Thema Uhren

Keine Zeit zu sterben

Seit 1995 trägt James Bond Uhren von Omega – damit ist er seinen Zeitmessern wesentlich treuer als seinen Frauen. Als der Kinostart von „Keine Zeit zu sterben“ deshalb im März 2020 wegen Covid verschoben werden musste, unkten viele Experten, dies würde auch den Erfolg der „Seamaster Diver 300M 007 Edition“ schmälern. Doch glaubt man den Bielern, war das Gegenteil der Fall. Omega hatte sich gegen eine limitierte Stückzahl entschieden und die Kunden waren anscheinend froh, schon ein wenig von Bond bei sich tragen zu dürfen. Nun kommt der Streifen, der für viele Fans eine Rückkehr zur Normalität symbolisiert, tatsächlich in die Kinos – und die Manufaktur hat schon einmal einen kleinen Vorgucker als Werbefilm veröffentlicht. Wir lernen: Die Zeit geht weiter – und das in in bester 007-Manier mit einem stylischen Knall.

Hochfrequent

Frederique Constants „Monolithic“-Hemmung gehört zweifellos zu den wichtigsten technischen Neuerungen  der vergangenen Jahre. Schließlich räumt sie gründlich mit einem 250 Jahre alten Bauprinzip auf, benötigt statt 26 Bauteilen nur eines und ist völlig amagnetisch. Die Schwingfrequenz ist zehnmal so hoch wie bei üblichen Mechanismen. Dadurch ist sie superpräzise – und ein echter Hingucker. Die „Slimline Monolithic Manufacture“ gibt es in zwei Stahl- und einer Roségoldversion.

Stadt und Erdkreis

Bulgari hat zuletzt immer wieder mit den Komplikationen für seine ultraflache „Octo Finissimo“ Furore gemacht hat. Jetzt demonstriert das Haus, wie sich auch die kräftigere „Octo Roma“, elegant aufrüsten lässt: Die „Octo Roma Worldtimer“ zeigt im 24-Stunden-Format die Zeit in 24 Zeitzonen. Für Mitteleuropa steht natürlich: Roma. Automatikwerk, Edelstahlgehäuse am Stahlband mit blauem Blatt oder schwarz beschichteter Edelstahl am Kautschukband mit schwarzem Blatt.

Maus-Zeiger

Comic-Kooperationen sind derzeit ein heißes Thema in der Haute Horlogerie. Bei Bulgari haben sie schon Tradition – oder vielmehr bei Designlegende Gérald Genta, dessen Marke die Italiener 1998 kauften. Die „Gérald Genta Arena Retro Mickey Mouse Disney“ folgt weitgehend einer Vorlage aus den 90ern. „Retro“ steht dabei gar nicht für nostalgische Gestaltung, sondern für die typische retrograde Minutenanzeige Gentas, kombiniert mit einer springenden Stunde im Fenster. Die Uhr mit Stahlgehäuse und Automatikantrieb ist limitiert auf 150 Exemplare.

Licht aus: Licht an!

Wenn die Zeitanzeige nicht mehr die Hauptaufgabe feiner Uhren ist, kann auch profane Leuchtmasse ganz neue Funktion bekommen. Roger Dubuis hat schon im vergangenen Jahr gezeigt, wie dramatisch sich damit inszenieren lässt: Bei der „Excalibur Twofold“ glühen in der Dunkelheit die Konturen des Armbands im selben Grün wie die Zeiger und die Kanten der Werkbrücken. Die „Excalibur Flying Tourbillon Glow Me Up“ geht noch viel weiter: mit der vierfarbigen Illumination von Werkteilen und 60 Baguette-Diamanten auf der Lünette, unter denen Leuchtmasse eingelassen wurde. Das Ergebnis ist ein kompletter Image-Wechsel, palace by day, circus by night, quasi zwei Uhren in einer – aber nur achtmal zu haben.

Womanhood, Watches and Instincts

Endlich wieder ein Live-Event. Inga Griese sprach mit Aurélia Jouhanneau (Audemars Piguet) und Vanessa Dietl (Max Dietl Haute Couture). Denn: Innovation ist feminin.

Maurice Lacroix, AIKON Master Grand Date Only Watch
Armin Strom, Gravity Equal Force Only Watch
Cyrus Klepcys, DICE OW Soldier
Hermès, H08 Only Watch
Jaquet Droz, Grande Seconde Skelet One Tourbillon
Krayon, OW21 Face
Perrelet TurbineHOPE
Speake Marin, Dual Time
TAG Heuer, TH2021 MONACO ONLY WATCH
Blancpain

Signalton

Alle zwei Jahren werden bei der „Only Watch“ hochfeine Uhren-Unikate versteigert, eingereicht von großen Marken und kleinen Spezialisten. Der Erlös unterstützt die Erforschung der Duchenne-Muskeldystrophie.53 einmalige Zeitmesser gehen im September auf Welttournee; die Auktion findet Anfang November in Genf statt. Die ersten Stücke werden schon jetzt präsentiert. Dabei zeigt sich, dass sich einige Marken bei ihrem Beitrag von den leuchtenden Logo-Farben der diesjährigen Charity-Aktion haben inspirieren lassen: mit ein wenig oder sehr viel Orange auf Blatt, Ziffern, Zeigern und Bändern.

