Thema Mode

LOEWE Spring Summer 2022

IN ALLEN FACETTEN

Man möchte meinen, das Gebäude, das das Œuvre Christan Diors zu fassen vermag, müsse erst noch gebaut werden. Vor allem bekannt für seinen „New Look“, ging sein Schaffen weit darüber hinaus. Das Brooklyn Museum stellt sich der Herausforderung und beherbergt nun die Ausstellung „Christian Dior: Designer of Dreams“. Kuratiert wurden neben über200 Haute-Couture-Stücken Fotografien, Skizzen und Videos. Bis 20. Februar, New York.

Psycho-Chic 

Zwischen  Futurismus und avantgardistischer Kunst bewegte sich einst Designerin Elsa Schiaparelli. Die neueste Schiaparelli-Kollektion von Creative Director Daniel Roseberry folgt ihrem Vorbild. Auf den Spuren der Namensgeberin vereint die Kollektion Dualismen, die ihren Charakter ausmachten: Übergroßer Goldschmuck, breite Streifen und betonte Weiblichkeit. Fantasy-Bademode als Flucht aus der Realität – typisch Schiaparelli. Live aus Paris

GIVENCHY SS22

 „Für die Frühjahr-Sommer-Kollektion 22 wollte ich auf der Tradition der Geschichte von Givenchy aufbauen und gleichzeitig einen Blick in die Zukunft werfen. Um dies zu erreichen, habe ich mit Menschen zusammengearbeitet, die ich in verschiedenen Disziplinen bewundere und die wirklich einzigartige Perspektiven haben.“

 Matthew M. Williams, Kreativdirektor, Givenchy

Nicht nur für zarte Blümchen

Nach Monaten, die von Loungewear und wenig Glamour geprägt waren, setzt Giambattista Valli in seiner Spring-Summer 2022 Kollektion auf altbekannte Herrlichkeit: üppiger Tüll, Rüschen und Blumenmuster erzeugen den typisch romantischen Look. Keine Sorge, asymmetrische Schnitte, Crop-Tops und transparente Teile bewahren vor Überzuckerung. Live aus Paris

15 Jahre – ein guter Anlass, sich ein paar grundsätzliche Gedanken darüber zu machen, wie unser Verhältnis bei ICON zur Mode ist. Wobei, Verhältnis greift in diesem Fall wohl zu kurz. Es handelt sich um eine liebevoll gepflegte, langjährige Beziehung. Das Schöne und das Erlesene hat in ICON seit je seinen festen Platz.  Man muss es nicht notwendigerweise besitzen, es reicht auch, sich daran zu erfreuen. Wir tun es.

Die Zeiten, in denen uns jede Saison eine neue It-Bag um die Ohren gehauen wurde, und ein neuer Trend, dem man folgen sollte, um ihn kurze Zeit darauf wieder zu begraben, sind glücklicherweise vorbei. Das kommt uns sehr entgegen. Denn wir glauben an eine DNA, die sich in den Namen aller großen, traditionellen Luxusmarken wiederfindet. Es geht um das Bekenntnis zur Exzellenz, sei es, was das Design, die Materialien und die Ver- arbeitung angeht. So entstehen Stücke, die für uns da sind, und nicht solche, die von uns einfach nur spazieren getragen werden wollen. Und genau solche inszenieren wir in ICON. Jetzt und in Zukunft.

Darina in einem Mantel und Tasche von Prada. Die Fotos entstanden in und vor den „Spreegraphen Studios“ in Berlin-Charlottenburg.
Oberteil und Kragen: Gucci, Kleid: Celine, Ohrringe: „Clash de Cartier“
Darina trägt eine Bluse von Saint Laurent über mytheresa.com
Darina trägt einen Pulli von Max Mara,
Kleid: Missoni, Ohrring „Love“ von Cartier. Kollege Bogdan trägt eine Jacke von Ermenegildo Zegna, Hemd: Etro
Darina trägt ein Kleid, Bogdan Mantel, Pullover und Hose von Jil Sander
Mantel und Hose: Giorgio Armani, Lochhemd und Minirock: Valentino, Schuhe: Unützer
Jacke und Latzhose: Gucci, Hemd: Dior Homme, Schuhe: Fendi
Der Anzug ist von Kiton. Hemd: Loro Piana. Jacke: Fendi
Mantel und Rollkragen: Hermès, Bluse und Unterrock: Dior, Ohrringe: Missoni, Schuhe: Tod’s
Darina trägt Mantel, Stiefel, Hut und Kette von Chanel
Jacke: Brunello Cucinelli, Hemd: Brioni, Hose: Dior
Bogdan trägt Mantel, Anzug, Hemd und Sneaker von Louis Vuitton
Bogdan trägt eine Jacke von Boss, Hemd: Versace, Pulli: Ferragamo, Hose: Zegna
Jacke, Pullunder, Rock und Schuhe von Louis Vuitton

Signatur & Kreativität

Die aktuellen Herbst-/Winter-Kollektionen der großen Marken bieten nicht nur Stücke für eine Saison. Sie sorgen auch für emotionale Bereicherung.

