Thema Persönlich

Es begibt sich

Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.“ Solange ich denken kann, ist Weihnachten mit der Geschichte aus dem Lukas-Evangelium verbunden, in der Kirche, und noch mal vor der Bescherung vorgetragen. Sie ist quasi der Tannenbaum meines Glaubens. Mit echten Kerzen. Wenn ich sie höre, dann zieht Frieden ein. Auch weil es die Zeit dafür ist. So wird es auch in diesem Jahr sein, und auch wenn wir uns Heiligabend nicht alle Mann in die kleine Friesenkapelle quetschen dürfen. Vieles ist anders. Auch die Weihnachtsgeschichte auf unserem Cover. Wir baten Florentine Joop, dafür ihre Fantasie zu füttern mit den Themen, die uns auch nach der Pandemie beschäftigen werden. Wie wollen wir leben, mit wem? Was machen wir mit unserer Umwelt, unserer Mitwelt, was mit der Magie, der Kreativität, der Toleranz und den Augenblicken? Entstanden ist ein starkes, skurriles Bethlehem-Wimmelbild. Ich mag es sehr, schon weil der Grundton so liebevoll ist. Meine Lieblingsstelle der Weihnachtsgeschichte ist: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Es gibt vieles in meinem Herzen, wofür ich außerordentlich dankbar bin. Bei allem, was auch mal ist. Daran will ich auch zum Ende dieses merkwürdigen Jahres festhalten. Weiterhin vertrauensvoll sein. Und Ihnen, unseren Freunden, danken. Möge mindestens ein Engel mit Ihnen sein! Ihre Inga Griese

1984 entstand die Aufnahme von Fotograf Joel Meyerowitz. 36 Jahre später wirkt sie geradezu irritierend aktuell. Der Mann in Sakko, Hemd und Krawatte spiegelt sich im Wasser, beim zweiten (oder ersten?) Blick sieht man seine nackten Beine. Des Königs neue Hosen. Wie soll er sein, der Mann? Das glatte Wasser täuscht die Sinne, die gesellschaftliche Diskussion schlägt Wellen, und womöglich steht er da gar nicht so fest im Sand. Gleichwohl aufrecht. Und nein, nicht kurz vorm Untergang. Mr ICON November 2020.

 

Photo: „Rick“ © Howard Greenberg Gallery. On view until mid-May 2021 in the exhibition „America 1970s/80s“ in der Helmut Newton Foundation in Berlin.

Genießt das Leben! Ich war viel zu viel unterwegs, hatte zu viel um die Ohren. Ich brauchte diese Pause. Für mich als kreative Person war das eine gute Erfahrung. Einfach mal innezuhalten. Und wissen Sie, ich war noch nie so produktiv. Es gab Projekte, über die ich jahrelang nachgedacht habe, und jetzt habe ich sie einfach in zwei Monaten erledigt. Nach Krisen haben die Menschen oft die kreativsten Phasen.

Edgardo Osorio, Co-Gründer und Kreativdirektor von Aquazzura

2020 ist ein Jahr der Umbrüche und großen Veränderungen. Allerdings bieten sie eine Chance auf Reinigung und Besinnung auf wesentliche Werte. Es bricht nicht alles zusammen, sondern sortiert sich nur neu.

Astrologin Ute Flörchinger, ICON Dezember 2019

Geduld ist der neue Rhythmus. Ich habe das große Glück, diese ungewöhnliche Situation auf dem Land zu verbringen. Die Natur hilft mir, Dinge in die rechte Perspektive zu rücken. Besonders jetzt im Frühling, der Zeit der Erneuerung. Die Natur ist unser großer Lehrer und Heiler.

Emmanuel de Bayser, Inhaber The Corner Berlin

Wildes Getöse, hektisches Treiben. Alles immer höher, schneller, weiter. Schriller. Bunter. So würde ich die Welt noch bis vor wenigen Monaten beschreiben. Die Welt überdreht – aber diesmal nach unten. Wir stehen vor Herausforderungen, deren Lösung wir nicht kennen, und haben Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt. Doch gerade in diesem Nebel von Ungewissheit lässt sich finden, was viele aus den Augen verloren haben: Menschlichkeit. Wir rücken zusammen, zeigen Solidarität und Nächstenliebe. Die Menschen finden, wonach sie seit Längerem gesucht haben: Zeit. Die Gesellschaft wird entschleunigt. Wir kommen zur Ruhe und können nachdenken. Vor allem aber müssen wir umdenken.

Hiltrud Thoma-Osthoff, Senior Consultant Elasten