Thema Mr ICON

Rollenspiel mit neuen Regeln 

Als Mensch aufzuwachsen heißt, mit Archetypen und Kategorien aufzuwachsen. Wie sieht ein Künstler aus, woran erkennt man einen Architekten und wie unterscheidet man Erfolgsmenschen von Faulenzern? Konzepte, die in den Augen von Virgil Abloh infrage gestellt werden sollten. Sein Medium dafür ist natürlich Mode: Für die Louis Vuitton-Herrenkollektion für Fall Winter 2021 erforscht der Designer den Hang einer Gesellschaft, Menschen zu kategorisieren sowie diese Kategorien mit Vorurteilen aufzuladen. Gedreht im Tennis Club de Paris, der wie ein hypermoderner Flughafen eingerichtet wurde, zeigt das Video zur Kollektion einen Cast aus fast ausschließlich schwarzen Models, Filmcharaktere, die ihr eigenes Drehbuch schreiben.

Sie tragen Nadelstreifen-Anzüge, bodenlange Trenchcoats oder Pelzjacken, sehen aus wie Business-Männer am Flughafen-Terminal oder Teilnehmer eines Rodeos. Ebenfalls zentraler Teil des Videos: Eine Musikperformance der Rap-Künstler Yasiin Bey (früher bekannt unter dem Namen Mos Def) und Saul Williams. Abloh fordert dazu heraus, die Charaktere nicht sofort mit Werten und Eigenschaften aufzuladen, sondern sie neu zu sehen. Passend dazu verfolgt er auch diese Saison das Upcycling-Prinzip: Stoffe und Ideen aus vergangenen Saisons werden wiederholt eingesetzt. Das Ergebnis ist nicht „alt“, sondern vertraut – und eben deswegen emotional.  Silvia Ihring

Im Partnerlook 

Selbst zu Nadelstreifen hat sie sich diese Saison überreden lassen: Das gestand Miuccia Prada in dem Gespräch mit Raf Simons, das auf den Film zur neuen Männerkollektion folgte und in dem die Co-Designer Fragen von Studenten aus aller Welt beantworteten. Austausch, Kontakt, Anteilnahme: Menschliche Grundbedürfnisse haben die Arbeit an dieser Kollektion geleitet. Sie dienten als Inspiration für texturreiche Materialien, gestrickte Jaquards gemixt mit Re-Nylon und Bouclé, hautenge Bodysuits, kokonartige Bomberjacken. Stücke, denen man ein langes Leben voraussagen kann, ebenso wie für das Show-Setting von Rem Koolhaas und AMO: Die Materialien werden in Zukunft für Installationen und Pop-Ups wiederverwendet. Silvia Ihring 

Dior Men’s Fall 21 show by Mister Kim Jones. Hypercoloured, hyperreal and in collaboration with artist Kenny Scharf.

„Hello, it`s Silvia calling“: So beginnt der Dance-Pop-Song, der eigens für die neue Fendi-Männerkollektion SS 2021 komponiert wurde. Und wenn Silvia Fendi anruft, hört (und schaut) man hin: In dem dazugehörigen Video laufen Models durch ein Labyrinth aus Spiegeln, die in unterschiedlichen Farben aufleuchten. Der Look zum aufwendigen Set: Wattierte Daunenhosen, Anzüge mit Pullundern, Daunenjacken in schimmernden Edelsteintönen und Scribble-Muster des Londoner Künstlers Noel Fielding, mit dem Fendi diese Saison kooperiert.  

Hello it’s Silvia calling,
I just wanted to tell you
about…
Normality
Color
What is Normal Today
about…
Light and darkness
I wanted to talk to you,
about…
Looking at life in black in white
or looking at life through a spectrum
and it’s like monochromatic and then
all of a sudden…
Lights
Elegance
Normality
Color
Light
and Darkness
Life
Humanity
…an infinite Spectrum

 Silvia Venturini @ FENDI MEN’S FASHION SHOW

Jogger zum Blazer

Mit seinem Kollektions-Film für SS 2021 reflektiert Ermenegildo Zegna unseren Alltag, in dem die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen verschwimmen und in dem alte Stil-Regeln bedeutungslos werden. Kleidung muss diesem Lifestyle gerecht und dementsprechend neu gedacht werden. Mehr Komfort, mehr Funktion sorgen für eine neue Vorstellung der klassischen Herrenschneiderei. Bei Zegna sagt man dazu: “(Re)Tailoring The Modern Man”.  