Fotos: Max von Treu c/o Kathrin Hohberg

Styling: Julia Quante

Models: Darina Toropova und Bogdan Pysarenko c/o System Agency

Haare & Make-Up: Gabrielle Theurer c/o Basics

Licht-Assistenz: Mark Simpson und Viktor Ebell

Techniker: Ben Breuer c/o Blink Imaging

STILL SUPER

Der Faszination für die Supermodels der 90er-Jahre kommt Superkräften gleich: immer etwas schöner, etwas erfolgreicher und zweifelsohne langlebiger. So macht es gar nichts aus, dass die 90er schon zwei Dekaden her sind. 1994 von Michel Comte aufgenommen, ziehen Kristy Hume, Nadja Auermann, Nadège du Bospertus, Claudia Schiffer, Carla Bruni, Linda Evangelista, Naomi Campbell, Christy Turlington, Shalom Harlow, Brandi Quinones ziehen noch immer in ihren Bann. Nun wagt Claudia Schiffer als Kuratorin der Ausstellung „Captivate! Modefotografie der 90er“ mit 150 Objekten den Blick zurück auf die Hochzeit ihrer Karriere. Bis 9. Januar, Kunstpalast Düsseldorf. Buch zur Ausstellung: Prestel

Darren Shooter, Design Director

SO GUT WIE NEU

Upcyling hat im Bereich der Einrichtung längst das Etikett „Trend“ abgestreift und sich fest etabliert. In der Mode kann dagegen schon das Wiederannähen eines Knopfs für einige zur Herausforderung werden. Wegwerfen sollte aber auch nicht die Lösung sein. Bei The North Face stellt man sich nun mit der Plattform Renewed dieser Aufgabe. Alte Stücke der Marke werden gesammelt, bis zum Neustandard gereinigt und wieder repariert. Was nicht mehr aufgearbeitet werden kann, wird recycelt und für neue Kollektionen benutzt. Ziel ist es, den Lebenszyklus eines Kleidungsstücks zu verlängern, um gleichzeitig weniger Müll zu produzieren.

„Wir wollen Kunden, aber auch Konkurrenten, dazu bewegen, ihre Sichtweise auf Circularity zu verändern. Denn allein werden wir es nicht schaffen“, sagt Design Director Darren Shooter. Zum Kick-off Event in Berlin durften zehn Modedesign Studenten ihre Version eines zweiten Lebens für abgelegte The North Face Stücke präsentieren. Die Ergebnisse reichen von fantasievoll bis handwerklich herausfordernd, wenn etwa aus einem Loch viele werden und eine rostrote Jacke, vom Mars inspiriert, nun der Oberfläche des Planeten gleicht. Oder die Schulterpartie einer Daunenjacke durch ein aufwendiges Webmuster ersetzt wird. „Wir mussten uns anpassen, weil man nur mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten kann“, erklärt Darren Shooter das Renewed-Konzept. Die Stücke im neuen Online-Shop gestalten sich zwar weniger abenteuerlich, verstehen sich aber als umso verlässlichere Begleiter auf Abenteuern. Auf alle Renewed Stücke gibt es ein Jahr Garantie. Jennifer Hinz

Fendi x Versace

Familienalbum

40 Jahre Emporio Armani: Dahinter stehen unzählige Bilder, die einen Zeitgeist ebenso reflektieren wie die Identität einer Marke. Sie füllen heute, gemeinsam mit Mode von Emporio Armani, eine Ausstellung in den Armani Silos, die das Label zum Jubiläum veranstaltet hat. In ganz Mailand hängen Werbeplakate, junge Männer und Frauen unterwegs in der Großstadt, aufgenommen in Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die man zeitlich im Hier und Jetzt ebenso verorten kann wie in die 80er-Jahren. 1981 lancierte Armani die jüngere Zweitlinie zu seiner Hauptmarke, angetrieben von dem Gespür, dass eine junge Generation mit anderen Werten und Idealen von der Mode ignoriert wurde. 40 Jahre später will auch die neue Kollektion in die Zukunft blicken und so betrat Armani zum Finale seiner Show nicht alleine den Laufsteg. An seiner Seite hatte er seine langjährigen Co-Designer Leo Dell´Orco und Silvana Armani, die, so hat er es bereits angekündigt, seine Arbeit fortführen sollen. Für die nächsten 40 Jahre ist also gesorgt.

