Thema Persönlich

Ruhe oder Depression? Auszeit oder Einsamkeit? Wie geht es Ihnen, was sehen Sie hier? Die Frau an den Stufen zur Bucht malte Gerhard Richter 1985 in Venedig. Jenem Ort, der wie keiner von der Schönheit von Vergänglichkeit erzählt. Und der Vergänglichkeit von Schönheit. Was machen wir mit solchen Momenten? Bedauern, dass sie entschwinden? Danken, dass es sie gab? Sie wurzeln lassen im Seelengarten? Mich lullt das Bild friedvoll ein, ich höre, wie das Wasser ganz leise an die Steine schwappt, verweile in der Überlegung einzutauchen. Freue mich auf unbeschwerte Momente. Mensch, werden wir die genießen!

Im Vorwort zum schönen Bildband „Landschaft“ (Hatje Cantz) mit den Arbeiten von Gerhard Richter schreibt die österreichische Kunsthistorikerin Ingried Brugger: „Durchblättert man sein umfangreiches Werk seit den frühen 1960er-Jahren, so entschwindet nach und nach der Faktor Zeit, ja, es entsteht … so etwas wie ein ungewöhnliches Konzentrat von Gleichzeitigkeit.“ Ist das womöglich ein anderes Wort für Patchwork, das uns aktuell wieder in der Mode begegnet, aber auch in den Daseinsfetzen, die es zusammenzuhalten gilt? Den meisten von uns ist zudem der Faktor Zeit womöglich entglitten. Heute ist Sonntag, könnte es auch ein Lockdown-Freitag sein? Der Mai ist gekommen, aber ist er wirklich da? Unsere Wahrnehmung hat etwas von psychedelischen Mustern. Die machten auch Emilio Pucci berühmt, zum Glück in schön bunt. Und so schalten wir jetzt mal um. Ölen die Flügel. Die Bäume schlagen aus, die Träume auch. Ihre Inga Griese

„Man muss als Schauspieler immer bereit sein, sich von einem Regisseur verführen zu lassen – und ehe man sich’s versieht, fährt man eine halbe Stunde mit einer Krone auf dem Kopf nackt mit einem Fahrrad im Kreis und denkt, das sei das Tollste, was man je auf einer Bühne gemacht hat.“

Schauspieler Joachim Meyerhoff im Interview

„Sich andere zum Vorbild nehmen hieße ja, sich Lebenswege abzuschauen. Ich gehe da meinen eigenen Weg. Ich bin auch keiner, der sich nur so zum Austausch unter Männern trifft.“

 Jochen Zeitz im Interview 

LACHEN LOS!

Es wird Zeit, den Seelenfrieden mal nach vorn zu lassen. Womöglich etwas albern zu werden. Echte Männer haben sich noch nie zu ernst genommen. Lachen bringt uns nicht weiter als hadern, aber es fühlt sich besser an. So leicht absurd der Gummi-Kollege da auf dem Foto aussieht, so gute Laune macht er doch. Die Aufnahme stammt von der jüngsten Louis-Vuitton-Präsentation in Tokio, wir haben sie ausgewählt, weil man ziemlich viel Freude hineinlesen kann. Mir gefällt die Vorstellung, sich von einem großen Quatschkopf in den Arm nehmen zu lassen. Mir gefällt aber auch der weiße Anzug sehr gut, die Coolness des Models.

Die Mode verändert sich nach all den Homeoffice-Monaten, die ja auch ohne Virus eine Zukunftsoption sind, und sie hätte es womöglich ohnehin getan, weil es Zeit war, dass auch die Männer sich nicht nur in Codes kleiden. Aber klar ist auch: Die Jogginghose kann jetzt grad mal ausgemustert werden. Kann ganz nach hinten in den Schrank oder zu den Sportsachen. „Los, los!“, ruft der Frühling, der im Zweifelsfall erst im Sommer kommen wird. Gepflegt und stilsicher für sich selbst ruft Mann zurück: „Bin bereit!“ Die Vorfreude ist da, der Friseur auch wieder, niemand muss sich dafür schämen.

Unsere kleinen Enkeltöchter haben am vergangenen, wieder verregneten Wochenende viel Zeit im Badezimmer verbracht. Sommerferien heißt ihr Spiel. Badeanzüge an, Creme auf die Körper, Badekappen auf, Gummiviecher geholt, Brause bei Mama bestellt, das Wasser in der Wanne war der Pool. Wie wäre es? Whisky Sour anrühren, Badehose von Fedeli an, Popover-Shirt überziehen, die Ray Ban aufsetzen, italienische Musik anstellen, träumen. Ihre Inga Griese

HEISSES THEMA

Der Fotograf und Polarforscher Sebastian Copeland ist ganz nah dran am Klimawandel. Mit seinen Bildern will er aufrütteln. Ein Plädoyer.

 

Mehr

„Die Reaktion am Ende dieser Krise wird womöglich eine Überraschung sein, denn ich glaube, dass die Menschen alles vergessen werden wollen. Mehr konsumieren denn je. Das beunruhigt mich, ich denke, wir müssen uns erinnern. Und anders arbeiten, mehr Augenmerk auf die Zukunft und die Umwelt legen.“

Maria Grazia Chiuri, Kreativdirektorin Dior, Sonntag im Interview in WELT AM SONNTAG.

Es begibt sich

Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.“ Solange ich denken kann, ist Weihnachten mit der Geschichte aus dem Lukas-Evangelium verbunden, in der Kirche, und noch mal vor der Bescherung vorgetragen. Sie ist quasi der Tannenbaum meines Glaubens. Mit echten Kerzen. Wenn ich sie höre, dann zieht Frieden ein. Auch weil es die Zeit dafür ist. So wird es auch in diesem Jahr sein, und auch wenn wir uns Heiligabend nicht alle Mann in die kleine Friesenkapelle quetschen dürfen. Vieles ist anders. Auch die Weihnachtsgeschichte auf unserem Cover. Wir baten Florentine Joop, dafür ihre Fantasie zu füttern mit den Themen, die uns auch nach der Pandemie beschäftigen werden. Wie wollen wir leben, mit wem? Was machen wir mit unserer Umwelt, unserer Mitwelt, was mit der Magie, der Kreativität, der Toleranz und den Augenblicken? Entstanden ist ein starkes, skurriles Bethlehem-Wimmelbild. Ich mag es sehr, schon weil der Grundton so liebevoll ist. Meine Lieblingsstelle der Weihnachtsgeschichte ist: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Es gibt vieles in meinem Herzen, wofür ich außerordentlich dankbar bin. Bei allem, was auch mal ist. Daran will ich auch zum Ende dieses merkwürdigen Jahres festhalten. Weiterhin vertrauensvoll sein. Und Ihnen, unseren Freunden, danken. Möge mindestens ein Engel mit Ihnen sein! Ihre Inga Griese