen hat Kim Kardashian diesen Look wieder salonfähig gemacht. In einem Video zur Kollektion genießt sie einen Teller Pasta, die Haare platinblond wie eine Filmikone der 60er-Jahre. Jede Ära hat ihre Superstars und Dolce&Gabbana haben sich einen der derzeit größten ausgesucht. 

Im Gucci-Doppel  

Alessandro Michele sagt, er selbst würde nur sehr selten weinen. Doch beim Finale seiner jüngsten Show für Gucci musste auch er ein paar Tränen vergießen: Zu überwältigend war der Anblick von 63 verschiedenen Zwillingspaaren, die in den gleichen Looks gemeinsam über den Laufsteg liefen. Überwältigen war vermutlich auch die Vorbereitung eines solchen Großprojekts, doch Michele ging es nicht um einen bloßen Showeffekt.

Als Sohn eines identischen Zwillings – die Zwillingsschwester seiner Mutter stand ihm nach eigenen Worten ebenso nah wie die Mutter selbst – habe ihn schon immer die Dualität von Zwillingen interessiert. Menschen, die sich gegenseitig reflektieren und eine Bindung teilen, die anderen verschlossen bleibt. Doch Zwillinge sind letztlich nie exakt identisch. Und auch Mode, die auf die Replikation des immer gleichen Kleidungsstücks basiert, verändert sich je nach Träger. Dieses Paradox stand im Mittelpunkt von „Twinsburg“. Die Kollektion umfasste das übliche Michele-Repertoire aus Tailoring, Sportswear, Fetish-Ästhetik und reich dekorierte Flamboyant, doch die eigentliche Botschaft lag im Anblick der Hände haltenden Zwillingsmodels. Jeder will einzigartig sein, und doch ist es erst die Gemeinsamkeit mit anderen, die einem Halt gibt. Silvia Ihring

DARK GOTHIC GODDESS. That’s the woman in mind this season. Black, purple, and hints of fuchsia are the colors running through the whole collection, coming together in looks both high-glamour and hard-edged, diva and subversive. VERSACE, VERSACE

Marco De Vincenzo for Etro

Walter Chiapponi for Tod`s

Tod’s

TOD’S Italian Flair

Dark, gothic, but with a pink surprise at the end: At Versace Paris Hilton finished a collection that mixed tailoring with lingerie details and techno influences.

BOSS 

INFLATION BY

MOSCHINO 

Blick durchs Fenster

Absolute Einfachheit. Das ist sicherlich nicht das, womit man eine Prada-Kollektion verbindet. Und doch wollten Miuccia Prada und Raf Simons diese Saison den Fokus auf die Essenz lenken, auf Kleidungsstücke, die ohne zusätzliche Anhängsel auskommen, ohne übertriebene Silhouetten und aufwendige Dekorationen. Wie kann man Schönheit mit simplen Zutaten erschaffen? „Wir haben zum Beispiel Haute-Couture-Themen mit einfachen, robusten Materialien umgesetzt, wie alt aussehendes Leder, oder schwere Baumwollarten“, sagte Raf Simons backstage.

Plötzlich wirkt ein „Opera Coat“ in der Ledervariante ungewohnt hart, ein Bustierkleid überraschend maskulin. Kleider, die an Vintage-Nachthemden erinnern, bestehen aus einem Vlies-ähnlichen Material und Schleppen werden an Blazer appliziert. Wie so oft werden gewohnte Kleidungsstücke bei Prada verformt und verfremdet – so wie die Show-Location selbst. Dieses Mal war der Laufsteg in einzelne Räume unterteilt, durch kleine Fenster in den Wänden konnten die Zuschauer auf Bildschirme blicken. Darauf waren Szenen zu sehen, gedreht von Regisseur Nicolas Winding Refn, Macher von Filmen wie „Drive“ oder „The Neon Demon“. Winding Refn hat mit Prada und Simons die Show-Location konzipiert: Eine Filmkulisse, durch die die Models stolzierten wie Filmfiguren.  Silvia Ihring

PRADA

IAN GRIFFITHS FÜR MAX MARA

Max Mara

Hut ab!

Der Riviera-Style: Keiner trug ihn besser als Renée Perle. In den Geschichtsbüchern wird sie als stille Muse und Geliebte des Fotografen Jacques-Henri Lartigue bezeichnet und ist auf seinen denkwürdigsten Bildern zu sehen. Die mit Kajal umrandeten Augen und das mit den Fingern gewellte Haar sind unverkennbar. Max Maras Kreativdirektor Ian Griffiths lässt sich von der 30er-Jahre Ikone inspirieren: rückenfreie Tanks, voluminöse Matrosenhosen aus Segeltuch, schlappe, breitkrempige Sonnenhüte, lange, fließende Röcke und eine Baumwoll-Badekappe.

Fashion Democracy

Während die meisten Modenschauen einem kleinen, exklusiven Kreis von Promis und Fachleuten vorbehalten sind, setzt Diesel in diesem Jahr auf Demokratie. Vom Modefan bis zum Designstudent waren alle willkommen. „Jeder kann ein Teil von Diesel sein“, sagt Kreativdirektor Glenn Martens. Fast 5000 Zuschauer waren schließlich vor Ort. Weltrekord: Die größte aufblasbare Skulptur der Welt im Zentrum des Laufsteges.