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UFO

Der Vorname des Gründers war Programm: Obwohl in Le Locle weit entfernt von jeder Küste, wurde der Uhrenhersteller Ulysse Nardin berühmt mit seinen Schiffschronometern, deren präzisem Lauf keine Nässe und kein Schaukeln zwischen hohen Wellenbergen etwas anhaben konnten. Zum 175. Geburtstag präsentiert das Haus eine Tischuhr, die, in Ermangelung bewegender Wogen, selbst schön schaukeln kann, wenn man sie anstubst. Der Name “UFO” steht für “Unidentified Floating Object”. Dabei erkennt jeder Seefahrer sofort eine Boje, die er immer wieder vertrauensvoll ansteuern kann. Einmal aufgezogen zeigt sie ein ganzes Jahr lang die Zeit in drei Weltregionen – auch küstenfernen.

State of the Art

Uhren von Patek Philippe sind seltener als die anderer Luxusmarken. Der handwerkliche Aufwand, mit dem sie gefertigt werden, hält die Serien klein. Aber es geht noch rarer: Neben den Modellen der Kollektion entstehen jedes Jahr „Rare Handcrafts“, einzelne Tisch-, Taschen- und Armbanduhren, die das ganze kunsthandwerkliche Können der Manufaktur versammeln und neu kombinieren: traditionelle Emailletechniken, Gravur, Steinbesatz, Guillochache und Holzmarqueterie – der Falke auf dem Zifferblatt der weißgoldenen „Calatrava“ besteht aus hunderten winziger Furnierstückchen. Gut 75 grandiose Produkte des Jahrgangs 2020/21 sind noch bis zum 3. Juli im Genfer Stammhaus an der Rue du Rhône zu sehen – und sicher bald darauf Teil diskreter Privatsammlungen. Jan Lehmhaus

Aufs Wasser!

Zu TAG Heuer fällt den meisten wahrscheinlich Motorsport ein, von wegen Monaco und Carrera. Dabei beherrscht das Haus seit langem auch den Bau sehr seriöser Taucheruhren. Die frisch überarbeitete „Aquaracer Professional 300“ – mit Keramiklünette, neuem Gliederarmband und aufgeräumtem Blatt – ist nicht nur übersichtlicher und komfortabler als ihr Vorgänger, sondern auch flacher und eleganter: für den überzeugenden Auftritt an Deck.

EISBRECHER

Schwarz, präzise und robust: Die Tudor „Black Bay Ceramic“ hebt den Klassiker der Schweizer Manufaktur auf das nächste Level. Das Keramikgehäuse gibt einen konsequenten Look, das Werk ist extrem unempfindlich gegen magnetische Einflüsse. Eine verlässliche Begleiterin bei jeder Aktivität – und ein guter Einstieg in gepflegten Smalltalk ist sie auch.

Das schrille Memphis-Design der 1980er ist inzwischen voll zitierfähig. Jetzt wird mit der „Tissot Heritage Memphis“ auch eine Uhr aus diesen Jahren wieder aufgelegt. Die Arbeiten der Gestalter um Ettore Sottsass waren ein Protest gegen das Diktat des Funktionalismus. Ihn mit der Entwicklung einer Uhr zu beauftragen war umso mutiger, aber auch sehr erfolgreich. Die neuen Modelle haben ein leicht modifiziertes Gehäuse, natürlich ein Quarzwerk, und kosten ab 350 Euro

Vor zehn Jahren begann mit Mr. Porter ein neues Kapitel im Online-Shopping. Zum Jubiläum gibt es in Zusammenarbeit mit IWC Schaffhausen eine auf 110 Stück limitierte Uhr: Beim Fliegerchronograpen leuchtet die Ziffer „10“ durch Superluminova im Dunkeln. Das Stück kostet 7850 Euro ­– als Statement-Piece, was die eigenen Einkaufsgewohnheiten betrifft, lässt sich der präzise Zeitmesser aus der Schweiz allemal bezeichnen.