Ermenegildo Zegna

Hemd mit verdeckter Knopfleiste am Rücken, Steghose und Sneakers alles von Prada. Brille: Campbell. Sideboard: USM Haller
Lars Burmeister mit Stretch-Longsleeve mit Houndstooth-Muster: Lacoste. Brille : Campbell (Berlin und Hamburg)
Shirt mit Tunnelzug-Raffungen und wellenförmig geschnittenem Saum: Off-White. Jogpants aus Feinstrick: Salvatore Ferragamo. Pantoffeln aus Leder mit Fellfutter: Birkenstock
Grobstrickpull- over aus Alpaka- woll-Mix: Roberto Collina über Apropos. Anzughose aus kariertem Baum und Schurwollmix: Etro.Hocker: COR. Leuchte: „Salt & Pepper“ von Tobias Grau. Flakon: „Bleu de Chanel“
Jacke: Ermenegildo Zegna. Wollpullover: Brax. Jog- pants mit Galonstreifen innen: Boss. Pennyloafers: Salvatore Ferragamo
Breitcordanzug mit aufgesetzten Taschen und gerade geschnittener Hose: Windsor. Baumwollhemd mit kurzer Schluppe: Hermès. Sessel: Minotti Berlin. Lampe: „Mito terra“ von Occhio
Hemd „24/7“ aus Baumwollstretch: Olymp. Locker geschnittene Wollstoffhose: Giorgio Armani. Hightop-Sneakers aus Monogramm-Stoff: Dior. Lesebrille: Oliver Peoples
Strickpullover: Loro Piana. Tischleuchte: „John“ von Tobias Grau. Chronograph „Spirit“ von Longines. Kosmetik zur Hand: „Instant Energy“ Ampul- lenkur von Babor Men
Anzug aus Kaschmir mit hellgrauen Nadelstreifen, bestehend aus Blouson und schmal geschnit- tener Jogpants, sowie Kaschmir- pullover: alles von Brunello Cucinelli. „Portugieser Yacht Club Chronograph Steel Bracelet Blue“: IWC. Sneakers aus Canvas und Leder: Brax. Lampe: „Yanzi“ von Artemide
Cardigan aus schwerem Grobstrick: Bottega Veneta. Rollkragenpullover aus Merinowolle: Olymp. 5-Pocket-Jeans mit Acidwash: Bally
Rollkragenpullover: Windsor. Bundfaltenhosen und Gürtel: Ermenegildo Zegna. Sport-Chronograph „Carrera Calibre Heuer 02“ vonTag Heuer. Kaschmirsocken: Falke. Runde Lampe „O“ aus schwarzem Aluminium: Artemide.
Stretch-Longsleeve mit Houndstooth-Muster und Hose mit Zippertaschen: Lacoste. Ledersneakers: Boss. Socken aus Kaschmirmischung: Falke. Stehlampe: „Ilio“ von Artemide

Daheim ist daheim

Ein neuer Dresscode wird jetzt definiert. Am Anfang der Pandemie haben es sich alle im Homeoffice gemütlich gemacht. Jetzt wissen wir: Das Homeoffice bleibt, Remote wird fester Bestandteil unserer Arbeitswelt. Eine Video-Konferenz ist kein privater Fernsehabend. Die Bilder aus Livestreams gehen um die Welt, werden gepostet und geshared und bleiben für immer im Internet. Jedes gute Haus hat eine Haltung, auch zu Hause. Wir baten Lars Burmeister, ewiges Topmodel, zu einem Shooting in einen gepflegten Berliner Altbau.

Fotograf: Max von Treu c/o Kathrin Hohberg
Styling: Daniel Sartore
Model: Lars Burmeister c/o Mint Artist Management
Haare + Make-up: Stefanie Willmann c/o Ballsaal
Digital Operator: Ben Breuer c/o Blink Imaging
Lichtassistenzen : Mark Simpson Sebastian Resch c/o Blink Imaging
Styling-Assistenz: Jakob Schaefer
Casting: Dominik Wimmer
Location: Gebrüder Fritz, Berlin

Captain Future Gorden Wagener, Kreativchef der Daimler Group