Grund zur Zuversicht

 Die 70er-Jahre, die Hippie-Bewegung, Spiritualität und Mystizismus: Klingt nach einem Standard-Rezept für eine bunte, gut gelaunte Etro-Kollektion voller Fransen, Kaftane und Paisley-Prints. Veronica Etro war zwar nach guter Laune zumute, aber nicht nach Standard-Lösungen. „Bohemian, Vintage, Gipsy-Look – das wollte ich alles nicht. Diese Kollektion sollte aufgeräumt und cool aussehen. Deswegen habe ich auch zurück in die 90er-Jahre geblickt“, sagte sie vor der Show. Das Ergebnis: Ein Mix aus ausdrucksstarken Mustern (allen voran Blumen) und Schnitten, die den Minimalismus der 90er in Erinnerung rufen, mit Neckholder-Tops, Hüfthosen, schmalen, den Körper umschmeichelnden Kleidern, Baggy-Pants und Plateau-Sandalen.

 Diese Etro-Kollektion ist wie immer fröhlich aber auch verführerisch und sexy. Da wird eine transparente Bluse ganz weit aufgeknöpft und zum weiten Blazer kombiniert, da lassen Cut-Outs am Blumenkleid ein wenig Taille herausblitzen, da halten hauchdünne Träger ein leichtes Top am Schlüsselbein zusammen. Ein Gefühl von Optimismus und Wiedergeburt habe sie feiern wollen, erklärte Etro. Für die Menschen, die nun aus ihren Höhlen gekrochen kommen und endlich wieder die Welt und sich selbst fühlen wollen, hat sie genau die richtige Kollektion entworfen.

MM6 Maison Margiela SS22 Show.

Live aus Mailand

Macht es spannend

Je länger Luke und Lucie Meier an ihrer Vision für Jil Sander tüfteln, desto mutiger wird sie. Die Marke, das haben sie längst verstanden, kann für mehr stehen denn weiße Hemden und navyblaue Mäntel. “Spannung ist Energie”, heißt es in der Pressemitteilung zur Kollektion. Und so schaffen die Designer Spannung, zwischen Volumen und Asymmetrien, zwischen reichen Texturen und monochromen Farben, zwischen Minimalismus und einer Extravaganz, die auch mal ein Animal-Print mit Quasten zulässt. Live aus Mailand

Klassiker Kollektion

Vintage Jägern hat die Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar hatten alle endlich Zeit zum Ausmisten, genauso viele schienen jedoch auch Zeit und Geld zum Shoppen zu haben. Schwierig, da einen Klassiker zu ergattern. Gerade lohnt es sich mehr, den Blick nach vorn zu richten, und zwar auf die neue Capsule Herbstkollektion von Saint Laurent und Mytheresa. Ganz im Geiste Yves Saints Laurents, Mode einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist die Kollektion inspiriert von den ikonischen Silhouetten der 60er, bunten 70er-Prints auf Mini-Kleidern und Blusen oder Slim-fit-Nadelstreifen Blazer zur Rüschenbluse. Gutes Design ist eben zeitlos. Die Kollektion gibt‘s ab 22. September bei Mytheresa.

Live aus London: Kindlich, verspielt, aber alles andere als brav: Simone Rocha denkt ihre typischen voluminösen Silhouetten neu, inspiriert von Kommunionskleidern, der Vertrautheit von Bettwäsche und der Intimität eines Boudoirs.