Trends des Jahres: Die isolierten Menschen sind auf den Hund gekommen und Stahluhren boomen. Der „Heritage Chronologischer“ von Tudor vereint viele Vorzüge dieser Art Uhren: In ihm arbeitet ein stabiles Manufakturwerk, 42mm Durchmesser sind nicht zu auffällig, 4210 Euro ergeben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Halsband/ Leine: Hermès, Hemd: Bottega Veneta über mytheresa.
Wenn den Engländern Ende des 19. Jahrhunderts zu Hause langweilig wurde, spielten sie nach dem Essen auf dem Tisch noch eine Runde Wiff Waff, heute auch als Pingpong oderTischtennis bekannt: Jaeger- LeCoultre „Polaris Mariner Memovox Stahl“, Zifferblatt mit Sonnenschliff, Spahirglasboden, Alarmfunktion, 17.300 Euro. Tischtennis-Set: Louis Vuitton
Badminton ist seit 1992 olympisch, beim Federball darf es aber gemächlich zugehen: Rado „Golden Horse Automatic Limited Edition“, poliertes Gehäuse, gravierter Gehäuseboden, wasserdicht bis 50 Meter, 6100 Euro
1853 baute der Schweinfurter Philipp Moritz Fischer das erste Fahrrad, an dem sich Pedale fanden, Patek Philippe war da schon 14 Jahre alt: „Nautilus Travel Time Chronograph“, Referenz 5990/1A, Stoppuhr mit 60-Minuten-Zähler, Zwei-Zeitzonen-Mechanik, um 51.000 Euro. Fahrrad: Tokyobike, Jacke: Prada über mytheresa.com, Hemd: Etro, Shorts: Brunello Cucinelli
Fischerei gibt es, seit Menschen die Erde bevölkern – und zum Spaß wird auch schon seit Jahrhunderten geangelt: Glashütte Original „SeaQ“, Automatikaufzugmit 40 Stunden Gangreserve, Ziffern mit Super-LumiNova, 10.000 Euro
460 v. Chr. empfahlen Ärzte in Griechenland erstmalig, sich bei einem Spiel mit einer Kugel zu entspannen: Chopard „Alpine Eagle 44 mm“, Fylback-Chronograph als Chronometer zertifiziert 60 Stunden Gangreserve, um 19.000 Euro. Boule-Set: Manufactum
Alles Leben stammt aus dem Wasser, seit 1896 ist Schwimmen auch im olympischen Programm: Wempe „Iron Walker Taucheruhr“, Automatik mit Datumsanzeige und innenliegender Taucherlünette, 2975 Euro
Die ersten kommerziellen Tennisanlagen entstanden nach 1500 in Paris, heute gehören die French Open zu den vier Grand-Slam-Turnieren: Audemars Piguet „Royal Oak Offshore Chronograph Automatik“, 42 mm Durchmesser, aufgesetzte Indexe und Weißgold-Zeiger mit Leuchtbeschichtung, 32.500 Euro. Tennisschläger und Ball: Wilson
Wer Golf erfunden hat, weiß niemand, sicher ist aber, dass das schottische Parlament den Sport 1457 erstmalig verbot und anordnete, stattdessen Bogenschießen zu üben: Breitling „Chronomat B01 42 Bentley“, einseitig drehbare Lünette, als Chronometer zertifiziert, 7900 Euro. Golfeisen und Bälle: Titleist
Alles begann, als englische Eliteschüler zu Beginn des 19. Jahrhunderts hinter einer Schweineblase herliefen, in Deutschland schoss Helmut Rahn 1954 für den Fußball das Tor zum Glück: Longines „Spirit“, verschraubte Krone, 60 Stunden Gangreserve, 2700 Euro. Fußball: Manufactum
Seit im Jahr 1864 Schandauer Turnerin der Sächsischen Schweiz den Falkenstein bezwangen, gilt Klettern in Deutschland als Sport: Zenith „Chronomaster Sport El Primero- Schaltradchronograph“, Automatikwerk, Keramiklünette mit Zehntelsekundenanzeige, 9700 Euro. Karabiner/Seile:Black Diamond
Seilspringen kam im17. Jahrhundert in Holland auf – heute schulen nicht nur Boxer ihre Koordination mit dem Gerät: Omega „Speedmaster Moon Professional“, Chronograph mit Handaufzug und Co-Axial-Hemmung, unempfindlich gegenüber Magnetfeldern von bis zu 15.000 Gauß, 6100 Euro. Springseil: Louis Vuitton, Flasche: Adidas
Über Jahrtausende war das Reiten eine Notwendigkeit, um 1900 etablierte sich der Pferdesport: Rolex „Oyster Pepetual 36“, Manufakturwerk, Oystersteel, Zifferblatt in Candy Pink, 5200 Euro. Sattel: Hermès, Gerte: Fundus

An der frischen Luft

Wichtig ist, was vor der Tür passiert: Endlich spielt das Leben wieder draußen. Mit diesen Stahluhren spielen Sie ganz vorn mit!