Erdems Frauen

Es war ein verregneter Tag in London, aber pünktlich zur Erdem-Show am Abend bildete sich ein Regenbogen am Himmel. Die 15 Jahre, die das Label nun auf diesem Planeten verweilt, sind schließlich auch voller Farben und Muster, allen voran Blumen, die Erdem von Saison zu Saison neu denkt und gestaltet. Ein wenig Hilfe bei der Inspiration bekam er dieses Mal von zwei begabten Damen, der Dichterin Edith Sitwell und der Künstlerin Ottoline Morrell, die beide zwischen dem Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten. Keine von beiden hatte Interesse daran, sich anzupassen, sagt Erdem Moralioglu. Im Gegenteil, sie liebten es, aufzufallen. Dieser freiheitsliebende Geist steckt in der Mode von Erdem. Im kommenden Herbst zeigt sie sich weniger feminin aber etwas fokussierter, auf Lochspitze, auf dunkle Töne wie Schwarz oder Khaki, auf geschneiderte Teile, die übrigens auch den Männern sehr gut stehen, die hier zum ersten Mal auf einem Erdem-Laufsteg zu sehen sind. „Es hat sich hier irgendwie passend angefühlt, dass beide Geschlechter sich miteinander austauschen würden“, sagte der Designer nach der Show. Silvia Ihring live aus London

Inga Griese bei WELT IM TV

über die Met-Gala in New York

Zurück auf die Bühne

Auf eines kann man sich bei Michael Kors immer verlassen: Er gibt stets sein Bestes, um gute Laune zu verbreiten. Für seine persönlichen Glücksgefühle verlässt er sich auf den regelmäßigen Besuch von Broadway-Musicals und -Theaterstücken, von denen es so langsam mehr und mehr wieder auf Live-Bühnen schaffen. Für seine Show, die auf der Terrasse des Restaurants „Tavern on the Green“ im Central Park stattfand, baute Kors seine eigene Bühne auf. Der Musical-Star Ariana DeBose, die in Stücken wie „Hamilton“ aufgetreten ist, lieferte die Songs zu den Catwalk-Auftritten von Models wie Kendall Jenner, Adut Akech oder Gigi Hadid.

Der Look: Elegant und romantisch, inspiriert von den Glockenröcken und Strickjacken der 50er-Jahre. Blazer mit offenen Dekolletés richten sich an die Frauen, die sich wieder aufs Büro freuen, Spitzenröcke werden zu BH-Tops oder weißen Blusen kombiniert und Pastellfarben vermitteln eben die hoffnungsvolle Botschaft, die Michael Kors an die Welt senden will. Dies tut er auch mit seinem Engagement für die New Yorker Charity-Organisation Gods Love We Deliver, zu deren Ehren er einen Pullover entworfen hat. Erlöse aus dessen Verkauf unterstützen die Arbeit der Organisation, die kostenlose Mahlzeiten für an HIV oder Krebs erkrankte Menschen in der Stadt zubereitet und an diese verschickt.  Silvia Ihring aus NY

Sinnhaft schön

Jeder Entwurf von Gabriela Hearst steht für eine Mission. Für den Frühling und Sommer 2022 stellt diese die Lage der Navajo-Gemeinschaft in den Mittelpunkt, die wie so viele alte Indianer-Stämme in den USA unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit leidet. Für ihre neue Kollektion ließ Gabriela Hearst Webarbeiten von den Navajos herstellen, kooperierte zudem mit mehreren Kreativen aus der Community und mit verschiedenen NGO´s, die Handarbeiten in Ländern wie Bolivien und Hearsts Heimatland Uruguay fördern. Die Materialien? Umweltfreundliches Leinen und Kork für die Schuhe, die Farben kommen ohne Chemikalien aus und die Baumwollteile basieren ausschließlich auf Stoffresten.

Von Ferien und Farben

Die Sonne über Little Island ging gerade unter, aber der Laufsteg von Proenza Schouler strahlte umso stärker. Mit der im Frühling eröffneten, auf tulpenförmigen Betonstelzen gebauten Insel konnte das Label eine der wohl aufregendsten Locations der Saison gewinnen, aber auch die Mode überzeugte. Lazaro Hernandez und Jack McCollough dachten ihre Klassiker neu, weite fließende Kleider, locker sitzende Trenchcoats und Anzüge, verarbeitet in Jacquards und getaucht in leuchtende Farben. An den Ärmeln baumelten dicke Fransen aus Perlen, Mäntel waren mit verfremdeten Tigermustern bedruckt und Cut-Outs zierten Rollkragen-Tops, die zu weiten luftigen Hosen kombiniert wurden. Inspirationen von einer Reise nach Hawaii spiegelte sich in den Details der Kollektion wider, wie den handgemachten Lei, den typisch hawaiianischen Blumenketten, die einige Models um die Hälse trugen. Die Großstadtinsel Manhattan mag sich nicht immer paradiesisch anfühlen, aber Proenza Schouler liefert die Art Mode, die das Leben dort ein wenig angenehmer macht. Silvia Ihring aus NY