 

 

Fotos: Christian Hagemann

Styling: studio.Stadelmann

Model: Leonard Löhn

Zeit für Helden 

Achtung, Spoiler! Keine Angst, wir verraten Ihnen natürlich nicht das Ende des Oscar-gekrönten Action-Films Black Panther. Was wir Ihnen aber durchaus schon anvertrauen dürfen, ist, dass die Royal Oak Concept Black Panther Flying Tourbillon vermutlich nicht die einzige Superhelden-Hommage in der Kollaboration von Audemars Piguet mit Marvel bleiben wird. Angelehnt an den Superhelden, erscheint die Uhr in einem violett-schwarzen Farbmuster. Ins Auge sticht vor allem Black Panther selbst, der als dreidimensionales Relief das Ziffernblatt ziert. Limitiert auf 250 Exemplare.

Badminton ist seit 1992 olympisch, beim Federball darf es aber gemächlich zugehen: Rado „Golden Horse Automatic Limited Edition“, poliertes Gehäuse, gravierter Gehäuseboden, wasserdicht bis 50 Meter, 6100 Euro

Fotos: Christian Hagemann
Styling: studio.Stadelmann

Tag Heuer x Porsche

Schon seit Jahrzehnten sind Tag Heuer und Porsche miteinander verbunden, unter anderem hatte Steve McQueen den Schriftzug des Uhrenherstellers auf seinem Rennoverall, als er in dem Film „Le Mans“ am Steuer seines Porsche-Boliden saß.  Nun bauen die beiden Unternehmen ihre Partnerschaft deutlich aus. Am Beginn steht eine neue Version von Tag Heuers „Carrera“-Klassiker: Die „Carrera Porsche Chronograph Special Edition 44 mm Calibre Heuer 02 Automatic“ hat im Design viele Merkmale, die deutlich an den Porsche 911 erinnern.

So sind die Ziffern des Stahl-Modells denen auf dem Dashboard des Sportwagens nachempfunden, das Blatt ist in asphaltgrau gehalten, der Aufzugsroter des Automatikwerks hat die Form des Lenkrads. Das Stück ist mit Stahl- oder Lederband erhältlich, die Lederversion erinnert durch die schwarze Farbgebung noch stärker an den Innenraum eines 911.

Insgesamt sorgt der sportliche Look dafür, der Partnerschaft ein Gesicht zu geben. Tag-Heuer-Chef Frédéric Arnault stellte bei der digitalen Präsentation klar, dass es keineswegs bei der Uhr bleiben werde, sondern sich seine Manufaktur unter anderem intensiv um die Motorsportaktivitäten der Zuffenhausener kümmern wolle. Die Autobauer sind dort unter anderem in der Formel E vertreten, die sich Elektroantrieben verschrieben hat. Für den Markt ist der Launch ein Signal: Das Geschäft mit den Stahluhren, Tag Heuers Kerngeschäft, boomt derzeit nicht nur in Deutschland – und die Schweizer sind bereit, gemeinsam mit einem großen Kooperationspartner dieses Feld weiter zu befeuern. Das nun präsentierte Modell dürfte jedenfalls bei der Konkurrenz zur Kenntnis genommen worden sein. Philip Cassier

Piloten können ihren Beruf derzeit kaum ausüben, aber die Uhren, die für die Luftfahrt konstruiert werden, hatten schon immer einen besonderen Appeal. Das beweist auch die neueste Sonderedition von IWC:  Zum ersten Mal präsentiert die Schaffhausener Manufaktur seine patentierte Timezoner-Funktion im Design der „Le Petit Prince“-Sondereditionen.

Die „Pilot’s Watch Timezoner Edition Le Petit Prince“ ist auf 1500 Exemplare limitiert. Sie besticht mit einem blauen Zifferblatt und einem Städtering aus blauer Keramik. Das 46-Millimeter-Gehäuse aus Edelstahl sorgt dafür, dass das Modell am Handgelenk gut zu sehen ist, die patentierte Timezoner-Funktion ermöglicht es, einfach zwischen verschiedenen Zeitzonen zu wechseln. Dafür muss nur die Lünette heruntergedrückt und an die gewünschte Stelle gedreht werden. Außerdem muss das Uhrwerk nicht gestoppt werden, um den Mechanismus auszulösen – so geht auch beim Überschreiten der Datumsgrenze keine Sekunde verloren.

Für den Antrieb sorgt das IWC-Manufakturkaliber 82760. Das Automatikwerk gilt als besonders robust und präzise, es bietet eine Gangreserve von 60 Stunden. Das verzierte Werk ist durch einen Glasboden sichtbar – man muss also wirklich nicht in die Luft gehen, um sich daran zu erfreuen. Philip Cassier